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"Neue" Wege in der Krebsforschung

 

Ein Interview mit Professor Dr. Björn Scheffler, Inhaber der Lichtenberg-Professur für Stammzellpathologie an der Universität Bonn (vorher University of Florida, Gainesville).

"Neue" Wege in der Krebsforschung: StammzellpathologieProfessor Dr. Björn Scheffler
Was hat Bonn, was Gainesville nicht hat?

Das Institut für Rekonstruktive Neurobiologie, eingebettet in die medizinische Fakultät der Universität Bonn, bietet alle Möglichkeiten, mein integratives Konzept zum Studium von tumorigenen Stammzellen umzusetzen. Durch die Unterstützung der Volkswagen-Stiftung wird dieses Projekt in Deutschland ermöglicht.

Sie wollen "neue" Wege in der Krebsforschung gehen, ein Gebiet, mit dem sich viele Wissenschaftler sehr intensiv beschäftigen. Was hebt Sie von den anderen ab?

Dank der Anstrengung vieler konnten in den letzten Jahren innovative Strategien aus der Grundlagenforschung in der Klinik Anwendung finden. Diagnostische und therapeutische Verfahren wurden präzisiert und so die Prognose vieler Patienten deutlich verbessert. Trotzdem zeigen sich immer wieder besonders aggressive und therapieresistente Verläufe, wie z.B. beim Malignen Melanom der Haut oder beim Glioblastoma multiforme des Gehirns. Wir vermuten, dass in solchen Fällen Tumorzellen mit Stammzellcharakter für die schlechte Prognose der Patienten verantwortlich sind. Mein Ziel ist es, einzelne dieser Zellen aus Proben verschiedener Tumoren zu isolieren, um über vergleichende Studien therapierelevante Gemeinsamkeiten zu identifizieren. Dieser Ansatz wird bisher nicht häufig verfolgt, und ich gehe davon aus, dass ich von meinen Erfahrungen in den Gebieten der Neuropathologie und der Analyse von Stammzellen profitieren werde.

Artikel zum Thema Welche Rolle spielt es für Sie, dass von Ihren Forschungsergebnissen das Schicksal vieler Krebskranker abhängen kann?

Als Mediziner wünsche ich mir eine möglichst direkte Umsetzung von Laborergebnissen in den klinischen Alltag. Mir ist jedoch bewusst, dass verantwortungsvolles Arbeiten und auch die Aufklärung der Öffentlichkeit eine wichtige Rolle spielen, um verfrühte Hoffnungen zu vermeiden.

Welche Fortschritte erhoffen Sie sich für die Krebstherapie?

Die Tumortherapie könnte noch individueller ausgerichtet und effektiver werden. Ich hoffe, mit einem erweiterten Spektrum patientenspezifischer Diagnostik und neuartigen pharmakologischen Therapieansätzen dazu beizutragen.

Aus Forschung und Lehre :: August 2008

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