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Graduiertenschulen: Promovieren im Team

Von Sabine Olschner

Ausländische Studierende sind besonders gut in einer der rund 40 deutschen Graduiertenschulen mit ihren strukturierten Promotionsprogrammen aufgehoben. Denn diese Einrichtungen unterstützen ihre Doktoranden auf vielfältige Weise - fachlich wie persönlich.

Graduiertenschulen: Promovieren im Team© Monkey Business - Fotolia.com
Die Graduiertenschulen an den deutschen Hochschulen wurden im Rahmen der Exzellenzinitiative gegründet, mit der die Bundesrepublik Deutschland universitäre Spitzenforschung fördern wollen. Jede Graduiertenschule erhält im Durchschnitt pro Jahr eine Million Euro öffentliche Fördermittel. Graduiertenschulen sind Orte des Austauschs: Auf eine internationale Mischung der Forscherteams wird ebenso geachtet wie auf die interdisziplinäre Zusammensetzung der Doktorandengruppen.

Häufig forschen mehrere Fakultäten zusammen an einer übergreifenden Fragestellung. Ein Beispiel ist die Göttinger Graduiertenschule für Neurowissenschaften und Molekulare Biowissenschaften (GGNB), einer der größten Graduiertenschulen in Deutschland. Sechs Fakultäten der Universität Göttingen, drei Max-Planck-Institute und das Deutsche Primatenzentrum forschen zum Beispiel gemeinsam in den Bereichen Hirn- und Verhaltensforschung, Biochemie, Biophysik, Zell- und Entwicklungsbiologie. Die Doktoranden arbeiten nicht nur für sich innerhalb der Forscherteams, sondern sind an Forschungsprojekten beteiligt. "Unsere rund 350 Doktoranden - davon kommen bis zu 45 Prozent aus dem Ausland - sind direkt in die Forschergruppen eingebunden", betont Dr. Steffen Burkhardt, wissenschaftlicher Koordinator der GGNB.

Fachübergreifende Graduiertenschulen

Ähnlich sieht es Dr. Martin Zierold, Geschäftsführer des Gießener Graduiertenzentrums für Kulturwissenschaften (GGK): "Wir behandeln unsere Doktoranden als Forschende und nicht als Lernende. Das bedeutet, dass sie zum Beispiel auch Konferenzen besuchen oder ihre Forschungsergebnisse veröffentlichen können." Das GGK nennt sich bewusst Graduiertenzentrum und nicht Graduiertenschule, "denn wir arbeiten weniger verschult als viele andere Anbieter", erklärt Martin Zierold. So sammeln die Gießener Doktoranden zum Beispiel keine Credit Points, wie es in vielen Graduiertenschulen üblich ist. Im GGK versammeln sich Sozialwissenschaftler, Historiker, Pädagogen, Musik-, Literatur-, Sprachwissenschaftler und andere Forscher, die zum großen Gebiet der Kulturwissenschaften gehören. Sie arbeiten fachübergreifend in acht Forschungsbereichen.

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Soft Skills für die Wissenschaftler

Ein Vorteil der fakultätsübergreifenden Zusammenarbeit ist die Vernetzung und der damit einhergehende Austausch unter den Doktoranden und Professoren. "Wir achten schon bei der Bewerbung darauf, ob die Kandidaten während des Studiums mal über den Tellerrand geschaut haben und sich mit mindestens einer zweiten Fachrichtung beschäftigt haben", erläutert Dr. Yvonne Ritze, Projektkoordinatorin für die Lehre im Exzellenzcluster an der Stuttgarter Graduiertenschule Simulation Technology (GS SimTech). Die insgesamt 37 deutschen Exzellenzcluster sind ebenfalls staatlich geförderte Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen, die mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Fachhochschulen und der Wirtschaft kooperieren.

An der GS SimTech können sich die Doktoranden - vorrangig aus den Natur-, den Ingenieur- und den Geisteswissenschaften - neben ihren Forschungsgebieten auch mit anderen, übergreifenden Themen beschäftigen. "Wir bieten zum Beispiel Veranstaltungen zu Soft Skills wie Zeitmanagement oder wissenschaftliches Schreiben an", sagt Yvonne Ritze. Andere Graduiertenschulen haben ähnliche Angebote. "Außerdem bereiten unsere Doktoranden nach ein bis eineinhalb Jahren eine Milestone-Präsentation vor, mit der sie den Kollegen ihre Projekte vorstellen." Denn auch das ist eine Besonderheit der Graduiertenschulen: Im Gegensatz zu einer klassischen Promotion werden die Doktoranden nie allein gelassen, sondern in ein Team integriert und begleitet - andererseits regelmäßig gefordert, Erebnisse der Promotion zu präsentieren.

Schneller promovieren

"Durch das fokussierte und strukturierte Vorgehen unterstützen wir unsere Doktoranden, ihre Promotion im Schnitt schon nach drei Jahren abzuschließen", erklärt Dr. Markus Lazanowski, einer der beiden Geschäftsführer der Darmstädter Graduate School of Computational Engineering (CE), einen weiteren Vorteil der Graduiertenschulen. Bei einer klassischen Promotion brauchen die Doktoranden meist rund zwei Jahre länger, bis sie den Doktortitel in der Tasche haben. In Darmstadt treffen Ingenieure, Mathematiker und Informatiker aufeinander. Besonders qualifizierte Studenten, die an der Technischen Universität Darmstadt ein Master-Studium in CE durchlaufen, können auf dem so genannten Fast Track bereits in ihrem zweiten Master-Jahr an der Graduiertenschule anfangen. Da die Fast-Track-Teilnehmer keine Master-Thesis anzufertigen brauchen, können sie die gewonnene Zeit für den Einstieg in die Doktorarbeit nutzen.

Rund 50 Prozent der CE-Doktoranden kommen aus dem Ausland, von Ägypten über Indien bis China. "Der interkulturelle und interdisziplinäre Austausch ist uns sehr wichtig", so Markus Lazanowski. Zudem werden die Doktoranden - wie bei den meisten anderen Graduiertenschulen - finanziell durch Stipendien unterstützt, so dass der Lebensunterhalt abgesichert ist. Zusätzlich bieten die meisten Graduiertenschulen Hilfe bei der Wohnungssuche, der Visumsbeschaffung oder bei Behördengängen an.

Bewerbungswege für Doktoranden

Wer sich für eine Graduiertenschule interessiert, sollte zunächst herausfinden, welche Schwerpunkte am besten zu dem eigenen Promotionsthema passen. Anschließend durchläuft man je nach Standort unterschiedliche Bewerbungsverfahren. "Interessenten bewerben sich bei uns online auf konkrete Forschungsprojekte", erklärt zum Beispiel Dr. Sabine Bartosch, Koordinatorin bei der Berlin-Brandenburg School for Regenerative Therapies. Zwischen 30 und 40 Bewerber aus den Naturwissenschaften, der Medizin und dem Ingenieurwesen werden zu einem Assessment Center eingeladen, in dem sie zum Beispiel Vorträge halten und zeigen müssen, dass sie ins Team passen. "Ein offener Umgang mit dem internationalen Flair unseres Hauses und die Bereitschaft, Neues zu lernen - das ist uns bei unseren Bewerbern wichtig", so Sabine Bartosch.

Vorteil Graduiertenschule

Die GGNB in Göttingen bietet für ausländische Bewerber, die von weit her kommen, sogar Vorstellungsgespräche über Videokonferenzen an. "Alle unsere Programme stehen im Internet", erläutert Koordinator Steffen Burkhardt die Vorgehensweise. "Entweder man bewirbt sich online auf ein bestimmtes Programm oder direkt bei einem Professor oder einer Abteilung, für die man sich besonders interessiert." Speziell für die ausländischen Bewerber, die sich vor der deutschen Sprache fürchten, fügt Burkhardt hinzu: "Alle Veranstaltungen finden auf Englisch statt. Man muss also nicht unbedingt Deutsch können, um hier zu promovieren. Aber wir bieten den Doktoranden Deutschkurse für den Alltag an."

Strukturiertes Arbeiten, kurze Promotionszeiten, interdisziplinärer Austausch, fachliche, finanzielle Unterstützung und persönliche Betreuung - Graduiertenschulen bieten ihren Teilnehmern eine ganze Palette von Vorteilen. Und nicht zuletzt genießt eine Promotion an einer deutschen Hochschule im Ausland einen guten Ruf. Wer lieber im Team statt allein im stillen Kämmerlein promovieren möchte, ist also an einer Graduiertenschule sehr gut aufgehoben.

Quelle: academics

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