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"Kleine Revolution" bei der Studienstiftung und ihrem Aufnahmeverfahren

Das Interview führte Manuel J. Hartung

Die Studienstiftung will ihr Aufnahmeverfahren radikal umbauen. Künftig können sich Studenten selbst bewerben - müssen dann aber einen Leistungstest überstehen.

"Kleine Revolution" bei der Studienstiftung und ihrem Aufnahmeverfahren© StudienstiftungGerhard Teufel, 61, Generalsekretär der Studienstiftung des deutschen Volkes
DIE ZEIT: Die Studienstiftung des deutschen Volkes ist das größte Förderwerk für begabte Studenten. 2005 hatten Sie 6600 Stipendiaten, jetzt sind es 9000. Woher kommt das rapide Wachstum?

GERHARD TEUFEL: Früher wurden 0,65 Prozent der Studenten von allen Begabtenförderwerken unterstützt; die Bundesbildungsministerin möchte, dass es ein Prozent werden, sie hat dafür die Etats aller Stiftungen erheblich erhöht. Die Studienstiftung wird bald sogar 10.000 Stipendiaten haben.

ZEIT: Senken Sie dafür die Hürden? "Elite sein wird einfacher", lautete ein Zeitungskommentar.

TEUFEL: Wer mehr Leute aufnimmt, senkt nicht automatisch die Maßstäbe. Wir konnten bislang viele hochbegabte Studenten nicht aufnehmen - mangels Geld. Nun ist das Geld da. Wir werden aber in Zukunft weitere Zugangswege schaffen.

TEUFEL: Bislang kann sich kein Student selbst bewerben. Schulleiter schlagen ihre besten Schüler vor, Professoren und Prüfungsämter die besten Studenten. Schulleiter und Prüfungsämter können nun doppelt so viele Vorschläge machen wie bisher. Zusätzlich lassen wir von 2009 an zu, dass sich Studenten selbst bei uns bewerben. Das ist eine kleine Revolution: Bislang musste jeder entdeckt werden; heute kann man von sich aus sagen: Ich bin begabt!

ZEIT: Was soll das bringen?

TEUFEL: Die Schulen bleiben unser Premiumpartner. Vorschläge allein schöpfen aber das Bewerberpotenzial nicht aus. Nur drei Viertel aller Schulen schlagen Abiturienten vor; in Hessen ist die Chance, vorgeschlagen zu werden, doppelt so groß wie in Ostdeutschland. Da gibt es eine Gerechtigkeitslücke. Einige Schulen wählen zudem schematisch die Abiturienten mit den besten Noten aus. Für die Stu dienstif tung sind neben der Leistung aber auch Initiative und Verantwortung entscheidend. Wir möchten lieber jemanden mit etwas schlechterem Abitur fördern, der sich sozial engagiert.

ZEIT: Wie wollen Sie die Bewerberflut bewältigen?

TEUFEL: Wir werden einen Begabungs- und Studierfähigkeitstest einführen und die Entwicklung europaweit ausschreiben. Dabei geht es nicht um einen reinen IQ-Test, der ist zu schmalspurig. Es ist der Auftrag an die Entwickler, dass der Test die intellektuellen Fähigkeiten eines möglichen Stipendiaten zeigen muss - ob er Zusammenhänge erfassen und mit neuen Informationen umgehen kann. Wir haben dabei auch den Medizinertest im Blick, den die Studienstiftung damals entwickelt hat - der beste Test, den Deutschland je hatte. Unser Test soll jedoch für Studierende aller Fächer geeignet sein.
ZEIT: Verengen Sie das Anforderungsprofil für Stipendiaten? Engagement kann man schlecht testen.

TEUFEL: Wer beim Test zu den Besten gehört, bekommt die Einladung zu einem Auswahlseminar. Da geht es dann auch um das Engagement.

ZEIT: Wann beginnen Sie mit dem Test?

TEUFEL: Noch 2009. Bewerber sollen den Test ein Jahr nach dem Abitur ablegen. Wer jetzt Abitur macht, kann in der ersten Testrunde dabei sein.

ZEIT: Pro Jahr gibt es etwa 360 000 Studienanfänger. Wenn sich 15 Prozent bewerben, müssen Sie gut 50.000 Abiturienten testen. Ein riesiger Aufwand.

TEUFEL: Der Test wird bundesweit angeboten und in Testzentren stattfinden. Das ist Aufgabe eines noch zu findenden Partners. Finanziert wird der Test teilweise durch Gebühren der Teilnehmer - die sollen zwischen 30 und 50 Euro liegen, deutlich unter dem, was in den USA für solche Tests verlangt wird.

ZEIT: In den USA sind Tests wie SAT oder GRE Voraussetzung für einen Studienplatz. Auch in Deutschland wählen immer mehr Hochschulen ihre Studenten selber aus - bald auch mittels Ihres Tests?

TEUFEL: Ich bin mir sicher, dass der Test für die Universitäten interessant sein könnte. Viele wären sicher dankbar, wenn sie den Test übernehmen könnten. Damit könnten sie etwa auch herausfinden, wen sie von den Studiengebühren befreien wollen.

Aus DIE ZEIT :: 19.06.2008

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