Abschied vom Elfenbeinturm: Vom Labor in die Unternehmenskommunikation Von Judith Jenner
Drei Wissenschaftler erzählen von ihrem Wechsel von der Hochschule in die freie Wirtschaft.
Kerstin Crusius (39): "Ich war noch nie so eine Tüftlerin, die sich jahrelang mit einer Fragestellung im Labor verbuddelt. Ich mag die Abwechslung."Schon als Studentin der Freien Universität hatte die Biochemikerin ein Praktikum im Unternehmen gemacht. Nach dem Postdoc-Programm blieb sie als wissenschaftliche Gruppenleiterin, von 2003 bis 2005 forschte sie für Schering in Kalifornien. Heute hat Kerstin Crusius die Forschung verlassen und ist verantwortlich für die externe Kommunikation von Forschungs- und Entwicklungsthemen in der Unternehmenskommunikation.
"Statt mich wie in der Forschung intensiv mit mehr oder weniger einem Thema zu beschäftigen, nehme ich jetzt die Vogelperspektive ein", sagt sie. An die Sprache der privaten Wirtschaft musste sich Kerstin Crusius erst gewöhnen: "Target Validierung" - dieses Wort tauchte plötzlich in jeder Sitzung auf. Aber sie findet es spannend, wie die einzelnen Abteilungen des Konzerns wie Zahnräder eines Uhrwerks ineinandergreifen, neue Medikamente patentreif machen und auf den Markt bringen.
An eine Hochschule zurückzukehren, schließt sie für sich ziemlich sicher aus. Das bessere Gehalt, der sichere Arbeitsplatz, die Entwicklungschancen - auch außerhalb der Forschung -, das könne man ihr an der Universität ohne Habilitation nicht bieten, glaubt sie. "Außerdem zählt für eine Karriere in der Wissenschaft, dass man publiziert", sagt sie. Und das sei im Unternehmen schwieriger, weil das Tagesgeschäft die Arbeit bestimmt. "Wer nicht sein ganzes Leben in der Forschung bleiben möchte, sondern auch andere Bereiche ausprobieren will, dem bietet ein Wechsel in ein forschendes Unternehmen vielseitige Perspektiven", sagt Kerstin Crusius. Sie hat ihre Entscheidung jedenfalls bis heute nicht bereut.
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Quelle: academics
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16. Mai 2012
Technische Universität Dresden, Dresden concept




