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Als teilzeit beschäftigter Wissenschaftler ein quasi "privates" Forschungsprojekt beantragen?

Als teilzeitbeschäftigter Wissenschaftler ein quasi © erel photography - iStockphoto.com

Ich bin promoviert und gegenwärtig auf einer befristeten Vollzeitstelle an einer Universität beschäftigt. Meine Aufgaben bestehen aus Studienorganisation, -beratung und Lehre, was mich über 100% auslastet.

Mit meinem Alter von 35 Jahren und einem kleinen Sohn stehe ich jetzt vor der Frage, wie ich meine berufliche Situation zunächst mittelfristig so umgestalten kann, dass ich Zeit für meine Familie und für meine Qualifikation habe. Ich überlege in diesem Zusammenhang, meinen Chef um eine Reduktion meiner Stunden auf eine 50%-Stelle zu bitten, umzuziehen und zu pendeln. Die verbleibende Zeit möchte ich, nach einer kurzen Phase der Entspannung, dafür nutzen, einen Antrag auf Drittmittelförderung für ein Forschungsvorhaben zu stellen. Dieses soll meiner Habilitation zugute kommen. Wichtig ist mir dabei, dass ich es nicht an den fachlichen Schwerpunkt meines jetzigen Arbeitgebers angliedern möchte, sondern extern nach einer Betreuung suchen möchte.

Meine Frage an Sie: Ist so etwas überhaupt denkbar? Als teilzeitbeschäftigter Wissenschaftler ein quasi "privates" Forschungsprojekt beantragen? Würden Sie mir dazu raten? Könnten Sie mir unter Umständen weitere Anlaufmöglichkeiten für eine solche Beratung nennen?

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Wir teilen Ihre Skepsis, ob Sie ein "privates" Forschungsprojekt einwerben können. In aller Regel gilt, dass Drittmittelgeber eine Anbindung an eine Hochschule verlangen. Selbstverständlich kommt es in diesem Zusammenhang auf die spezifischen Bedingungen des jeweiligen Drittmittelgebers an. Hintergrund des regelmäßigen Erfordernisses einer Anbindung an die Hochschule ist u. a., dass entsprechende Forschungsergebnisse unter dem Banner der Hochschule veröffentlicht werden.

Wenn Sie also eine klare Trennung zwischen Ihrer - möglicherweise zukünftigen - 50%-Stelle und dem Forschungsprojekt herstellen wollen, so würden Sie vermutlich in der Tat als Privatperson handeln müssen, was die Drittmitteleinwerbung erschweren dürfte. Zu denken wäre aber sicher auch an ein Habilitationsstipendium, was allerdings regelmäßig voraussetzen würde, dass eine Habilitation konkret in Planung ist. Wir hatten Ihre Frage allerdings in der Hinsicht verstanden, dass aus einem Forschungsprojekt heraus unter Umständen die Grundlage für eine Habilitationsschrift gelegt werden könnte.