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CHE warnt vor Billiglösung für den Studienplatzausbau

 

Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) hat die Bundesländer davor gewarnt, vor allem die "billigen Bücherfächer" auszubauen, um die im Rahmen des Hochschulpaktes vorgesehenen Bundeszuschüsse zu erhalten.


Zusätzlicher Finanzbedarf 2007 bis 2023
Quelle: CHE
Die Natur- und Ingenieurwissenschaften wie auch die Medizin dürften von dem Ausbau der Studienkapazitäten nicht ausgeklammert werden. "Der Ausbau des Studienangebots muss zudem auch am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedarf ausgerichtet werden", heißt es in einer aktuellen Studie des CHE, die erstmals die Kosten des prognostizierten Studentenhochs für die einzelnen Bundesländer berechnet und zugleich die Fächergruppen berücksichtigt. Das CHE kritisiert, dass der Hochschulpakt das sehr teure Medizinstudium bei der Kalkulation nicht berücksichtigt habe.

Nach aktuellen Berechnungen des CHE ist der Hochschulpakt noch dramatischer unterfinanziert, als die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) bislang angenommen hat. So fehlten den Hochschulen bis zum Jahr 2023 7,269 Milliarden Euro zusätzlich zu den bislang vorgesehenen Mitteln. Allein durch die Studienanfänger ab 2010 müssten zusätzlich 5,070 Milliarden Euro bereitgestellt werden. Bis zum Jahre 2010 ergäben sich bundesweit insgesamt 1,296 Milliarden Euro zusätzlich.


Grafik "Hochschulausgaben nach Bundesland und Hochschulart"
Quelle: CHE
Da die Studienanfänger von 2008 bis 2010 noch über das Jahr 2010 hinaus studierten und zusätzliche Kosten verursachten, ergäben sich weitere Kosten von 902 Millionen Euro. Zusammen bedeuteten die zusätzlichen Studienanfänger von 2007 bis 2010 notwendige Gesamtausgaben von 2,199 Milliarden Euro bis in das Jahr 2013. Hiervon seien vom Bund bisher jedoch nur 438 Millionen Euro zugesagt worden. Wenn dem aktuellen Hochschulpakt bis 2010 kein weiterer folge, bleibe bei den Ländern eine Finanzlücke von 1,761 Milliarden Euro.

Das CHE weist weiter deutlich darauf hin, dass die Kosten der Bolognareform bisher "nicht ausreichend" kalkuliert worden seien. So könne die von der Reform vorgesehene Verkürzung der Studienzeit zwar eine Reduzierung der Kosten bedeuten. Dies sei jedoch nicht der Fall, wenn die gleichen Leistungen nur in kürzerer Zeit in Anspruch genommen würden. Ebenso bedeute eine Verringerung der Studienabbrecher zwar eine Reduzierung der "Ressourcenfehlallokation", zugleich aber eine größere Anzahl an Studenten, die alle Hochschulleistungen in Anspruch nähmen, und damit eine Erhöhung des finanziellen Aufwandes.

Gleichfalls erfordere die in der Reform vorgesehene Verbesserung der Betreuungsrelation mehr finanzielle Ressourcen. Auch die Erhöhung der Übergangsquote vom Bachelor zum Master erhöhe die Kosten.

Aus Forschung & Lehre 03/07

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