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"Produkte von der Entwicklung bis zur Marktreife begleiten"

Von Ulrike Schupp

Sebnem Rusitschka über ihre Arbeit als Informatikerin in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Siemens.

Produkte von der Entwicklung bis zur Marktreife begleiten - Forschung Siemens© Siemens AGSebnem Rusitschka forscht bei Siemens im Bereich der Peer-to-Peer Technologie
Peer-to-Peer Technologie (P2P), die Vernetzung gleichrangiger Rechner und der Aufbau entsprechender Kommunikationsarchitekturen, sind ihr Spezialgebiet. Die 29-jährige Informatikerin Sebnem Rusitschka arbeitet in München als Research Scientist, als Wissenschaftlerin, für Siemens.

academics: Von der Uni in die Forschungs- und Entwicklungsabteilung eines Konzerns. Für viele ist das ein Riesensprung. Wie verlief Ihr Einstieg?

Sebnem Rusitschka: Er ergab sich eher fließend aus meiner Biografie. Während meines Studiums habe ich für Siemens im Bereich Corporate Technology als Werkstudentin gearbeitet. Begonnen habe ich 2001 gleich in meinem ersten Semester an der Ludwig-Maximilians Universität in München. Davor studierte ich in den USA Wirtschaft und Computer Science, am Mount Holyoke College. Das war mein Einstieg ins Programmieren. Ich habe sofort gemerkt: Das ist etwas Geniales.

academics: Haben Sie überlegt in den USA zu bleiben?

Rusitschka: Schon damals gab es in den USA viele Digital Natives, geborene Internetuser, mit entsprechendem Know-How, eine große Konkurrenz. Zugleich war es mit hohem bürokratischem Aufwand verbunden, sich Studienvisa zu besorgen. Als Kind türkischer Lehrer in Deutschland hatte ich genau das schon einmal hinter mir. Ich beschloss, auch wegen der guten Chancen dort, nach Deutschland zurück zu gehen und fand eine interessante und anspruchsvolle Aufgabe bei Siemens.

academics: Wie beurteilen Sie den Forschungsstandort Deutschland?

Rusitschka: Deutschland ist top vor allem bei den neuen Technologien und bietet gute Karrieremöglichkeiten für Forschende. Durch die Entwicklung der EU entstehen weitere Perspektiven für Wissenschaftler. Ein Beispiel: Verteilnetze für erneuerbare Energien werden schließlich europaweit entwickelt. Außerdem ist die Basisausbildung an deutschen Unis sehr solide. Wichtig ist allerdings der Kontakt zur Arbeitswelt. Nicht alles lässt sich im Studium lernen.

academics: Sie haben sich als Wissenschaftlerin dafür entschieden in einem Unternehmen zu arbeiten, warum?

Rusitschka: Hier habe ich die Chance, ein neues Produkt von der Entwicklung bis zur Markteinführung zu begleiten und in meinem Interessengebiet zu arbeiten. Schon als Werkstudentin habe ich mich mit P2P-Technologie sowie mit der Entwicklung von Kommunikationsprotokollen für verteilte Systeme befasst. Peer-to-Peer ist eine Alternative zur Client Server Architektur, bei der die angeschlossenen Endgeräte - Handy, Laptop oder PC - gleichberechtigt sind. Jedes kann von jedem Daten abholen. Dass sie beim Datentransfer nicht auf das Funktionieren des zentralen Servers angewiesen ist, macht die P2P-Verbindung sicherer. Gleichzeitig ist sie kostengünstiger, weil kein Server angeschafft werden muss.
academics: Sehen Sie Unterschiede in der Arbeitsweise von Unternehmen und Universität?

Rusitschka: Der Blickwinkel ist anders. Im Unternehmen denke ich gewinnorientiert - versuche also Mehrwert zu schaffen und die Kosten gering zu halten. Gleichzeitig kann ich als Forscherin in der Wirtschaft natürlich neue Wege aufzeigen. Ich kann zum Beispiel zeigen, wie erneuerbare Energien kostengünstig gemanagt werden können. Im Arbeitsablauf fühle ich mich sehr frei. Die Möglichkeit zur flexiblen Arbeitszeitgestaltung lässt mir Zeit abends noch am Computer zu arbeiten. Mein Beruf ist zugleich mein Hobby.

academics: Woran arbeiten Sie augenblicklich?

Rusitschka: Seit etwa eineinhalb Jahren beschäftige ich mich mit Smart Grid, dem 'Elektrizitätsgrid'. Auch beim Grid Computing werden gleichberechtigte Rechner kombiniert, um Aufgaben gemeinsam günstiger zu lösen. Neue Kommunikationstechnologien werden dazu beitragen, das Stromnetzwerk effizienter zu gestalten. Genau die Energiemenge, die benötigt wird, soll genau dorthin, wo sie gebraucht wird. Informationen dazu werden an definierten Knoten innerhalb des Netzes abgerufen. Auch dezentrale Erzeuger wie Häuser mit Solaranlagen können Überschüsse melden und ins Netz geben. Koordiniert wird die Energieverteilung über Softwaremodule in den kommunizierenden Peers. Es ist außerdem möglich, individuellen Verbrauch über digitale Zähler zu messen und die Stromerzeugung entsprechend anzupassen. Die Daten werden anonymisiert übertragen, die Vernetzung der kommunizierenden Endgeräte über Protokolle festgelegt.

academics: Gibt es Vorbilder, die Sie auf Ihrem Berufsweg inspirieren?

Rusitschka: Ganz klar, Tim Berners-Lee, der Erfinder des Web. Auch in meinem Umfeld gibt es Vorbilder für mich. Das sind Vorgesetzte oder Kollegen, einfach kluge Menschen mit guten Ideen, Role Models die mir helfen, meine eigenen Talente auszubauen. Sie zeigen zugleich, was alles möglich ist.

Quelle: academics

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