"Ausgerechnet": Geophysiker arbeiten für Versicherungen Von Alexandra Busse
Warum Geophysiker bei Versicherungen arbeiten: Ein Interview mit Markus Treml, 35, Geophysiker und im Risikomanagement der Alllianz tätig.
Markus TremlMARKUS TREML: Ich arbeite in der Abteilung Risikomanagement Naturkatastrophen im Bereich der Rückversicherung der Allianz. Dort analysiere ich mit Computerprogrammen das Risiko von Erdbeben. Das heißt, meine Kollegen und ich berechnen die Wahrscheinlichkeit von Beben beinahe weltweit. Zudem schätzen wir die Höhe der möglichen Schäden, die die Versicherung tragen muss.
ZEIT: Aber kennzeichnet nicht eine Katastrophe, dass sie unvorhergesehen passiert?
TREML: Das stimmt natürlich. Aus den historischen Beben der letzten 10.000 Jahre lassen sich allerdings Zonen bilden, die sich in Zukunft wahrscheinlich wieder ähnlich verhalten werden. Wir sammeln also möglichst viele Informationen über die Vergangenheit und leiten daraus die Zukunft ab. Inzwischen hat jedes Land ein Netz von Seismometern, mit denen Erdbeben lokalisiert und die Stärken bestimmt werden. Diese Daten sind unsere wichtigste Grundlage. Hinzu kommt unser Wissen über tektonische Verwerfungen und ihre Aktivitäten sowie über die Bauweise in den Ländern.
ZEIT: Ist für einen Geophysiker eine Karriere in einer Versicherung nicht ungewöhnlich?
TREML: Die Einsatzgebiete von Geophysikern sind vielfältig. Neben den klassischen Forschungstätigkeiten arbeiten viele in der Erdölindustrie, in Ingenieurbüros oder der IT. Das Berufsfeld hängt stark von der Ausrichtung der Uni ab. Ich hatte mich dort schon auf Ingenieurseismologie spezialisiert und Einblick in die Aufgaben der Rückversicherer bekommen. In die versicherungsspezifischen Themen musste ich mich aber noch einarbeiten.
Über die Autorin
Alexandra Busse arbeitet für DIE ZEIT
Aus DIE ZEIT :: 26.06.2008
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