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Strukturiert promovieren im Graduiertenkolleg


Von Julia Becker

Ein Promotionsstipendium an einem Graduiertenkolleg garantiert eine vollfinanzierte Ausbildung in exzellenten, kleinen Forschungsgruppen.

Die Professorin fliegt gerade aus Tokyo ein, der Professor startet nächste Woche eine Forschungsreise in Himalaya: An den Graduiertenkollegs der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geht es international zu - auch für Doktoranden. Graduiertenkollegs, das sind auf neun Jahre befristete, an Universitäten ansässige Forschungsprogramme, die aufgrund ihrer exzellenten Arbeit von der DFG finanziert werden. Alle drei Jahre schreibt jedes Kolleg Promotionsstipendien in Höhe von minimal 1000 Euro und maximal 1356 Euro pro Monat aus. Dieses Geld gibt es für höchstens 36 Monate. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, mit eigener Finanzierung an den Kollegs zu promovieren.

Sehr gute Ausbildung in kürzester Zeit

Die Laufzeit der Promotion an einem Graduiertenkolleg beträgt - unabhängig von der Finanzierung - maximal drei Jahre. Danach haben die Doktoranden bei erfolgreichem Abschluss einen Doktortitel mit exzellentem Ruf in der Tasche. Damit ist die Promotion an einem deutschen Graduiertenkolleg im Vergleich zu ausländischen Promotionsprogrammen sehr kompakt und zeitsparend.

Strukturierte Promotion mit individuellen Curricula

Über die kurze Promotionszeit hinaus gibt es weitere Vorteile der Graduiertenkollegs: Anders als in Graduiertenschulen sind die Gruppen an den Kollegs mit zehn bis zwanzig Doktoranden überschaubar. Dadurch ist eine persönliche und intensive Betreuung möglich. Zu Beginn jeder Promotion wird mit den betreuenden Professoren für die Doktoranden ein individueller Promotionsplan erstellt, der auch festgelegt, zu welchen Zeitpunkten Forschungsergebnisse vorgestellt werden müssen. Dieses Curriculum bildet den Rahmen für die Promotion, innerhalb dessen die Doktoranden aber auch eigenen Organisationsspielraum haben.

Organisierte Hilfe beim Fußfassen in Deutschland

Wer aus dem Ausland an ein deutsches Graduiertenkolleg kommt, erhält professionelle Hilfe bei Problemen rund um den Aufenthalt in Deutschland: Die Akademischen Auslandsämter -universitäre Anlaufstelle für ausländische Studierende und Doktoranden - und die Kollegs stehen den internationalen Doktoranden bei Wohnungssuche, Versicherungsfragen und beim Einleben in der neuen Stadt zur Seite. "Ich fühle mich sehr wohl hier, die Betreuung durch die Professoren ist sehr gut und wir Doktoranden bilden eine nette Gemeinschaft, die sich gerne zu Coffee-and-Science-Meetings trifft", erzählt Stefanie Dekeyzer, die aus Belgien nach Bremen kam, um dort am Internationalen Graduiertenkolleg (IGK) zu promovieren.

National wie international für jeden etwas dabei

In Deutschland gibt es derzeit 57 internationale und 177 nationale Graduiertenkollegs. Alle diese Einrichtungen bieten den Doktoranden ein international geprägtes Umfeld in den Bereichen Naturwissenschaften, Lebenswissenschaften, Ingenieurswissenschaften und Sozial- und Geisteswissenschaften. "Wir decken fast alle Fächer ab, wenn auch einige, wie beispielsweise die Rechtwissenschaften, derzeit etwas unterrepräsentiert sind", sagt Dr. Annette Schmidtmann, Leiterin der Gruppe für Graduiertenkollegs bei der DFG.

Internationale Kollegs zeichnen sich über das Angebot nationaler Kollegs hinaus durch eine feste Kooperation mit mindestens einer Partnereinrichtung im Ausland aus. Die Promotion wird hier von Professoren aus Deutschland und aus dem jeweiligen Partnerland betreut. "Entweder ist ein Professor aus unserem ausländischen Partnerinstitut einer der beiden Gutachter oder, wenn dies nicht möglich ist, Teil der Prüfungskommission", erklärt Prof. Helmut Willems, Sprecher des IGK Bremen. Derzeit wird an den Internationalen Graduiertenkollegs auch an der Einführung einer offiziellen "double degree"-Promotion gearbeitet - das ist eine Promotion, die offiziell an zwei Standorten und damit auch binational abgeschlossen werden kann. Darüber hinaus können die Doktoranden mit finanzieller Unterstützung der DFG die ausländische Partnereinrichtung besuchen und dort forschen.

Hohe Anforderungen an Bewerber

An allen Kollegs arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler international und interdisziplinär zusammen, das Forschungsthema ist sehr eng gefasst. Daher sollten Bewerber um ein Stipendium neben einem sehr guten Universitätsabschluss vor allem Freude an interkultureller und interdisziplinärer Arbeit haben und eine Affinität für das spezielle Forschungsgebiet der Kollegs mitbringen. "Disziplin, Freude an der Arbeit und die Fähigkeit zur Selbstorganisation sind die besten Eigenschaften für die Arbeit hier", sagt DFG-Stipendiatin Eva Burzynski, die seit Oktober 2008 am internationalen Graduiertenkolleg "Formenwandel der Bürgergesellschaft. Japan und Deutschland im Vergleich" in Halle promoviert.

Englisch ist Pflicht, andere Sprachen erwünscht

Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung ist auch die Beherrschung der englischen Sprache. "Bei uns läuft alles auf Englisch: Bewerbung, Vorstellungsgespräch und auch während der Arbeit wird Englisch gesprochen", sagt Prof. Willems. Das gilt inzwischen für viele Kollegs. "Stipendiaten in den geistes- und sozialwissenschaftlichen Kollegs sollten neben Englisch auch die Landessprachen lernen, in und zu denen sie forschen", sagt Prof. Foljanty-Jost, Sprecherin des Internationalen Graduiertenkollegs an der Universität Halle, "sonst verlieren sie durch Übersetzungen an inhaltlicher Präzision. Das ist bei dem hohen Anspruch, den wir an unsere Forschung stellen, fatal."

Durchdachtes Konzept ist Schlüssel zum Erfolg

Wer die Anforderungen erfüllt, kann sich mit Anschreiben, Lebenslauf, Motivationsschreiben und einem Konzept über sein Promotionsvorhaben bei den Kollegs bewerben. Diejenigen, die mit ihrer schriftlichen Bewerbung überzeugen können, werden zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. "Wichtig ist ein durchdachtes Konzept, das man schlüssig verteidigen kann", so Stipendiatin Burzynski.

Quelle: academics

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