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Angst vor der Vision des Berliner Bildungssenators

Von Jan-Martin Wiarda

Der Machtkampf um die Berliner "Super-Uni" geht in die letzte Runde.

Angst vor der Vision des Berliner BildungssenatorsJürgen Zöllner, Berliner Bildungssenator
Als Jürgen Zöllner nach Berlin kam, war er 61 Jahre alt, 15 Jahre lang Minister in Rheinland-Pfalz und hatte doch keine Ahnung, was auf ihn zukam. Während der Regierende Bürgermeister Wowereit sich im Herbst 2006 für die prominente Neuerwerbung feiern ließ, schwärmte Zöllner davon, aus dem wissenschaftlichen Potenzial der Hauptstadt "Kapital für die ganze Bundesrepublik zu schlagen".

Im Mai vergangenen Jahres stellte der Senator, der als profiliertester SPD-Bildungspolitiker gilt, seinen Plan vom International Forum of Advanced Studies (IFAS) vor, das sich schnell als "Super-Uni" herumsprach.

Berlins Wissenschaftsszene sollte mit ihr international sichtbarer werden. Nur: zur grenzenlosen Verwunderung Zöllners wollte niemand die Super-Uni.

Und erst als alle Erklärungsversuche nicht halfen, begriff er, dass es nicht nur um die besten Argumente, sondern vor allem um Machtpolitik ging.

Als zentraler Gegenspieler erwies sich Dieter Lenzen, Präsident der Freien Universität. Doch der Senator wollte den Glauben an die Kraft der Argumente nicht aufgeben, kürzlich legte er einen neuen Kompromissvorschlag vor.

Statt einer Super-Uni soll es nun eine Stiftung geben, ohne Promotionsrecht, ohne eigene Abschlüsse, mit noch mehr Mitbestimmung für die Unis und Forschungsinstitute.

Christoph Markschies, Präsident der Humboldt- Uni, äußerte sich angetan angesichts dieses Vorschlags, und sogar Lenzen schien die Angst vor dem Machtverlust überwunden zu haben: Die neue Stiftung sei nur noch eine Art Mini-DFG, frohlockte er, diene also der Forschungsförderung in den bestehenden Strukturen.

Umso niederschmetternder ist für Zöllner nun die Nachricht, dass die Universitäten doch nicht zustimmen wollen - zumindest so lange nicht, bis er ihnen deutlich höhere Landeszuschüsse garantiert hat - eine illusorische Forderung, wenn man weiß, wie Haushaltsrecht funktioniert.

Faktisch wäre dieses Junktim das Ende von Zöllners Vision, das wissen die Uni-Präsidenten. Womöglich wäre es auch ein politischer Schlag, von dem sich Zöllner nicht mehr erholen würde. Aber ein Sieg für die Wissenschaft wäre es nicht. Noch bleibt Zeit für neue Kompromisse.

Bislang hat nur einer nachgegeben: Jürgen Zöllner. Nun sollten die Uni-Präsidenten beweisen, dass es ihnen um mehr geht als bloße Machtpolitik.

Aus DIE ZEIT :: 17.07.2008

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