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Fragen Sie nur! Universitäten wandeln sich zu Serviceeinrichtungen

Von Thomas Röbke

Universitäten wollen ihren Studierenden stärker signalisieren: Wir kümmern uns um euch.


Fragen Sie nur! Universitäten wandeln sich zu Serviceeinrichtungen© RWTH - Peter Winandy"SuperC", RWTH Aachen
Eine Dunstabzugshaube für den Campus? Ein gigantischer Regenunterstand? Oder einfach ein architektonisches Wagnis? Wohl niemand, der sich dem Studienfunktionalen Zentrum der RWTH Aachen nähert, ist völlig von dem Gedanken frei, dass ihm gleich zwar nicht der Himmel, aber immerhin das Obergeschoss auf den Kopf fallen könnte. Denn das kragt in 20 Meter Höhe spektakulär 16 Meter in die Waagerechte aus.

Man könnte in dem Bauwerk auch schlicht ein großes, eckiges "C" erkennen - und so lautet sein Rufname folgerichtig SuperC. Damit hat Aachen nicht nur ein aufsehenerregendes Gebäude geschaffen, sondern vor allem ein architektonisches Ausrufezeichen gesetzt im noch jungen Wettbewerb der Hochschulen um die Gunst der Studierenden. Denn was dort in 22 Monaten Bauzeit für 23 Millionen Euro errichtet und Ende Juli eingeweiht wurde, ist die zentrale Anlaufstelle für studentische Belange.

Auf 4600 Quadratmeter Nutzfläche sind etwa das Studentensekretariat, das International Office und das Zentrale Prüfungsamt untergebracht. Darüber hinaus verfügt das Gebäude über eine Cafeteria sowie Konferenz- und Veranstaltungsräume.

Der Service-Gedanke, alle Beratungsleistungen zentral anzubieten, kommt aus den USA und wurde für deutsche Hochschulen interessant mit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge und dem damit verbundenen erhöhten Beratungsbedarf. Denn nur wer umfassend informiert ist, kann zielgerichtet und zügig studieren - und sein Studienbudget schonen.

"Klarere Strukturen bringen klare Wettbewerbsvorteile", sagt CHE-Experte Ulrich Müller. Natürlich kosten neue Serviceeinrichtungen zunächst einmal Geld, "aber man darf die Kosten nicht so kurzfristig betrachten. Für Studenten, die sich an mehreren Hochschulen bewerben, spielt es eine große Rolle, wie man mit ihnen umgeht. Es gibt immer noch Abteilungen, wo der Student stört - warum sollte er 500 oder 700 Euro Semesterbeitrag zahlen, wenn er von der Hochschule nicht das Signal bekommt: Du bist uns wichtig, wir kümmern uns um dich?"

Haben wir in ein paar Jahren amerikanische Verhältnisse in Deutschland? Dazu kommt von Müller ein ganz klares Nein. "Die Hochschullandschaft in den USA bewegt sich auf einem ganz anderen Level - zu ganz anderen Preisen." Ein amerikanisches Campus-Feeling mit Sauna, Schwimmbad und Tennisplatz werde bei uns definitiv nicht Einzug halten. "Das Geld haben wir einfach nicht. In Deutschland geht es immer noch um die Basisversorgung."

Und da setzt sich erst allmählich das Bewusstsein durch, dass die Trennung in akademische und nichtakademische Bereiche nicht mehr zu halten ist. "Die Hochschulen müssen das Gesamtpaket Studium gestalten", sagt der CHE-Experte.

"Es reicht nicht, sich auf Forschung und Lehre zu konzentrieren, sie müssen auch an Unterkunft und Verpflegung denken. Sonst haben sie Wettbewerbsnachteile. Man kann nicht ausländische Studierende ins Land holen und erwarten, dass das Studierendenwerk die schon irgendwie auffängt und mit allem versorgt."

Neunzig Prozent der Anfragen werden direkt beantwortet

Am Anfang der Entwicklung in Deutschland stand vor sieben Jahren das "Projekt Studierendenservice" der Uni Mainz. Bis dahin hatten in der Zentralen Verwaltung sieben verschiedene Einrichtungen zu uneinheitlichen Sprechzeiten unterschiedliche Dienstleistungen für deutsche und ausländische Studierende sowie Studieninteressierte angeboten. Mit einem ehrgeizigen Reformprojekt wurden die unterschiedlichen Angebote erstmalig in Deutschland zu einem gemeinsamen Konzept gebündelt. Im August 2005 öffnete das Mainzer Studierenden Service Center seine Pforten. "Die Einrichtung mit hellen Möbeln und in einem kräftigen Rot-Ton signalisiert, dass hier in organisatorischer wie auch ästhetischer Hinsicht ein modernes, zukunftsweisendes Konzept verwirklicht wird", hieß es damals schwärmerisch in der Pressemitteilung. Schon im März 2003 war das Informationsangebot im Internet online gegangen, und bereits im Juli 2002 wurde die Telefon- Hotline eingeführt - als erste ihrer Art an einer deutschen Hochschule. Nach Hochschulangaben können 90 Prozent der angenommenen Anrufe direkt beantwortet werden, die restlichen werden zu Experten in den entsprechenden Abteilungen durchgestellt.

Zum guten Stil gehören nun auch einprägsame Öffnungszeiten

Das ist keine Hexerei, denn "70 Prozent der Anfragen sind Routine", wie Ulrich Müller vom CHE bestätigt, der einige Hochschul-Hotlines aus eigener Anschauung kennt. "Da sitzen fünf, sechs sehr fitte Studenten, die kennen die Fragen und Bedürfnisse ihrer Kommilitonen aus eigener Anschauung und haben alle relevanten Daten und Abfragen in ihrem Computer."

Das "Alles aus einer Hand"-Konzept hat Anfang vergangenen Jahres auch die Uni Jena mit ihrem Studierenden-Service-Zentrum umgesetzt. Noch länger besteht das ServiceCenter der Universität Hannover. Auch hier gilt das All-inclusive- Prinzip - bestehend aus zentraler Studienberatung, Immatrikulationsamt, akademischem Prüfungsamt, staatlichen Prüfungsämtern, Hochschulbüro für Internationales, Niedersächsischem Studienkolleg, Fachsprachenzentrum, zentraler Einrichtung für Weiterbildung, Psychologisch-Therapeutischer Beratung, Koordinationsstelle Career Service, Studentenwerk und Hochschulinformationsbüro - wer jetzt noch Fragen hat, dem ist nicht mehr zu helfen. Durchgängige, einprägsame Öffnungszeiten (montags bis donnerstags von 10 bis 17 Uhr, freitags und vor Feiertagen von 10 bis 15 Uhr) gehören ebenso zum guten Stil wie eine Service- Hotline, die sogar schon eine Stunde früher erreichbar ist. Bleibt zu hoffen, dass auf das Aachener SuperC noch viele Buchstaben folgen werden...

Aus DIE ZEIT :: 17.12.2008

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