Der Bachelor: nicht immer der berufsqualifizierende Abschluss Von Margret Wintermantel
Angesichts der hohen Studierendenzahlen ist eine Reihe von Problemen dringlich zu lösen. Eines davon ist der Übergang vom Bachelor zum Master.
© hrk.de - Photo FiegelProf. Margret Wintermantel ist Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz Wir sollten uns in dieser Situation über klare Koordinaten verständigen:
1. Die Politik darf bei der Studienfinanzierung die Bachelorprogramme nicht einseitig bevorzugen. Sie darf die Bachelor- nicht gegen die Masterprogramme ausspielen. Wir brauchen beide in genügender Zahl.
2. Der Zugang zum Master sollte nach Eignung und Neigung erfolgen.
3. Die Studierenden müssen die neuen Chancen, die durch das zweigliedrige Studiensystem entstanden sind, noch besser verstehen und nutzen. Bachelorabsolventinnen und -absolventen der Chemie etwa können forschungsorientiert weiter studieren oder beispielsweise ein wirtschaftswissenschaftliches Masterstudium anschließen. Die Möglichkeit, erst nach einer Phase der Berufstätigkeit mit mehr Wissen und Erfahrung ausgestattet an die Hochschule zurückzukehren, ist ebenfalls eine attraktive Option.
Artikel zum Thema4. Der Arbeitsmarkt muss sich noch stärker auf die neue Studienarchitektur einstellen. Unternehmen und Öffentlicher Dienst müssen in Stellenanzeigen und öffentlichen Äußerungen klar machen, welche Einstiegs- und Karrieremöglichkeiten sie Bachelorabsolventinnen und -absolventen bieten. Auch Klein- und Mittelbetriebe müssen die Chancen nutzen, die im gezielten Einsatz von Bachelors liegen. Es gilt auch, die Studierenden im Rahmen von Praktika zu fördern und das Training on the Job systematisch einzuplanen.
5. Der Bachelor ist grundsätzlich ein vollwertiger berufsqualifizierender Abschluss. Es müssen jedoch Ausnahmen von dieser Regel definiert werden. Ein markantes Beispiel sind die Lehramtsstudiengänge. Wo das Berufsbild den Masterabschluss erfordert, brauchen die Studierenden die Garantie für einen Studienplatz nach erfolgreicher Bachelorprüfung. Dies muss finanzpolitisch sichergestellt werden.
Die Hochschulen haben in den letzten Jahren alle Anstrengungen unternommen, die europäische Studienarchitektur zu realisieren. Viele der unvermeidlichen Probleme bei dieser tief greifenden Umstellung haben sie pragmatisch und flexibel gelöst. So haben sie etwa auch die Möglichkeit genutzt, die Äquivalenz von neuen und traditionellen Abschlüssen deutlich zu machen. Die Hochschulen brauchen weiterhin die Unterstützung von Politik und Wirtschaft. Kompromisse bei der Qualität der Lehre werden sie nicht machen: Sie stehen zur Exzellenz bei den Inhalten des Studiums und damit zu ihrer Verantwortung für die Kompetenz der Absolventinnen und Absolventen.
Aus Nachrichten aus der Chemie» :: März 2011
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