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Aussetzer - harte Kritik für den Bachelor

Von Jan-Martin Wiarda

Hamburgs Wissenschaftssenatorin redet pauschal den Bachelor schlecht.

Aussetzer - harte Kritik für den Bachelor© CDU Landesverband HamburgDr. Herlind Gundelach, Wissenschaftssenatorin Hamburg
Der Bachelor hat Probleme. Viele der neuen Studiengänge sind gegenwärtig Beispiele dafür, wie man Studenten das Lernen verleidet: Stundenpläne, die so dicht sind, dass keine Zeit mehr bleibt fürs Hinterfragen; verschachtelte Studienmodule, die den Gang ins Ausland zu einem Spießrutenlauf gegen die Bürokratie machen; dazu Prüfungen am laufenden Band, deren Folgen eine Wortneuschöpfung nötig machten - »Bulimielernen«. Und dann die Imagekatastrophe: Bachelorstudenten gelten vielen Medien als stromlinienförmig, unwissend, oberflächlich. Insofern kann man nur nicken zu vielem von dem, was Hamburgs Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach angekündigt hat mit ihrer Offensive, die Umstellung »jetzt zu einem Abschluss zu bringen, der auch von allen akzeptiert wird«: entschlackte Curricula, flexiblere Prüfungen, möglicherweise eine Verlängerung der Regelstudienzeit des Bachelors auf sieben oder mehr Semester. Doch an einer Stelle ihrer Rede wird aus dem Nicken ein Zusammenzucken. Man müsse ehrlich sein, sagte die Senatorin, der Bachelor sei kein wissenschaftlicher Abschluss.

Selten hat eine Wissenschaftsministerin der Hochschulreform mit einem einzigen Satz so sehr geschadet wie sie. Die Senatorin frustriert mit ihrem verbalen Ausfall nicht nur all jene Professoren, die sich von Anfang an Gedanken gemacht und Studiengänge geschaffen haben, die den Zielen der Reform tatsächlich gerecht werden: eine bessere Betreuung der Studenten, damit weniger von ihnen als Abbrecher aus dem System kippen; schlaue Brücken ins Auslandsstudium und, gerade in den Geisteswissenschaften, Hilfen für einen erfolgreichen Berufseinstieg. Gundelach trifft damit auch die Abertausend Bachelorstudenten, die sich erfolgreich bemühen, das Beste aus ihrem Studium herauszuholen. Denn so viele schlechte Bachelorprogramme es gibt, so viele gute sind entstanden. Auffällig viele befinden sich an Fachhochschulen. Dass sie kaum einer wahrnimmt, hängt mit ebenjener Imagekrise zusammen, die Gundelach auf unverantwortliche Weise befeuert. Oder will sie ihnen allen ernsthaft die Wissenschaftlichkeit absprechen?

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Die gute Nachricht: Die seit Monaten anhaltende Pauschalkritik an den neuen Abschlüssen führt zunehmend dazu, dass sich die Betroffenen wehren. Er sei »geschockt« über ihre Einschätzung, hat der Hamburger FH-Präsident Stawicki seiner obersten Dienstherrin postwendend in einem offenen Brief geantwortet. Und Studenten der Hochschule Hof haben eine eigene Werbekampagne für den Bachelor gestartet. Einer ihrer Slogans: »Kein Bock auf unqualifizierte Kritik.«

Aus DIE ZEIT :: 20.08.2009

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