Das Karriereportal für Wissenschaft & Forschung von In Kooperation mit DIE ZEIT Forschung und Lehre

Doktortitel "made in Germany"

Von Sonja Pfaff

In der Maschinenbau-Nation Deutschland sind Ingenieure aller Fachrichtungen bei einer Promotion gut aufgehoben. Der Doktortitel "Dr.-Ing." ist weltweit anerkannt.

Doktortitel "made in Germany"© Christian Lagereek - iStockphoto.com
In den Ingenieurwissenschaften ist der traditionelle Weg zum Doktortitel noch immer die Regel: Oftmals als Lehrlings-Modell oder Assistenz-Promotion bezeichnet, wird dabei die Dissertation in Abstimmung mit dem "Doktorvater" angefertigt. Die Promovenden bewerben sich dazu direkt bei einem Professor ihrer Wahl, der seine Doktoranden selbst aussucht. Zur Promotion werden in der Regel nur Personen mit einem Diplom oder Masterabschluss zugelassen, die einen überdurchschnittlichen Erfolg im Studium nachweisen können.

Traditionelle Promotion als erste Berufsphase

Während der Promotion sind Doktoranden an der Universität angestellt und werden eher als Kollegen, denn als Studierende angesehen. Die arbeitsrechtliche und soziale Stellung der Promovenden ist transparent und gesichert. Eigenständige Forschung und Lehre wird genauso erwartet wie Team- und Entscheidungsfähigkeit.

Neben der Durchführung der eigenen Forschungsarbeit übernehmen die Doktoranden vielfältige Aufgaben im Forschungsbetrieb der Institute. So sind sie unerlässlich für die Durchführung größerer drittmittelfinanzierter Projekte, die oft disziplinübergreifend und gemeinsam mit der Industrie durchgeführt werden. Dabei sind sie auch im Bereich Akquise, Projektmanagement, Präsentation und Teamleitung tätig. Die Forschung ist in Deutschland generell sehr praxisorientiert, wobei gerade in den Ingenieurstudiengängen eine erstklassige, technische Ausstattung der Labore üblich ist.

Andere Wege zum Titel

Obwohl die traditionelle Promotion in den Ingenieurwissenschaften nach wie vor am weitesten verbreitet ist, nehmen die Möglichkeiten zu, über spezielle Graduiertenkollegs oder strukturierte Promotionsstudiengänge den Doktortitel zu erlangen. Die Dauer der Promotion ist hier mit etwa dreieinhalb Jahren im Vergleich zur traditionellen mit über vier Jahren ein wenig kürzer. Neben den Hochschulen und Kollegs gibt es auch eigenständige Forschungseinrichtungen, an denen promoviert werden kann. Für Ingenieure besonders interessant ist hier beispielsweise die Fraunhofer-Gesellschaft, die sich mit angewandter Forschung beschäftigt und sehr praxisorientierte Themen als Doktorarbeiten vergibt.


Kosten und Fördermöglichkeiten

Doktoranden, die den traditionellen Weg wählen, werden mit einem Zeitvertrag fest angestellt und bekommen ein Gehalt, von dem sie ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Doch auch für Promotionsstudenten ohne Einkommen gibt es in Deutschland Möglichkeiten der Finanzierung über Stipendien und Förderprogramme. Die Kosten, die bei einer Promotion in Deutschland entstehen, sind sehr unterschiedlich. Studiengebühren werden bis auf wenige Ausnahmen nicht erhoben. Genau wie Studierende können Promovenden alle Services der Studentenwerke nutzen, im Studentenwohnheim leben und preisgünstig in der Mensa essen. Darüber hinaus fallen Beiträge für die Krankenversicherung (ca. 280 Euro pro Semester) und der Semesterbeitrag an. Dieser variiert je nach Hochschule und kann zwischen 50 und 250 Euro pro Semester betragen. An den Graduiertenkollegs wird die Gebührenfrage sehr individuell geregelt, so dass man hier in jedem Fall direkt nachfragen sollte.

Deutsch muss nicht sein

Deutschkenntnisse erleichtern zwar den Alltag, sind aber nicht Voraussetzung. Die oft international besetzten Teams verständigen sich meistens auf Englisch, auch Vorlesungen finden häufig in englischer Sprache statt. Die Dissertation selbst kann ebenfalls in Englisch verfasst werden.

Industriepartner üblich

63 Prozent der oberen Managementpositionen im deutschen Maschinenbau sind mit Ingenieuren besetzt, viele davon haben promoviert. In den Anwendungstechnologien wie der Automobil-, Maschinenbau- oder Bautechnologie zählt Deutschland zu den größten Patentanmeldern weltweit. Viele Ingenieurpromotionen finden hier mit Industriepartnern statt, die vom Know-how der Institute profitieren und Forschungsaufträge an sie vergeben. Gute Kontakte zwischen Forschung und Industrie sind die Folge. So gibt es beispielsweise in Thüringen renommierte Institute der Universitäten Erfurt, Jena und Ilmenau, die sich mit Solartechnologie beschäftigen und eine extreme Häufung von Unternehmen aus der Photovoltaikbranche, die sich um diese Institute herum angesiedelt haben. In enger Zusammenarbeit decken sie die gesamte Wertschöpfungskette von der Forschung und Entwicklung bis zum fertigen Produkt ab.

Ingenieure, die in Deutschland promoviert haben, haben sehr gute Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Aufgrund des seit Jahren vorherrschenden Fachkräftemangels werden top ausgebildete Absolventen von den Unternehmen händeringend gesucht, um langfristig im weltweiten Vergleich wettbewerbsfähig zu bleiben.

Quelle: DAAD»

Ausgewählte Artikel