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Die Ergebnisse eines Standortwechsels zweier Fachhochschulkanzler

Das Interview führte Jan-Martin Wiarda

Die Kanzler der Fachhochschulen Hamburg und München haben für einen Monat die Jobs getauscht - und überraschende Einsichten gewonnen.

Die Ergebnisse eines Standortwechsels zweier Fachhochschulkanzler© Hochschule München - Nora FrohmannDr. Bruno Gross, Kanzler FH München
DIE ZEIT: Wer von Ihnen beiden hat denn den besseren Deal gemacht?

BRUNO GROSS: Ganz sicher ich - zumindest, was den Blick aus dem Bürofenster angeht. Ich habe eine wunderschöne Aussicht auf Hamburg, während ich daheim in München nur auf eine Wand gucke.

BERND KLÖVER: Dafür war es ein sehr angenehmes Arbeiten in München. Die Mitarbeiter und Kollegen von Herrn Gross haben alles getan, um mir bei der Ermittlung aller Kennwerte zu helfen und die Strukturen zu erläutern, nach denen ich gefragt habe.

ZEIT: Das hört sich ziemlich langweilig an.

GROSS: Das war ja auch nicht alles. Natürlich muss man die Statistiken, Budgets und Leistungsziffern kennen. Ich muss aber auch erfahren, was sich hinter den Zahlen verbirgt. Das kann ich nur mit einem Besuch vor Ort. Ich habe mich mit den Hamburger Dekanen über die Veränderungsprozesse der vergangenen Jahre unterhalten. Das war sehr aufschlussreich.

ZEIT: Inwiefern?

KLÖVER: Unsere Hochschulen haben im Wesentlichen die gleichen Studienangebote, aber teilweise völlig unterschiedliche Herangehensweisen. Nehmen wir die Aufteilung in 14 Fakultäten in München, aber nur vier in Hamburg. Oder die Berufungsverfahren, die laufen bei uns noch eher traditionell und manchmal langwierig. Die Münchner sind da weiter.

GROSS: Wir haben erkannt, dass die Betreuung der Bewerber entscheidend ist. Wir haben Leute eingestellt, die sich nur um das Verfahren kümmern, damit alles unkompliziert abläuft, die Bewerber auf dem aktuellen Stand sind.

ZEIT: Und was haben Sie sich abgeschaut, Herr Gross?

GROSS: Die kaufmännische Buchführung, davon sind wir in Bayern noch weit entfernt. Bei uns herrscht immer noch die Kameralistik der Verwaltung.

Die Ergebnisse eines Standortwechsels zweier FachhochschulkanzlerBernd Klöver, Kanzler HAW Hamburg
ZEIT: Einen derartigen Austausch von Spitzenpersonal hat es an Hochschulen bislang nicht gegeben. Wie sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen?

GROSS: Die sieben größten Fachhochschulen haben schon vor Jahren einen Verband gegründet, den UAS-7, UAS steht für Universities of Applied Sciences. Beim Treffen im vergangenen Dezember saßen Herr Klöver und ich bei einem Bier zusammen und haben über neue Strategien in der Personalentwicklung nachgedacht. Ein Ergebnis war der Austausch.

KLÖVER: Wir Kanzler machen den Anfang, wir wollen die Idee aber zu einer Tauschbörse entwickeln: erstens für alle UAS-7-Mitgliedshochschulen, zweitens für alle Bereiche in Verwaltung und Wissenschaft.

GROSS: An meiner Hochschule in München habe ich schon Anfragen aus den Sozialwissenschaften und der Informationstechnologie. Ich kann mir den Austausch als Instrument vorstellen, um Einsatz zu belohnen. Schließlich können wir keine der Privatwirtschaft vergleichbaren monetären Reize setzen.

KLÖVER: Das Wichtigste ist, dass sich der Blickwinkel ändert. Teilweise werden sich die Mitarbeiter bestätigt fühlen in der Art, wie sie ihre Aufgaben wahrnehmen, teilweise lernen sie aber auch etwas hinzu, was sie auch an andere weitergeben können.

ZEIT: Was ist der größte Unterschied zwischen Ihren Hochschulen?

KLÖVER: München ist hierarchischer. Es gibt zu viele Ebenen und Schichten. Ich bin ein Freund schlanker Verwaltung. Zudem genießen wir Hamburger mehr Autonomie, nicht nur in der Buchführung.

GROSS: Das ist richtig. Andererseits gibt es Bereiche, wo wir in München unabhängiger sind. Meine Abordnung musste nicht vom Ministerium genehmigt werden.

KLÖVER: Das stimmt, meine schon. Der Hamburger Senat hat ein Personalamt, das ab einer bestimmten Mitarbeiterebene zuständig ist. Das ist manchmal ärgerlich.

GROSS: Andere Hürden werden nicht einmal durch Gesetze aufgebaut. Die Hochschulleitungen müssen sich nur trauen, sich durchzusetzen, gegen Ministerialbeamte, auch innerhalb der Hochschule. In Hamburg habe ich beobachtet, dass die Diskussionskultur in den Fakultäten manchmal überhand nimmt. Nichts gegen Selbstverwaltung, aber die muss auch auf ihren Regelungsbereich beschränkt bleiben und darf notwendige Reformen nicht behindern.

KLÖVER: Es ist bemerkenswert, dass es Herrn Gross in dieser Frage in Hamburg schon nach so kurzer Zeit so erging wie mir sonst auch. Da muss sicher noch viel gemeinsam mit allen Akteuren gearbeitet werden.

Aus DIE ZEIT :: 16.10.2008

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