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Der "Vodafone Stiftungslehrstuhl für Kinderschmerztherapie und Pädiatrische Palliativmedizin"

 

PD Dr. Boris Zernikow hat den neuen, weltweit einzigen "Vodafone Stiftungslehrstuhl für Kinderschmerztherapie und Pädiatrische Palliativmedizin" an der Universität Witten-Herdecke inne.

Der "Vodafone Stiftungslehrstuhl für Kinderschmerztherapie und Pädiatrische Palliativmedizin"© Universität Witten/HerdeckeDr. Boris Zernikow
Was ist das vorrangig Besondere bei der Begleitung sterbenskranker Kinder?

Die pädiatrische Palliativversorgung für Kinder umfasst ein weites Krankheitsspektrum und erstreckt sich oft über mehrere Jahre. Sie wird maßgeblich durch den Entwicklungsstand der Kinder geprägt. Viele Medikamente sind für Kinder nicht zugelassen und geeignete Darreichungsformen stehen nicht zur Verfügung. Mit vielen Patienten ist zudem eine verbale Kommunikation nicht möglich.

Wie erklären Sie Kindern ihre Schmerzen und den Tod?

Verschweigen des Unausweichlichen oder Notwendigen führt in der Regel nicht dazu, dass das Kind seine Restlebenszeit angstfreier leben kann, sondern zu einer Angst in Einsamkeit - gleiches gilt für Geschwister. Dabei darf die Familie nicht "überfahren" werden, aber auf Fragen muss wahrheitsgemäß geantwortet werden. Den Begriff "Tod" kann das Kind erst allmählich kognitiv und emotional mit Inhalt füllen, dabei haben Kinder sehr individuelle Vorstellungen vom Tod. Junge Kinder haben in der Regel wenig Angst vor dem Sterben, da ihnen die Unumkehrbarkeit des Prozesses nicht bewusst ist. Jugendliche sterben oft voller Wut und Verzweiflung, oder sie verdrängen ihre Erkrankung.

Wie schöpfen Sie für sich persönlich Kraft, um mit der Realität sterbender Kinder gut umgehen zu können?

Artikel zum Thema Die wahre, echte Begegnung mit den kranken Kindern, ihren Eltern, Geschwistern und Angehörigen ist ein Privileg unserer Arbeit. In einem multiprofessionellen Team arbeiten zu dürfen, in dem Wertschätzung und fachlicher Austausch auf Augenhöhe selbstverständlich sind, ist wunderbar. Abends nach Hause zu fahren mit dem Gefühl, wir durften daran mitarbeiten, die Welt für einige Menschen besser zu machen, ist ein Glück.

Die Traurigkeit und Verzweiflung der Kinder und Eltern machen auch uns traurig und manchmal verzweifelt, wir hadern mit der Vorstellung von einem guten Gott, haben Angst um unsere eigenen Kinder oder brauchen einfach mal eine Pause - all dies ist Leben und kostet nicht mehr Kraft als es gibt. Nachhaltig Kraft raubend sind Auseinandersetzungen mit Behörden, Gutachtern und Bürokraten; im Angesicht des Leids der Familien sind diese Begegnungen nicht selten absurd und unmenschlich. Für diese Aufgaben wünsche ich mir noch mehr Kraft, Langmut, Gelassenheit und Gottvertrauen. Ich persönlich suche dies in der Begegnung mit Menschen, die ich liebe, in Gesprächen mit Gott und in ausgedehnten Lauftouren um den Aasee.

Aus Forschung und Lehre :: Oktober 2008

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