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Karrierewege in der Forschung
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Forschung und Entwicklung: Lukrativer Arbeitsmarkt für Nachwuchswissenschaftler    
Von Ann-Kathrin Akalin

Seniorenfreundliche Fahrzeuge, Ganzkörper-3-D-Scanner, Autositze aus Zucker und Cellulose oder neue Medikamente gegen Krebs: Forschung mit praktischem Nutzen verbinden - ein Traum vieler Nachwuchswissenschaftler. Im Bereich der Forschung und Entwicklung in Unternehmen geht es genau darum - um die produktive Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft.

Forschung und Entwicklung: Lukrativer Arbeitsmarkt für Nachwuchswissenschaftler© mammamaart - iStockphoto.comDie Industrie bietet mit spannenden Forschungsprojekten attraktive Einstiegs- und Aufstiegsmöglicheiten
Forschung und Entwicklung - dahinter stecken spannende Themen, zukunftsweisende Technologien und hochwertige Produkte. Woran heute die Forscher in den Unternehmen tüfteln, das nutzen morgen vielleicht schon wir alle. Während die Grundlagenforschung meist an Hochschulen oder außeruniversitären öffentlichen und privaten Einrichtungen stattfindet, geht es den Firmen vor allem darum, die wissenschaftlichen Erkenntnisse so weiterzuentwickeln, dass direkte praktische Anwendungen ermöglicht werden, die schließlich in absatzfähige Produkte münden. Diese innovative Kraft ist für die Unternehmen ein wichtiger Faktor für die Zukunftsfähigkeit und die Behauptung auf dem Markt. Für Nachwuchswissenschaftler/innen bietet sich hier ein weites Feld mit sehr guten - häufig auch internationalen - Entwicklungsmöglichkeiten.

Chancen im In- und Ausland

Der Stellenwert von Forschung und Entwicklung wird bei der Bayer AG bereits im Leitbild deutlich: "Science For A Better Life". Das Unternehmen, welches neben Medikamenten, Pflanzenschutzprodukten und Kunststoffen auch IT-Infrastruktur und Technologielösungen für die chemisch-pharmazeutische Industrie anbietet, legt großen Wert darauf, "überdurchschnittlich qualifizierte und hoch motivierte Mitarbeiter im Bereich Forschung und Entwicklung zu beschäftigen, die in der Lage sind, das Leitbild des Unternehmens in die Praxis umzusetzen", wie Dr. Dirk Pfenning aus dem Center of Expertise People Development der Bayer AG betont.
Mit mehr als 12.000 Stellen in diesem Bereich bietet Bayer den Mitarbeitern eine breite Palette an Chancen im In- und Ausland: ungefähr die Hälfte der Forscher arbeitet in Deutschland, insgesamt zwei Drittel in Europa. Ein weiterer Schwerpunkt ist Nordamerika, wo rund 20 Prozent der FuE-Mitarbeiter tätig sind. 10 Prozent der Forscher/innen arbeiten in Asien. "Da die Rekrutierung international stattfindet, stammt auch an den deutschen Forschungsstandorten ein substantieller Anteil der Akademiker aus dem Ausland", erklärt Personaler Pfenning.

Als "entscheidenden Erfolgsfaktor für das Unternehmen" beschreibt Dr. Ulrich Eberl, Leiter der weltweiten Innovationskommunikation, den Bereich Forschung und Entwicklung beim in München ansässigen Industriekonzern Siemens, der auf den Gebieten Haushaltsgeräte, Kommunikationsnetze und -lösungen, Healthcare, Gebäudetechnik, Energie und IT-Lösungen tätig ist. Daraus entstünden Innovationen, die seit jeher der Grundpfeiler des Firmenerfolgs sind. Auch hier gibt es gute Einstiegsmöglichkeiten für Nachwuchswissenschaftler/innen: "Derzeit gibt es rund 1.500 offene Stellen bei Siemens, davon 80 Prozent für Ingenieure und Naturwissenschaftler", so Eberl. Rund 13.000 Mitarbeiter forschen in Deutschland für Siemens.


Forschung & Entwicklung: Lukrativer Arbeitsmarkt für Nachwuchswissenschaftler © Daimler AG Maria Riolo, Leiterin Global Talent Acquisition & Development bei Daimler
Auch bei der Daimler AG wird Forschung als unabdingbare Basis des wirtschaftlichen Erfolgs verstanden: "Unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten haben absolute Priorität", unterstreicht Maria Riolo, Leiterin Global Talent Acquisition & Development. Bei Daimler sucht man immer motivierte Leute, die "gemeinsam mit uns das Automobil zum zweiten Mal erfinden", so Riolo. Insgesamt arbeiten dort im FuE-Bereich rund 19.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Internationalität wird auch hier groß geschrieben: Die Teams sind häufig international besetzt und arbeiten länder- und auch zeitzonenübergreifend zusammen. Neben den FuE-Standorten in Deutschland hat der Automobilbauer Standorte in Bangalore (Indien), Yokohama (Japan), Shanghai (China), Palo Alto (USA/Kalifornien) und Moskau (Russland).

Forschungsbudgets steigen

Die Investitionen in FuE liegen in Deutschland mit 2,5 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt leicht über dem Durchschnitt der OECD-Ausgaben von 2,2 Prozent.

70 Prozent der Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen in Deutschland entfallen auf die deutsche Wirtschaft. Sie erhält derzeit knapp zwei Milliarden Euro jährlich für Forschungs- und Entwicklungszwecke von der öffentlichen Hand, Hochschulen und Forschungsinstitutionen bekommen knapp 15 Milliarden. Trotz Krise steigen die Forschungsbudgets der deutschen Wirtschaft weiter an: Waren es im Jahr 2007 53,5 Mrd. Euro, lagen die Planzahlen für 2008 bei 56,8 Mrd. Euro und für 2009 bei fast 60 Mrd. Euro - auf Forschung und Innovation können gerade die großen Unternehmen nicht verzichten.

Begeisterungsfähigkeit ist gefragt

Wie finden Wissenschaftler und Unternehmen schließlich zusammen? Bayer setzt zum Beispiel auf unternehmenseigene Recruiting Events wie Doktorandenkurse, Postdoc-Workshops sowie auf dee eigenen Website. Das Unternehmen ist außerdem auf Hochschulveranstaltungen und Absolventenkongressen im In- und Ausland vertreten. Bayer sucht qualifizierte Mitarbeiter in allen Bereichen: Bevorzugte Fachrichtungen sind Natur- und Ingenieurwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften und Informatik. Die überwiegende Zahl der angebotenen Arbeitsplätze für Absolventen der Naturwissenschaften sind Laborleiter-Stellen. Für diese ist eine Promotion erforderlich. Als Voraussetzungen für eine Einstellung nennt Pfenning neben exzellenten Sachkenntnissen aber auch Begeisterungsfähigkeit, Führungs- und kommunikative Kompetenz: "Bayer will auch 'Querdenker', die Möglichkeiten in Betracht ziehen, die auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen mögen".

Bei Daimler spricht man ebenfalls mit speziellen Events verstärkt den Ingenieurnachwuchs und Frauen in technischen Berufen an. Beim "Engineers Day" erhalten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen einen Überblick über die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Daimler sucht Ingenieure sowie Hochschulabsolventen aus den Fachrichtungen Maschinenbau, Elektrotechnik, Nachrichtentechnik, Fahrzeugtechnik, Wirtschaftsingenieurwesen, Informatik, Wirtschaftsinformatik, Luft- und Raumfahrttechnik oder auch Verfahrenstechnik. Wichtige Voraussetzungen sind laut Personalerin Maria Riolo Teamfähigkeit, authentische Persönlichkeit, Verständnis für andere Kulturen und gute Englischkenntnisse. "Ein Auslandsaufenthalt im Lebenslauf ist sicherlich ein Pluspunkt", sagt die Leiterin der globalen Personalgewinnung.

Die Corporate Technology bei Siemens beschreibt Eberl als ein wichtiges Eingangstor für Hochschulabsolventen, die später in die geschäftsführenden Einheiten wechseln können. Die Siemens-Forschung startet jedes Jahr rund 500 Forschungskooperationen weltweit, wo es neben dem eigentlichen Forschungsaspekt auch um Kontakte zu Spitzenforschern geht, die vielleicht einmal in die Industrie wechseln wollen. Gesucht werden u.a. Fachleute aus der Mathematik, Chemie, Elektrotechnik und der Physik. Eine Promotion wird bei der Bewerbung als hilfreich angesehen, insgesamt ist aber die Qualifikation des Bewerbers ausschlaggebend, Titel eher zweitrangig.

Attraktive Gehälter

Ein Pluspunkt bei den Jobs im Bereich Forschung und Entwicklung in Unternehmen ist das attraktivere Gehalt im Vergleich zu Universitäten oder öffentlichen Forschungsinstituten. Während dort durchschnittlich 41.000 Euro pro Jahr gezahlt werden, erhalten ihre Kollegen in der Industrie zwischen 52.000 Euro und 56.000 Euro jährlich (Durchschnittswert). Sogar bei Berufseinsteigern macht sich die Differenz bemerkbar: 34.000 Euro/Jahr in Forschungsinstituten stehen 41.000 Euro jährlich in der Industrie gegenüber.

Bei den Gehältern gibt es jedoch eine recht große Bandbreite, je nach Qualifikation und Berufserfahrung. Die Verdienstmöglichkeiten liegen bei Bayer beispielsweise jährlich um die 54.000 Euro für diplomierte Angestellte und 63.000 Euro für Angestellte mit Promotion. Hinzu kommen eine vom Unternehmenserfolg abhängige variable Einkommenskomponente sowie ein Zuschlag pro Jahr bei vorhandener Berufserfahrung. Daimler bietet neben der normalen Vergütung eine Reihe weiterer Arbeitgeberleistungen (Betriebsrente etc.). Ein interessantes Gehalt - ein Grund mehr, in der Industrie anzuheuern.


Quelle: academics