Gehalt - wer verdient was in Forschung und Entwicklung
Von Ann-Kathrin Akalin
Nicht nur Leistung und ein Doktortitel zählen, wenn es um das Einstiegsgehalt in Forschung und Entwicklung geht. Beste Aussichten auf eine gute Bezahlung haben Forscher und Entwickler, wenn sie sich statt für die Uni für die Industrie entscheiden, sie mit den Fachrichtungen Medizin oder Chemie liebäugeln und wenn sie im richtigen Bundesland arbeiten. Eine aktuelle Gehaltsanalyse.
© frank13 - photocase.comDie aktuelle Gehaltsübersicht zeigt: Gehälter in Forschung und Entwicklung varrieren stark nach Branche, Region, Abschluss und ErfahrungDer Bedarf an spezialisierten Forschern ist daher groß. Das interdisziplinäre Arbeiten mit dem Ziel, Innovationen zu entwickeln, ist eine besonders interessante Herausforderung mit insgesamt sehr guten Gehaltsaussichten. Die Gehälter variieren jedoch stark nach Branche, Region, Abschluss und Erfahrung: Besonders gut verdienen Forscher und Entwickler in der Konsum- und Gebrauchsgüterbranche. Wer in Bayern lebt, hat bessere Chancen auf ein gutes Gehalt als in Mecklenburg-Vorpommern. Akademiker mit Promotion können mit besonders attraktiven Verdienstmöglichkeiten rechnen. Und wer mehr als fünf Jahre Berufserfahrung mitbringt, hat beste Aussichten auf ein hervorragendes Gehalt.
Forschung findet zum einen an Hochschulen sowie an außeruniversitären Forschungseinrichtungen statt, die öffentlich gefördert werden. Der Löwenanteil der Forschungsprojekte entfällt jedoch auf die Industrie. Grundsätzlich gilt: Die Gehälter an Universitäten und Forschungsinstituten liegen im Schnitt um die 30 Prozent niedriger als in der Industrie, bestätigt Tim Böger, Geschäftsführer der Vergütungsberatung PersonalMarkt in Hamburg.
Wo wird am besten gezahlt, wo am schlechtesten? Wo locken besonders attraktive Gehälter? Und wie können Akademiker ihre Gehaltsaussichten verbessern? Der aktuelle Gehaltsvergleich auf Basis einer Auswertung von 15.857 Datensätzen von PersonalMarkt stellt folgende Faktoren heraus, die für ein gutes Gehalt ausschlaggebend sind.
Forschung und Entwicklung
Im Bereich Forschung und Entwicklung unterscheidet man zwischen Grundlagenforschung, die meist an Universitäten und Forschungsinstituten betrieben wird, und Produktentwicklung, die zum Großteil in der Industrie geleistet wird. Beide Bereiche arbeiten jedoch idealerweise Hand in Hand. Hochschulen setzen zunehmend auf Kooperationen mit Unternehmen, um Drittmittel einzuwerben und um den Forschungsergebnissen die praktische Umsetzung zu garantieren. Die Unternehmen wiederum profitieren von der in der Regel langfristigeren Forschung, die eine solide Basis für Innovationen darstellt und Themen in einen größeren Zusammenhang stellt.Je besser die Ausbildung, desto besser das Gehalt
Je nach Abschluss ergeben sich nach Informationen von PersonalMarkt bereits große Gehaltsunterschiede. Eine Promotion erhöht nicht nur die Chancen auf dem Bewerbermarkt, sondern garantiert auch deutlich bessere Gehaltsaussichten. Während ein Bachelor-Abschluss im Schnitt mit 47.000 Euro/Jahr vergütet wird, bringt ein Master-Abschluss 55.000 Euro/Jahr, das Uni-Diplom ebenfalls 55.000 Euro/Jahr und das FH-Diplom 57.000 Euro/Jahr.Forscher und Entwickler mit Promotion machen einen zusätzlichen Gehaltssprung: Promovierte Akademiker können im Schnitt mit 61.000 Euro/Jahr rechnen, ein Viertel der Akademiker mit Doktorarbeit verdient sogar mehr als 74.000 Euro/Jahr.
Fachrichtung bestimmt Höhe des Gehalts
Die Fachrichtung ist entscheidend für das zu erwartende Gehalt. Besonders gut bezahlt werden Forscher in den Bereichen Chemie und Medizin mit durchschnittlich 64.000 Euro/Jahr bzw. 78.000 Euro/Jahr. In der Medizin ist die Verdienstspanne besonders groß: Die Gehälter können bis auf weit über 100.000 Euro klettern, ein Viertel der Forscher verdient allerdings weniger als 64.000 Euro/Jahr. Der Bedarf an neuen Wirkstoffen zur Bekämpfung von Krankheiten ist besonders hoch, gleichzeitig stellt die Weiterentwicklung des Portfolios in Chemie- und Pharmakonzernen eine entscheidende Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg dar.Aber auch die Fachrichtungen Ingenieure (59.000 Euro/Jahr), Naturwissenschaften (58.000 Euro/Jahr), Life Science (56.000 Euro/Jahr), sowie Mathematik (55.000 Euro/Jahr) und Biologie (50.000 Euro/Jahr) versprechen hervorragende Gehälter.
Große Firmen zahlen besser
Die Größe einer Firma ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt für die Verdienstmöglichkeiten. Bei kleinen Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern verdienen Akademiker im Schnitt 49.000 Euro/Jahr. Ein Viertel der Akademiker in diesem Bereich bekommt sogar weniger als 42.000 Euro/Jahr, die Top-Verdiener erhalten mehr als 59.000 Euro/Jahr. Mittlere Unternehmen mit bis zu 1.000 Mitarbeitern zahlen im Schnitt 55.000 Euro/Jahr. Die größte Spanne ergibt sich bei großen Firmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern. Während man im Schnitt dort 66.000 Euro/Jahr verdienen kann, bekommt ein Viertel weniger als 56.000 Euro/Jahr, ein Viertel kann sogar mit mehr als 78.000 Euro/Jahr rechnen.Berufserfahrung bringt mehr Gehalt
Auch die Berufserfahrung entscheidet maßgeblich über die Höhe der Gehälter. Ein Berufsanfänger bekommt bis zu 50 Prozent weniger Gehalt als ein erfahrener Mitarbeiter mit mehr als fünf Jahren Berufserfahrung. Einsteiger mit weniger als zwei Jahren Berufserfahrung verdienen im Schnitt 45.000 Euro/Jahr, drei bis fünf Jahre Berufserfahrung werden im Schnitt mit 53.000 Euro/Jahr vergütet. Die erfahrenen Mitarbeiter können mit 69.000 Euro/Jahr im Durchschnitt rechnen, die Bestbezahlten unter ihnen erhalten sogar mehr als 81.000 Euro/Jahr.Frauen verdienen immer noch schlechter
Immer noch liegen die Durchschnittsgehälter von Frauen unter denen der Männer, in höheren Positionen nimmt der Unterschied sogar noch zu. Die Zahlen, die PersonalMarkt dazu liefert, bestätigen diese Aussage. Während Männer im Schnitt durch alle Branchen rund 60.000 Euro/Jahr verdienen, erhalten Frauen nur 50.000 Euro/Jahr. Die Top-Verdiener unter den Männern erhalten mehr als 72.000 Euro/Jahr, die besser bezahlten Frauen mehr als 62.000 Euro/Jahr.Regionale Gehaltsunterschiede
Wichtig ist auch die Frage, in welcher Region Deutschlands man im Bereich Forschung und Entwicklung arbeitet. Am besten kann man im Süden der Republik verdienen (Bayern, Baden-Württemberg, Hessen): Dort liegt das Gehalt im Durchschnitt bei 62.000 Euro/Jahr. Im Westen (NRW, Rheinland-Pfalz, Saarland) bekommt man durchschnittlich 2.000 Euro/Jahr weniger, im Norden (Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen) muss man im Vergleich zum Süden auf 4.000 Euro/Jahr verzichten, im Osten (Thüringen, Sachsen, Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern) sind es im Vergleich zum Süden Deutschlands sogar 8.000 Euro/Jahr weniger.Topbranchen und Flopbranchen
Als Forscher und Entwickler im Bereich der Konsum- und Gebrauchsgüter kann man am meisten Geld verdienen. In dieser Branche gibt es sehr viele Großunternehmen, die gut bezahlen. Auch die guten Vermarktungsmöglichkeiten der Produkte haben Einfluss auf die Gehälter. Bei 70.000 Euro/Jahr liegt das Einkommen in dieser Branche im Schnitt. Ein Viertel verdient hier sogar mehr als 83.000 Euro/Jahr. Die Telekommunikationsbranche liegt ebenfalls ganz oben auf der Gehaltsskala: Im Durchschnitt wird die Arbeitsleistung hier mit 68.000 Euro/Jahr vergütet. Es folgen Halbleiter-Industrie (66.000 Euro/Jahr), die Pharmabranche (64.000 Euro/Jahr) und Maschinenbau, Pumpen- und Schiffbau (62.000 Euro/Jahr).Weniger lukrativ für forschende Akademiker ist das Gesundheitswesen: Hier liegen die Einkünfte nach Angaben von PersonalMarkt im Durchschnitt bei 49.000 Euro/Jahr. In Ingenieurbüros werden durchschnittlich ebenfalls 49.000 Euro gezahlt. Noch weiter unten im Gehaltsspektrum rangieren Forschungsinstitute (46.000 Euro/Jahr), öffentliche Verwaltung und Behörden (45.000 Euro/Jahr) sowie Bildungsinstitutionen (44.000 Euro/Jahr), zu denen ja auch die Universitäten und Fachhochschulen gehören. Diese Zahlen belegen erneut die großen Gehaltsunterschiede für Forscher und Entwickler in Hochschule und Industrie. Viele Wissenschaftler wechseln mittelfristig von der Universität in die Wirtschaft, zum einen, weil sie oft nur Zeitverträge erhalten, zum anderen wegen der möglichen Gehaltsverbesserung.
Natürlich ist das Gehalt bei der Berufswahl nicht der einzige und entscheidende Faktor. Wer allerdings spannende Themen und ein von Innovation geprägtes Forschungsfeld sucht, ist sicher im Bereich der Forschung und Entwicklung an der richtigen Stelle.
academics :: März 2012
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