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Berufungsverfahren an Hochschulen


Von Dr. Margarete Hubrath

Das Procedere, nach dem der Ruf auf eine Professur erfolgt, kann je nach Hochschule und sogar Fachbereich variieren. Ein Wegweiser durch mögliche Bewerbungs- und Berufungsprozeduren an deutschen Hochschulen.

Berufungsverfahren an Hochschulen© b.sign - Photocase.de
In den Ausschreibungen für Fachhochschulprofessuren werden manchmal Ansprechpartner genannt, die nähere Informationen zum Verfahren geben, an Universitäten ist dies eher unüblich.

Abgesehen von möglichen länder- und hochschulspezifischen Besonderheiten gilt für Berufungsverfahren in Deutschland in der Regel folgender Ablauf:

Ausschreibungspflicht: Stellen für Hochschullehrer müssen öffentlich ausgeschrieben werden - so sieht es das Hochschulrahmengesetz (HRG) unter § 45 Abs.1 S.1 zwingend vor. Einige Länder haben sogar verfügt, dass Professuren international ausgeschrieben werden müssen. Die Ausschreibungspflicht soll Transparenz nach außen gewährleisten und externen Bewerber/innen eine faire Chance bieten. Zudem soll sie garantieren, dass die Hochschulen unter
den Besten auswählen können.

Hausberufungen, sprich die Berücksichtigung von Bewerbungen aus der eigenen Hochschule heraus, sind deshalb laut HRG "nur in begründeten Ausnahmefällen" zulässig.

Verfahrensdauer: Von der Ausschreibung bis zur Rufannahme müssen je nach Stelle zwischen sechs Monate (eher selten) und zwei Jahre (in Einzelfällen noch länger) veranschlagt werden.

Berufungskommission: Der jeweils zuständige Fachbereich setzt eine Berufungskommission ein, deren Aufgabe es ist, den Berufungsvorschlag vorzubereiten. Das Gremium setzt sich zusammen aus stimmberechtigten Mitgliedern (Gruppe der Professoren/innen, die zugleich die Mehrheit bildet und den Vorsitz stellt; einer Vertretung des akademischen Mittelbaus sowie der Studierendenvertretung) sowie Mitgliedern in beratender Funktion (Gleichstellungsbeauftragte, ggf. Vertretung der Behinderten, ggf. externe Sachverständige, ggf. Mitglieder anderer Fachbereiche, ggf. auch der bisherige Stelleninhaber).

Vorauswahl der Bewerber: Die Auswahl des engeren Bewerber/innenkreises wird anhand der vorliegenden Bewerbungsunterlagen getroffen. Häufig werden die Bewerbungen für die Kommission in Form einer Synopse aufbereitet. Die Auswahl erfolgt oftmals in drei Schritten:

1. Nach einer ersten Sichtung der Unterlagen Anforderung der Schriften von einem Teil der Bewerber.
2. Referierung der KandidatInnen durch Kommissionsmitglieder.
3. Auswahl der Bewerber für eine persönliche Vorstellung - auch "Vorsingen" genannt.

Präsentation der Bewerber: Die in die nähere Auswahl gezogenen Bewerber/innen werden meist an ein bis zwei Tagen zur Vorstellung eingeladen. Der eigentliche Bewerbungsauftritt kann noch durch eine Institutsführung (Natur- / Technikwissenschaften, Medizin) und mitunter auch einem Essen mit (einzelnen) Mitgliedern der Berufskommission abgerundet werden.

Feste Bestandteile der Präsentation sind:

- Öffentlicher Vortrag mit anschließender Diskussion (zur Beurteilung der wissenschaftlichen und didaktischen Qualitäten);
- (Nichtöffentliches) Gespräch mit der Kommission (zur Beurteilung, ob der Kollege / die Kollegin zum Fachbereich passt)

Als zusätzliche Elemente können eingesetzt werden:

- Probevorlesung
- Durchführung einer Lehrveranstaltung
- Präsentation des eigenen Lehr- oder Forschungskonzeptes
- Präsentation eigener Forschungsvorhaben (v.a. bei Juniorprofessuren)
- Adhoc-Präsentation zu einem kurzfristig vorgegebenen Thema (manchmal in der Medizin)
- Assessment-Center / Gutachten durch Personalberater (noch sehr selten)

Ruferteilung: Pro Bewerber/in muss die Kommission zwei bis drei Gutachten auswärtiger Professoren einholen. Während bisher Einzelgutachten üblich waren, sind zumindest an Universitäten inzwischen vergleichende Gutachten (jede/r Gutachter/in gewichtet alle in Frage kommenden Kandidaten) an der Tagesordnung. Auf Grundlage der Gutachten entscheidet die Berufungskommission über die Zusam- mensetzung und Reihenfolge der Berufungsliste, die meist aus drei Einzelvorschlägen besteht. Das umfassend protokollierte Berufungsverfahren und die Berufungsliste müssen von allen Ebenen der Hochschulhierarchie bestätigt werden, also vom Fachbereich / von der Fakultät, vom Senat und von der Hochschulleitung.

Jedes dieser Gremien kann das Verfahren bei gewichtigen Gründen wieder an die Kommission zurückverweisen.

Die Ruferteilung erfolgt schließlich je nach Hochschule/Bundesland durch die Hochschulleitung oder das zuständige Wissenschaftsministerium.

uni-support / Institut für Hochschulberatung, Düsseldorf»

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