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Die Zukunft der deutschen Universität

Von Clemens Albrecht

In den vergangenen Jahrzehnten hat eine Universitätsreform die andere abgelöst. Heute hat ein von außen an die Universitäten herangetragenes ökonomisches Denken, das nicht wenige strukturelle Zwänge entwickelt, das Definitionsmonopol. Bleiben dabei Bildung und Wissenschaft, die Markenzeichen der "klassischen deutschen Universität", auf der Strecke?

Die Zukunft der deutschen Universität© Peiler - Photocase.de
Die deutsche Universität hat in der globalisierten Welt eine glänzende Zukunft - vermutlich aber nicht in Deutschland. Denn dort wird diese Institution - verstanden als Einheit von Leitidee, materiellem Apparat, Personalbestand und Umgangsregeln - gerade abgeschafft. Die neue deutsche Gesamtfachhochschule mit angeschlossenen Forschungsabteilungen, die an ihre Stelle tritt, ist ganz auf kurzfristige Erhöhung des Outputs angelegt. Ich werde sie im folgenden "Universität in Deutschland" nennen - im Kontrast zur "deutschen Universität", wie sie sich im 19. Jahrhundert. entwickelt hat und zur Grundlage von Deutschlands Weltgeltung in der Wissenschaft wurde, allerorten nachgeahmt, heute in erster Linie in den USA zu finden. Was unterscheidet die deutsche Universität von der Universität in Deutschland?

1. Die Leitidee der deutschen Universität ist Wissenschaft und Bildung, die Leitidee der neuen Universität in Deutschland dagegen Forschung und Ausbildung. Was ist der Unterschied?

Wissenschaft ist ein autonomes Handlungsfeld, das auf die Generierung neuer Erkenntnisse ausgerichtet ist. Wissenschaft dient nur der Wahrheit - nicht einer politischen Ideologie, nicht einer Nation, einer Religion, nicht der Steigerung des Bruttosozialprodukts oder der Standortsicherung und schon gar nicht der Dividende. Selbstverständlich kann aus ihr jede soziale, ökonomische oder politische Gruppe ihre Vorteile ziehen, aber je unabhängiger von gesellschaftlicher Zweckdienlichkeit Wissenschaft ihrer Wahrheitssuche nachgehen konnte, desto besser erfüllte sie ihre zentrale Aufgabe: durch Erkenntnisse Möglichkeiten für ein besseres menschliches Leben zu schaffen.

Deshalb ist durch die Leitidee Wissenschaft der Handlungshorizont auf ein allgemeines Ziel ausgerichtet. Bildung durch Wissenschaft befähigt die Lehrenden und die Lernenden, über die gegebenen Zustände und Zusammenhänge hinauszudenken, abstrakt, losgelöst von der gesellschaftlichen Wirklichkeit Neues zu antizipieren.

Die neue Leitidee Forschung und Ausbildung dagegen beendet die Epoche der relativen Autonomie, indem sie beide Elemente rückbindet an gesellschaftliche Zwecke: Forschung ist Auftragsforschung, Ausbildung ist Orientierung an Berufsfeldern, die es bereits gibt. Durch Forschung und Ausbildung werden aus autonomen Innovationszentren funktional dienliche Optimierer des Bestehenden.

2. Der materielle Apparat der deutschen Universität ist mager, aber sicher. Der materielle Apparat der Universität in Deutschland ist üppig, aber unsicher. Denn die gegenwärtige Hochschulpolitik verändert die Mittelzuteilung von der fixen Grundausstattung auf Leistungsanreize. Das hat Folgen, die selten bedacht werden.

An Universitäten sitzen in der Regel Menschen, die ehrgeizig sind, etwas erreichen und das Erreichte auch anerkannt wissen wollen. Worauf richtet sich dieser Ehrgeiz, in welchem Feld sucht er Anerkennung? An deutschen Universitäten gibt es außerhalb des spezifischen Fachbedarfs (Mediziner benötigen eine höhere Grundausstattung als Juristen) durch das feste Zuweisungssystem wenig Raum, diesen Ehrgeiz auf den materiellen Apparat zu lenken, weshalb er frei wird für die Sache. Das klingt abstrakt, ich möchte es konkretisieren.
Ich beobachte schon seit einiger Zeit, dass die Gespräche auf Konferenzen sich immer mehr auf den materiellen Apparat konzentrieren: "Wir haben ja in X den Sonderforschungsbereich Y..." - "In unserem Exzellenzcluster Z..." - "Mein DFG-Projekt A..." usw. Bezeichnend ist, dass man in solchen Gesprächen wenig über den Gegenstand der SFB, Cluster oder Projekte erfährt, geschweige denn über ihre Ergebnisse, sondern nur noch über ihre Existenz, die als Leistungsnachweis einen rein demonstrativen Charakter bekommt.

Dies ist ein Merkmal der neuen Universität in Deutschland. In ihr wird der Ehrgeiz der Forscher tendenziell von der Wissenschaft abgelenkt auf das eigentlich Sekundäre, auf den materiellen Apparat, über den man verfügt. Ähnlich wie durch die Erfindung des Geldes die Güter sekundär und ihre Preise primär wurden, so treten nun auch die Erkenntnisse in den Hintergrund und der Apparat zu ihrer Generierung, verdichtet in Kennzahlen und Symbolen, drängt als Zeichen für den Leistungsnachweis nach vorne. In Berufungskommissionen, bei Vorstellungen vor Vorträgen, geht es dann nicht mehr um die Erkenntnisse, die ein Kandidat gewonnen hat, man liest und beurteilt nicht mehr seine Schriften, sondern man zählt die Drittmittel, die er eingeworben hat, die peer-review-Aufsätze, die internationalen Forschungskooperationen.

Die Mittelzuweisung nach Leistung verändert also die Leistungsziele des wissenschaftlichen Personals: Weil man an deutschen Universitäten um die Mittel der Grundausstattung nicht kämpfen muss, liegt das Feld der Anerkennungskämpfe in der Wissenschaft. Auch hier existiert ein Wettbewerb, aber er ist diachron: Man konkurriert weniger mit den lebenden Kollegen um Forschungsmittel, als mit den toten Klassikern und den noch nicht Geborenen Nachfolgern um Ruhm. Sobald die Mittelzuweisung umkämpft wird, tendieren die Mittel selbst dazu, Endzweck der wissenschaftlichen Tätigkeit zu werden: der Wettbewerb wird synchron.

Die Umsteuerung auf Leistungsanreize erhöht also nicht die Leistung, sondern das Streben nach dem Medium der Leistungsmessung. Und da dieses Medium in ein quantifizierbares, erkenntnisneutrales Belohnungssystem wandert, ändert sich die Grundorientierung: Wissenschaftler an deutschen Universitäten streben nach Anerkennung durch Erkenntnisse, nach Reputation, Forscher an Universitäten in Deutschland nach Anerkennung durch Mittelzuweisung, nach Prestige.

3. Dieses Steuerungsmodell präferiert beim Personalbestand einen bestimmten Typus: den Wissenschaftsmanager. Die Herrschaft des Sekundären, der Mittel, verlangt nach ihm. Er ist stets beweglich, orientiert sich am Markt der Wissenanforderungen, hat die EU- und DFG-Ausschreibungen im Auge. Sein Forschungsinteresse speist sich weniger aus der langfristigen Entwicklung der Fachfragen, aus dem Dialog mit den Leittheorien der Klassiker, als aus der Nachfrage anderer gesellschaftlicher Teilbereiche, die sich in Prestige umsetzen lassen - ein shareholder der akademischen Vita.

Strukturell unwahrscheinlicher wird in diesem Forschungsbetrieb ein Typus, den die deutsche Universität präferiert: der Grundausstattungsprofessor, der die Bedürfnisse der Industrie und der Verwaltungen nach Legitimationswissen souverän, weil verbeamtet, ignorieren kann. Als Niklas Luhmann im Jahre 1969 den Ruf an die Universität Bielefeld annahm, trug er in den Fragebogen über seine künftigen Forschungsprojekte ein: Projektname: Theorie der Gesellschaft. Laufzeit: 30 Jahre. Kosten: keine.

Aber, so ein gängiger Einwand, Luhmann ist ja ein Sonderfall, daneben gibt es hundert andere, die sich mit ihrer Grundausstattung zurückgelehnt haben, ohne jemals eine Leistungskontrolle befürchten müssen. Aber wenn die Politik nicht den Mut hat, auch Mittelmäßigkeiten zu finanzieren, kann sie den einen unter ihnen nicht so lange in Ruhe lassen, bis er in den 10, 20, 30 Jahren seiner geistig produktiven Phase das Bahnbrechende entwickelt hat, ohne den Mitteln hinterherhecheln zu müssen, die ihn nur von seinem Ziel ablenken. Der moderne Wissenschaftsmanager dagegen gleicht einem Reiter, der sich darauf konzentriert, Pferde einzufangen.
4. Die Umgangsregeln sind an Hochschulen kodifiziert in Studienordnungen. An deutschen Universitäten sind Studienordnungen kurze Texte, in denen die Aufforderung steht, neben wenigen Pflichtscheinen Lehrveranstaltungen nach eigenem Interesse auszusuchen und in ihnen selbständig zu arbeiten. An den Universitäten in Deutschland dagegen sind Studienordnungen 280 Seiten starke Modulhandbücher.

Wir sind damit bei dem zentralen Problem, das die Universitäten in Deutschland nicht globalisierungsfähig macht: der Neuerfindung der Universität unter dem Stichwort "Bologna-Prozess", die sich als Anpassung an internationale Standards verkleidet, in Wirklichkeit aber ein Unikum schafft. Dass dieser Bologna-Prozess, gemessen an seinen Zielen, auf ganzer Linie scheitert, ist außerhalb der Kreise von Wissenschaftsfunktionären und -politikern längst Konsens. Die Frage ist nur, welche Folgerungen wir daraus ziehen: Die nächste Universitätsreform kommt bestimmt, und wir sollten uns heute Gedanken machen, wie sie aussieht. Ich sehe hier zwei Wege.

Die eine Linie, das Modell Nachbesserung, geht von der Ansicht aus, dass die gegenwärtige "Implementierung" des Prozesses nicht konsequent genug erfolgt sei. Welche Konsequenzen ergeben sich dann?

Die deutsche Universität hat, orthopädisch gesprochen, durch ihre Schlottergelenke überlebt. Gerade der Spielraum relativ vager Studienordnungen hat ihr den Betrieb ermöglicht. Diese Schlottergelenke werden durch die Modularisierung nun festgeschraubt, es knarrt und quietscht an allen Ecken. Gegenwärtig etwa ergibt sich vielerorts die Notwendigkeit, Zeitpläne campusweit zu koordinieren: Aus der freien Angebotsstruktur wird ein Schulstundenplan, der Stundenplankommissar zieht ein.

Darüber hinaus hat bekanntlich jede Universität ihre eigenen Module gestrickt (Profilbildung), was die Mobilität von Studierenden nahezu unmöglich macht. Deshalb die Forderung, die Vergleichbarkeit der Module zwischen Universitäten und Ländern auch wirklich herzustellen: "Die Vereinheitlichung der Module erfordert eine neue, europaweite Bürokratie mit ungeahnten Möglichkeiten für kleinliche Vorschriften, deren Einhaltung wieder von neuen Behörden überwacht werden muss, dazu erst einmal jahrlange Bemühungen um Musterordnungen mit zahlreichen Konferenzen und sonstiger Reisetätigkeit, Entwürfen, Kompromissen, Übersetzungsproblemen und allem, was sonst noch Europa-Verwaltung schön macht." (Heinz Steinert) Das europaweite Computerprogramm zur papierlosen Verwaltung der Studienkonten zeichnet sich ab.

Die Module aber sind nur deshalb so unterschiedlich geraten, weil sie die Unterschiede der Lehrstühle, Institute, Fachbereiche, Fakultäten abbilden. Die nächste Forderung muss also dahin gehen, Strukturen für Einheitsinstitute zu schaffen, die in der Lehre die Einheitsmodule dann auch bedienen können.

Wenn die studentische Leistung nach der Zeiteinheit ECTS gemessen wird, kann auch die Leistung der Professoren nicht mehr in Deputaten dekretiert, sondern sollte in Teaching Points berechnet werden, wie sie das CHE propagiert. Eine Sprechstunde: ein TP; ein Seminar, 24 TP, die Email an einen Studenten 3/60 TP (eigene Berechnung). Für die Ministerien hat dies den Vorteil, nicht mehr ärgerliche Deputatserhöhungen verordnen zu müssen, sondern eine automatische Anpassung an den Bedarf einrichten zu können: (Studierendenstatistik + Modulhandbuch) / Lehrpersonal = TPs pro Lehreinheit.

Wenn dieser absehbare Reformschritt implementiert ist, muss auch die Forschungsleistung in Research Points objektiviert werden: ein Sammelbandaufsatz: 1 RP; ein peer-review-Aufsatz: 3 RP; ein erfolgreicher DFG-Antrag: 5 RP etc. Dann könnten Teaching- und Research-Points gegeneinander aufgerechnet werden und die Einführung der lästigen Lehrprofessuren würde sich erledigen. Die Evaluationsmaschinerie des Wissenschaftsrates ließe sich entbürokratisieren, indem durch die Zahl der erwirtschafteten Teaching- und Research- Points der Wert eines Hochschullehrers und jeder organisatorischen Einheit, vom Institut bis zur Spitzenuniversität, exakt und vergleichbar berechenbar wird. Am Ende allerdings muss noch eine Konsequenz folgen, auf der ich bestehe: ECTS, Teaching- und Research-Points müssen frei handelbar werden (das CHE könnte als Börsen-Plattform dienen), damit eine Hochschule oder ein Professor seinen eigenen Wert nach gesellschaftlichem Bedarf und politischer Konjunkturlage den Bedingungen anpassen kann. Nur der flexible Einsatz eines Kapitals ermöglicht seine optimale Verteilung.

Mit dem Modell Nachbesserung der Reform kommen die Hochschulen also in einen Zustand, den global erfolgreiche Unternehmen spätestens seit den 80er Jahren kennen: den Zustand der permanenten Revolution. Ein Nachbesserungsschritt folgt aus dem anderen, und alle ergeben sich aus derselben Systemlogik: der Umsteuerung von nachhaltiger Güterproduktion auf kurzfristige Geldvermehrung, von Erkenntnis- auf Prestigegenerierung.
Ist die Ökonomisierung des Bildungssystems so weit vorangeschritten, fehlt allerdings noch eine flexible Personalsteuerung, die für zwei unterschiedliche Gruppen nach einem je spezifischen Entlohnungs-Entlassungs-Modell einzurichten ist.

Die Arbeiter im Wissenschaftsbetrieb, die Forscher, sollten flexibel nach Leistungskriterien belohnt werden. Auf der Basis eines relativ niedrigen Grundgehalts, der an ein verpflichtend vorgegebenes Quantum an Teaching- und Research- Points gebunden ist, sollten Leistungszulagen nach zusätzlich erwirtschafteten Punkten bezahlt weden, u. U. noch ergänzt durch einen Faktor für Verwaltungsaufgaben (Management- Points, MP). Fällt die Leistung dauerhaft unter ein bestimmtes Level, müssen Hochschullehrer auch entlassen werden können. Die Universitäten in Deutschland haben mit Entlassungen durchaus schon Erfahrungen gesammelt, etwa in den Jahren ab 1933. Auf politischen und ökonomischen Wandel könnte eine angestellte Professorenschaft jedenfalls noch flexibler reagieren.

Ein anderes Entlohnungs-Entlassungs- Modell ist dagegen für das Spitzenpersonal zu empfehlen, die Entscheider im Wissenschaftssystem. In der Privatwirtschaft ist das System der permanenten Revolution nur deshalb erfolgreich, weil es sich im schnellen Rhythmus durch Austausch des Spitzenpersonals an neue Lagen anpassen kann. Wenn etwa Fusionen oder die Expansionsstrategie eines Konzerns scheitern, kann die Führungsspitze schnell entlassen werden.

Hier sind die Irrtums-Einsichts-Zyklen in der Bildungs- und Wissenschaftspolitik noch zu lang: Integrierte Gesamtschule, Gesamthochschule, reformierte Oberstufe, Abschaffung der Habilitation, 12-Jahres-Regel bei wissenschaftlichen Angestellten, achtjähriges Gymnasium, Bologna-Reform - all diese Fehlentwicklungen konnten im Wissenschafts- und Bildungssystem erst revidiert werden, als das Leitungspersonal durch die Pensionierungsgrenze aus dem Amt geschieden war. Deshalb sollte ihre Entlohnung um den Faktor Zehn erhöht werden. Die Kosten, die durch eine konsequente Einführung von Teaching- und Research Points in den Evaluations- und Akkreditierungsindustrien gespart werden, könnten dann als Boni an Wissenschaftspolitiker ausbezahlt werden, damit diese Platz machen für jüngere Köpfe, für die neuesten Reformideen.

Satire? Nein, Gegenwart und Zukunft der Universitäten in Deutschland nach dem Handlungsmodell Nachbesserung. Was macht Hoffnung, dass es nicht so weit kommt? Eine einfache Beobachtung: Je mehr die deutschen Universitäten durch die ökonomistischen Steuerungsbürokratien gegängelt werden, desto mehr erwacht die Lust an der anarchischen Unterwanderung. Es ist eine Freude, zu beobachten, mit welch kreativer Phantasie Ordnungen sinnwidrig interpretiert (hier spielt der neue Leitbegriff der "Kompetenzen" eine glückliche Rolle) oder unterwandert werden. Fürst Potemkin ist der neue Schutzheilige, der vor dem Besuch der Akkreditierungsagenturen angerufen wird. Hier und dort bilden sich unterhalb der verschulten Module neue heimliche Studiengänge, welche außerhalb des Programms, manchmal auch durch Modulnummern getarnt, diejenigen Studierenden versammeln, die sich für die Dinge interessieren. Erst wenn man dieses Phänomen in seiner Breite beobachtet, kann man rein semantisch nachvollziehen, warum die Reform unter dem Namen "Bologna-Prozess" firmiert: Es geht um die Einführung italienischer Verhältnisse zwischen Norm und sozialer Praxis an den Universitäten in Deutschland, um etwas vom globalisierungsfähigen Modell deutsche Universität zu retten.

Hier deutet sich eine andere Reformlinie für die nächste Universitätsreform an, man könnte sie als "Humboldt- forever-Modell" bezeichnen: Den Universitäten durch freie Wahl ihrer Studiengänge (Magister-, Diplom-, Bachelor-, Master, Ph.D.) die Autonomie zu geben, die man ihnen nur versprochen hat; denn gegenwärtig sind sie für die Wissenschaftsministerien das, was die Zweckgesellschaften für die Banken waren: eine Auslagerung von Risiken, die am Ende doch wieder in den Büchern der Politik landen werden.

Hier könnte die Politik Transaktionskosten sparen, indem sie die Entstaatlichung der Bildungs- und Wissenschaftspolitik zurücknimmt. Denn der Staat kann eben doch vieles besser als die Wirtschaft, etwa eine Rechtsordnung garantieren oder durch stabile Bedingungen für Investitionen sorgen, die sich erst langfristig und deshalb nicht kalkulierbar rechnen. Der Staat ist Letztinstanz, weil nur er öffentlich-demokratischer Kontrolle unterliegt und deshalb die Interessen der Allgemeinheit besser vertreten kann als jede Hand, die invisible in ihre eigene Tasche wirtschaftet.

Kommunismus und Nationalsozialismus haben heftige Angriffe auf die Autonomie der Wissenschaft geführt, Teilsiege errungen, aber letztlich hat immer die Suche nach der Wahrheit gesiegt. In den letzten Jahrzehnten ist der Ökonomismus zu einer Ideologie geworden, die im New Public Management nicht weniger strukturelles Zwangspotential entwickelt als der Staatssozialismus. Die deutsche Universität als epochenunabhängig adäquate Institutionalisierung von Wissenschaft wird auch diese Phase überstehen - wo auch immer in der Welt.

Die ausführliche Fassung dieses gekürzten Beitrages kann bei der Redaktion von Forschung & Lehre per E-Mail unter redaktion@forschungund-lehre.de angefordert werden.

Aus Forschung und Lehre :: Januar 2009

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