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Exzellenzförderung light

Von Jan-Martin Wiarda

Mit viel Geld haben die Kultusminister die Forschung an den Universitäten unterstützt. Mit der Lehre tun sie sich schwer.

Exzellenzförderung light© KMKAnnegret Kramp-Karrenbauer
Es war nur eine kurze Bemerkung am Rande, aber sie zeigt doch, wie schwer sich alle Beteiligten tun, die Lehre an deutschen Hochschulen voranzubringen: Als Ministerin eines finanzschwachen Landes werde sie ihren Kollegen sicherlich nicht vorschlagen, Millionenbeträge für einen Exzellenzwettbewerb Lehre zur Verfügung zu stellen, sagte Annegret Kramp-Karrenbauer laut Tagesspiegel am Tag ihrer Einführung als neue Präsidentin der Kultusministerkonferenz - wenige Stunden bevor der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft einen ebensolchen offiziell vorstellte. Das Brisante an Kramp-Karrenbauers Äußerung: Die KMK war von Anfang an beteiligt an den Planungen für den Wettbewerb.

Auch wenn die saarländische Bildungsministerin gegenüber der ZEIT mittlerweile zurück gerudert hat, von einer "gewissen Missinterpretation" der Äußerungen spricht und ihre grundsätzliche Unterstützung für das Projekt betont, hatte die Episode doch Symbolcharakter: Für den Exzellenzwettbewerb in der Forschung haben Bund und Länder insgesamt 1,9 Milliarden Euro lockergemacht. Bei der noch offenen Kofinanzierung des Pendants für die Lehre durch die Länder geht es hingegen um ganze fünf Millionen Euro - weniger als 0,3 Prozent der Summe. Die Weigerung der Minister, viel Geld für eine Exzellenzinitiative für die Lehre in die Hand zu nehmen, ist offensichtlich.

Es geht eher um die Anerkennung als um die Summe

Selbst Berlins Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) hatte schon vor Monaten im kleinen Kreis betont, das Besondere an einem Exzellenzwettbewerb für die Lehre sei, dass der nicht viel Geld kosten müsse; das fließe ja bereits über den Hochschulpakt von Bund und Ländern in die Lehre, womit bis 2010 über 90 000 neue Studienplätzefinanziert würden. "Bei der Exzellenzinitiative zur Lehre geht es um die dringend nötige Anerkennung der guten Hochschullehrer", sagte er vergangene Woche. "Eine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen ist ja auch nicht aufgrund ihres Materialwerts so gefragt.

Dennoch, was bleibt, ist die negative Signalwirkung: Die Forschung ist der KMK das Geld wert, bei der Lehre wird geknausert. Zwar ist das lange zur Schau getragene Desinteresse der Minister vor allem dank Zöllners Lobbyarbeit einer halbherzigen Aufgeschlossenheit gewichen.

Doch hinter vorgehaltener Hand heißt es mancherorts immer noch, angesichts der krassen Unterfinanzierung der Hochschulen und des daraus resultierenden extrem schlechten Zahlenverhältnisses Professor/Student sei der Versuch, durch einen Wettbewerb Exzellenz anzuregen, von vorn herein zum Scheitern verurteilt. Daher könne man sich das Geld auch gleich sparen.

Der Stifterverband hat diese Gefahr bereits vor Monaten erkannt und die Minister durch eine energische Projektplanung vor sich hergetrieben. Mittlerweile ist die Exzellenzinitiative in ihren Grundzügen erkennbar. Es werde wie in der Forschung drei Förderlinien geben, teilte der Präsident des Stifterverbandes, Arend Oetker, vor wenigen Tagen mit: Die erste Förderlinie soll als "Nachwuchsförderung" über Stipendien, Weiterbildungsangebote und die Berufung von Gast professoren das Engagement für gute Lehre attraktiver machen. In der zweiten Linie, der "Strukturbildung", soll die Einrichtung sogenannter Kompetenzzentren für die Lehre gefördert werden, die nicht nur Konzepte für eine bessere Lehre entwickeln, sondern auch selbst die Weiterbildung der Lehrenden übernehmen. Im Rahmen einer Ausschreibung können sich alle Hochschulen als Standort für die Zentren bewerben.

Im Mittelpunkt stünde die dritte Förderlinie, die unter dem Stichwort "Strategieentwicklung" analog zur Forschungsinitiative stimmige Zukunftskonzepte belohnt: Die teilnehmenden Hochschulen sollen darlegen, wie sie innerhalb von fünf Jahren ihr Lehrangebot auf internationales Spitzenniveau heben wollen. Offenbar sind die Länder nur an der Finanzierung der dritten Sparte interessiert, ihr Finanzierungsanteil würde vollständig in die Prämierung der Zukunftskonzepte fließen, während die ersten beiden Förderlinien laut Stifterverband durch die Beteiligung anderer Stiftungen gesichert werden sollen. Um den Druck auf die Länder zu erhöhen, hat der Stifterverband bereits klargestellt, dass die von ihm versprochenen fünf Millionen Euro nur dann gezahlt werden, wenn auch die Kultusminister ihren Anteil zusichern. "Wenn die sich nicht in gleicher Höhe beteiligen, fällt unser Angebot", sagt die zuständige Programmmanagerin Bettina Jorzik.

Der Wettbewerb wird nicht alle Probleme lösen, warnt die Ministerin

Dass der Stifterverband vorgeprescht ist, ohne den Finanzierungsbeschluss der Kultusminister abzuwarten, ist nicht ohne Risiko. Zwar sieht es nach der letzten Sitzung der gemeinsamen Arbeitsgruppe von Stifterverband und Länder vergangene Woche so aus, als wären alle großen Stolpersteine aus dem Weg geräumt, und der Beschluss der KMK könnte schon im März erfolgen - rechtzeitig, um die Ausschreibung noch in diesem Jahr zu starten. Doch die Strategie, die Minister mit der Bekanntgabe der Wettbewerbsdetails unter Zugzwang zu stellen, könnte noch die Bockigkeit einiger Ressortchefs verursachen. Genau diese wollte Annegret Kramp-Karrenbauer offenbar unterbinden, als sie, scheinbar formalistisch, darauf beharrte, ihren Kollegen keine Vorgaben machen zu wollen. "Ich bin ja für den Wettbewerb", sagt sie. "Aber wir müssen schon die Beschlussfassung abwarten." Die KMK-Präsidentin warnt zudem davor, von dem Wettbewerb die Lösung aller Lehrprobleme zu erhoffen. "In Kürze wird der Wissenschaftsrat Empfehlungen zur Verbesserung der Lehrqualität vorlegen, die sind mindestens ebenso wichtig wie die Exzellenzinitiative."

Mindestens einen gemeinsamen Anknüpfungspunkt könnte es indes bereits geben: Der Wissenschaftsrat, der aus Wissenschaftlern und Bildungspolitikern besteht, wird wahrscheinlich die Einrichtung von Kompetenzzentren empfehlen - genau, wie sie im Wettbewerbskonzept des Stifterverbandes vorgesehen sind. So könnte sich am Ende aus Exzellenzinitiative, Wissenschaftsratsvorschlägen und Hochschulpakt doch noch ein harmonisches Ganzes ergeben.

Aus DIE ZEIT :: 31.01.2008

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