Das Karriereportal für Wissenschaft & Forschung von In Kooperation mit DIE ZEIT Forschung und Lehre

Falscher Sieg

Von Jan-Martin Wiarda

Die Abschaffung der Gebühren schadet den Studierenden.

Falscher Sieg© Maridav - iStockphoto.comSieg oder Niederlage?
Unter den saarländischen Studenten herrscht Partystimmung. Der Landtag in Saarbrücken hat mit der Mehrheit der Jamaika-Koalition aus CDU, FDP und den Grünen das Aus für die ungeliebten Studiengebühren beschlossen. Nach Hessen ist das Saarland das zweite Bundesland, in dem die CDU nach einer knapp vermiedenen Wahlniederlage das Bezahlstudium auf den Müllhaufen der Bildungsgeschichte wirft. Die Abschaffung der Gebühren ist dabei so konsequent, wie sie falsch ist.

Konsequent ist sie, weil die Gebührenstifter aus CDU und FDP - vor allem sie trieben in den Ländern die Einführung voran - es trotz großer Versprechungen in keinem der zwischenzeitlich sieben gebührenpflichtigen Bundesländer geschafft haben, die soziale Verträglichkeit mit einem fairen Kreditsystem sicherzustellen (ironische Fußnote: Ausgerechnet das Saarland war kürzlich dem Ziel, wenn auch zu spät, ziemlich nahegekommen). Angesichts der hohen Darlehenszinsen musste so fast zwangsläufig der Eindruck entstehen, die Gebühren dienten allein der Sanierung der Staatsfinanzen. Dies galt umso mehr, je weniger Christdemokraten den Mut fanden, die unpopuläre »Campus-Maut« öffentlich als sinnvoll zu verteidigen. Im Gegenteil: Fast erleichtert haben sie die Gebühren in Koalitionsgesprächen zur Verhandlungsmasse erklärt.

Dennoch ist ihre Abschaffung ein Fehler, und ausgerechnet die feiernden Studenten werden ihn am deutlichsten zu spüren bekommen. Denn was angesichts des Darlehensfiaskos aus dem Blick geraten ist: Die Studentenmillionen haben die Studienbedingungen vielerorts spürbar verbessert.

Tausende zusätzlicher Dozenten wurden eingestellt, überfällige Bauvorhaben verwirklicht, die Hörsaaltechnik wurde auf den neuesten Stand gebracht. Zwar versichert die Saarbrücker Regierung nun wie zuvor jene in Hessen, die durch den Gebührenstopp entstehenden finanziellen Ausfälle auszugleichen. Doch die bisherigen Erfahrungen mit der Verlässlichkeit staatlicher Bildungsfinanzierung lehren, was so eine Zusage langfristig wert ist: wenig.

So geht der Blick der saarländischen Rektoren sorgenvoll in jene Bundesländer, die eine Beitragspflicht für Studenten nie eingeführt und ihre Hochschulen somit in dem bekannten Mangelzustand belassen haben. Auch die Rektoren in den verbliebenen Gebührenländern machen sich ihre Gedanken: Sind Hessen und das Saarland die Vorboten für das Ende des kostenpflichtigen Studiums in ganz Deutschland? Je länger die glühenden Gebührenfans von einst nun schweigen und untätig bleiben, um so sicherer lautet die Antwort: Ja.

Aus DIE ZEIT :: 18.02.2010

Ausgewählte Artikel
Ausgewählte Stellenangebote