Neue Medizinmänner VON JAN-MARTIN WIARDA
Baden-Württemberg verärgert seine Uni-Kliniken mit einer Strukturreform, die mehr staatlichen Einfluss vorsieht.
© Claude Dagenais - iStockphoto.comDie bisher unabhängigen Universitätskliniken Baden-Württembergs sollen künftig den Universitäten unterstellt werdenDie Heftigkeit der Proteste hat die schwarzgelbe Regierung überrascht. »Wir sind seit Monaten im Gespräch«, sagt der CDU-Wissenschaftsminister Peter Frankenberg. Alle wesentlichen Kritikpunkte der Kliniken seien ausgeräumt, bereits im November sei ihm Zustimmung signalisiert worden. Dabei reicht die Empörung längst über die Grenzen des Bundeslandes hinaus: Der frühere Berliner Wissenschaftssenator George Turner etwa kritisiert die geplante Regelung als »verfassungsrechtlich problematisch«, da durch die Gewährsträgerversammlung die Legislative Einfluss auf exekutive Entscheidungen erhalte. Zudem habe das Nebeneinander von Aufsichtsrat und einer Art Überaufsichtsrat schon in Berlin nicht funktioniert. »Den Fehler, dass die Aufsichtsräte häufig nicht mit Fachleuten besetzt sind, behebe ich nicht, indem ich noch ein Gremium darüber stelle, in dem auch keine Fachleute sitzen.« Dieter Bitter-Suermann, Präsident des Medizinischen Fakultätentages, vermutet hinter dem Gesetz gar »die Riege der traditionalistischen baden-württembergischen Rektoren«. Die Hochschulchefs könnten nicht ertragen, dass den Kliniken durch die letzte Gesetzesnovelle Ende der Neunziger so viele Freiheiten eingeräumt wurden, dass sie sich als erfolgreiche Wirtschaftsmacht neben den Unis etablieren konnten. »Es geht hier um das Zurückerobern verlorener Einflusssphären, um nichts anderes.«
Artikel zum Thema
Aus DIE ZEIT :: 27.01.2011
Diese Artikel könnten Sie interessieren
Stellenangebote
Arbeitgeber im Blick
Diese Stellen könnten zu Ihnen passen
1. Mai 2012
RWTH Aachen University
3. Mai 2012
Pforzheim University




