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Gerecht verteilt

Von Jan-Martin Wiarda

Warum das umstrittene Stipendienprogramm doch gut ist.

Gerecht verteilt© misterQM - Photocase.comDas nationale Stipendienprogramm fördert vermehrt auch Fachhochschulstudenten
Die Kritik am von der Bundesregierung gerade beschlossenen Stipendienprogramm kommt von allen Seiten. Die Rektoren sprechen von einer Überforderung ihrer Hochschulen, die ihren Anteil an den geplanten 160 000 Stipendien nur dann erhalten sollen, wenn sie genug solvente Spender für die vorgeschriebene private Co-Finanzierung finden. Studentenvertretungen beklagen eine enorme Geldverschwendung, die bis zu 300 Millionen Euro Steuergelder jährlich seien besser in einer weiteren Aufstockung des Bafögs angelegt. Schließlich habe die Vergangenheit gezeigt, dass Stipendiensysteme grundsätzlich jene bevorzugten, die sie gar nicht nötig hätten.

Die Befürchtungen sind berechtigt und werden sich möglicherweise erfüllen. Dennoch sind diejenigen, die das Programm deshalb noch auf der Zielgeraden der Gesetzgebung verhindern wollen, im Irrtum. Was sie übersehen: Ein bedeutender Teil der sozialen Schieflage bisheriger Stipendien zugunsten Kinder besser verdienender Akademiker rührt aus einem einzigen Missstand - der dramatischen Bevorzugung von Universitätsstudenten. Im Schnitt aller Begabtenförderungswerke stellen sie über 90 Prozent der Stipendiaten. Anders das nationale Stipendienprogramm: Zum ersten Mal überhaupt werden Fachhochschulstudenten bei der Vergabe von Stipendien systematisch gleichbehandelt, die Zahl der Geförderten pro 1000 Studenten soll anteilmäßig identisch sein.

Würde aus dem ambitionierten Ziel Wirklichkeit, wäre ein enormes Plus an Chancengleichheit in unserem Bildungssystem die Folge - Grund genug, dem geplanten Programm eine Chance zu geben. Wenn es das Versprechen nicht hält, kann man die Stipendien ohne Reue wieder abschaffen.

Aus DIE ZEIT :: 29.04.2010

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