Promovieren in der Medizin - die Position des Wissenschaftsrates Von Ulrike Beisiegel
Der Doktortitel ist bei 80 Prozent der Absolventen eines Medizinstudiums der übliche Abschluss. Die wissenschaftliche Qualität der Dissertationen ist allerdings oft gering, ja, die Arbeiten werden gar als "pro forma-Forschung" bezeichnet. Der Wissenschaftsrat fordert, die Promotion auf forschungsorientierte Mediziner zu beschränken.
© jgfoto - iStockphoto.comVor diesem Hintergrund hat sich der Wissenschaftsrat in den vergangenen Jahren mehrfach dafür ausgesprochen, die Promotionsphase wie in anderen Studiengängen erst im Anschluss an das Medizinstudium zu absolvieren. Darin sieht er eine wichtige Voraussetzung, das Niveau der Dissertationen in der Medizin deutlich anzuheben und dem der übrigen Fächer, insbesondere der Naturwissenschaften, anzugleichen. Abgesehen davon sind die Medizinischen Fakultäten und die Universitäten in der Pflicht, auch in der Medizin den Doktorgrad ausschließlich für Dissertationen zu verleihen, die einen substantiellen Beitrag zum wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt leisten. Ziel der Doktorandenausbildung muss es sein, die besten Absolventen in sachgerecht strukturierter Form (beispielsweise über Promotionskollegs) wissenschaftlich zu qualifizieren.
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Durch diese Entwicklung sieht sich der Wissenschaftsrat in seinen zentralen Forderungen bestätigt, die Promotion den forschungsorientierten und -interessierten Medizinern vorzubehalten und den übrigen Medizinabsolventen mit der Approbation (in Anlehnung an den angelsächsischen Medical Doctor) die Berufsbezeichnung 'Medizinischer Doktor' (MD) zu verleihen. Dieses Konzept würde auf der einen Seite dem wissenschaftlichen Anspruch einer Promotion gerecht und würde auf der anderen Seite den akademischen Titel für die ärztliche Tätigkeit erhalten.
Um sicherzustellen, dass auch diejenigen, die nicht promovieren, über grundlegende Kenntnisse des wissenschaftlichen Arbeitens verfügen, sollten diese Studierenden im letzten Jahr des Studiums eine nicht-experimentelle Abschlussarbeit anfertigen. Mit der Einführung eines wissenschaftlichen, strukturierten Begleitstudiums, das die notwendigen Kenntnisse für die klinische Forschung vermittelt und vier Semester nach dem ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung stattfindet, könnte schon in einem frühen Stadium das Interesse an medizinischer Forschung bei den Studierenden gezielt geweckt werden. Eine sich an das Studium anschliessende Promotionsphase ermöglichte es dann, sich wissenschaftlich gezielt weiter zu qualifizieren. Die derzeit übliche 'Türschildforschung' wäre in diesem Modell nicht mehr notwendig und die deutsche Universitätsmedizin wäre im internationalen Forschungsfördersystem wieder konkurrenzfähig.
Über die Autorin
Ulrike Beisiegel ist Vorsitzende der Wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrates und Direktorin des Instituts II für Biochemie und Molekularbiologie am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf.
Aus Forschung und Lehre :: Juli 2009
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