Juniorprofessur: Später Erfolg Von JAN-MARTIN WIARDA
Die Juniorprofessur beweist, dass Reformen ihre Zeit brauchen.
© Eduardo Fuentes Guevara - iStockphoto.comBei den Juniorprofessuren ist ein Stellenwachstum von 24 Prozent innerhalb eines Jahres zu verzeichnenIn Zeiten von Exzellenzinitiative, Kurzzeitverträgen und einer Rekordzahl von Postdocs werden die Vorzüge des Juniorprofs offensichtlich. Welche Schlussfolgerung lässt sich daraus ziehen? Dass manche Modelle, so durchdacht sie sein mögen, zu früh kommen und Antworten auf Fragen geben, die sich erst in der Zukunft stellen. Oder auch, dass Neues einfach Zeit braucht, um sich gegen das weit verbreitete Misstrauen gegenüber Veränderungen durchsetzen zu können. Natürlich bedeutet das nicht, dass jede neue Sau, die durch das deutsche Bildungsdorf gejagt wird, sich am Ende als eine gute erweist. Aber es bedeutet, dass man neue Ideen und Konzepte nicht nach dem Hü-hott-Prinzip einführen und beim ersten Gegenwind wieder abschaffen sollte. Der Vorwurf des Reformwahnsinns an Schulen und Hochschulen beruht ja auch darauf, dass manche Neuerung schon wieder abgeschafft oder verändert wird, bevor man sich an sie hätte gewöhnen können - weil es irgendein Politiker oder Hochschulrektor angesichts von Kritik mit der Angst zu tun bekommen hat.
Ein aktuelles Beispiel dürfte das Deutschland-Stipendium sein, mit dem die Bundesregierung die Studienfinanzierung revolutionieren wollte. Halb vom Staat gestiftet, halb von privaten Spendern und eingeworben von den Hochschulen. Doch statt der angepeilten 10.000 Stipendien sind im ersten Jahr nur 5.500 entstanden. Ein Grund, das Ganze zum Misserfolg zu erklären und abzublasen? Wohl eher, ihm ein paar Jahre Zeit zu geben. Vielleicht wird es ja zur Überraschung aller Skeptiker doch noch ein Erfolg.
Aus DIE ZEIT :: 05.01.2012
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