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Gruppenspiele gegen Prüfungsangst


Eine Zusammenstellung der wichtigsten Fragen und Antworten von Katja Barthels

Universitäten bieten psychologische Beratung an, wenn Studenten ihr seelisches Gleichgewicht verlieren.

Gruppenspiele gegen Prüfungsangst: Betreuung Universitäten© stock.xchng
Wann sollte man sich Hilfe holen?

Sobald die Seele signalisiert: Hier stimmt etwas nicht. Etwa, weil man andauernd unkonzentriert ist, sich schlecht motivieren kann oder sein Stu dium in Zweifel zieht. Studenten, die unter Rede- oder Prüfungsangst leiden, die es in vollen Seminarräumen kaum aushalten oder Probleme damit haben, auf dem Campus Kontakte zu knüpfen, sollten über eine Beratung nachdenken. Die Therapeuten beraten aber auch bei außeruniversitären Problemen, die sich auf die Studienleistungen auswirken können - wie Beziehungskrisen, finanzielle Ängste oder nicht gelingende Abnabelungsprozesse vom Elternhaus.

An wen können sich Ratsuchende wenden?

Am besten bei der Studentenberatung anrufen oder über deren Internetseite den entsprechenden Kontakt suchen. Das Hochschulgesetz vieler Bundesländer sieht vor, dass hier neben allgemeinen Studieninfos auch psychologische Hilfe bereit gestellt wird. Die Sprechzeiten kann man meist dem Anrufbeantworter entnehmen, um dann einen Termin direkt mit dem Therapeuten zu vereinbaren. Außerdem existieren an 44 der 58 Studentenwerke in Deutschland psychologische Beratungsstellen, die über die zentrale Nummer erreicht werden können. Die Beratung ist kostenlos.

Häufen sich Krisen in bestimmten Studienabschnitten?

Eine psychologische Beratung kann in jeder Phase des Studiums nötig werden. Viele Studenten kämpfen zu Beginn des Semesters mit Orientierungsängsten. Andere zögern Referate und Hausarbeiten über Monate hinaus, weil sie sich die wissenschaftliche Arbeit nicht zutrauen oder Hemmungen haben, sich vor Kommilitonen zu präsentieren. Wieder andere verfallen in Panik, sobald es in die erste Prüfung oder gar ins Examen geht - Letzteres kann wiederum Zukunfts- und Entscheidungsängste auslösen. Und in den Semesterferien grübeln Studierende oft über Lebensfragen nach.

Wie läuft die Beratung ab?

Meist erfolgt in einer ersten, etwa einstündigen Sitzung oder in einem Telefonat die Analyse des Problems. Handelt es sich um eine konkrete Angst oder allgemeine Unsicherheit? Rührt die Antriebslosigkeit aus einer vorübergehenden schlechten Phase, oder steckt eine ernst zu nehmende Depression dahinter? Je nach Diagnose entscheidet der Psychotherapeut, ob er in einem weiteren Gespräch mit konkreten Tipps und Techniken helfen kann oder ob eine Überweisung in eine therapeutische Praxis nötig erscheint. Manche Probleme können gut in einer Gruppe mit anderen Betroffenen gelöst werden.

Wann hilft eine Selbsthilfegruppe?

Vor allem für Studenten mit Ängsten bieten viele Beratungsstellen regelmäßige Selbsthilfegruppen an. Ein Therapeut erklärt den Betroffenen, was in ihrer Psyche vorgeht, woher ihre Probleme rühren und wie man sie in den Griff kriegen kann. In mehrstündigen Sitzungen spielen die zehn bis zwölf Teilnehmer dann typische Situationen aus dem Uni-Alltag durch. So konfrontieren sie sich mit ihren Ängsten und üben, dagegen anzugehen.

Wer nimmt Beratung in Anspruch?

Psychotherapeutische Maßnahmen sind heute zum Glück kein Tabu mehr. Die Bereitschaft der Studenten, ein Beratungsgespräch zu führen, ist enorm gestiegen. Sie gestehen sich Ängste und Probleme offener ein und wissen, dass sie sich Hilfe holen können. Hinzu kommt aber auch, dass ein Studium in der heutigen Zeit viele Auslöser für ein seelisches Ungleichgewicht birgt: Der Druck in den Bachelor- und Masterstudiengängen wächst durch stetige Leistungskontrollen, die Finanzierung wird aufgrund der Studiengebühren schwieriger, und oft fehlen die beruflichen Perspektiven.

Wie kann man vorbeugen?

Dazu meint Holger Walther, Diplompsychologe und Leiter der psychologischen Beratungsstelle an der Humboldt-Universität in Berlin: "Indem man Probleme, Ängste oder Zweifel frühzeitig mit Freunden oder der Familie bespricht. Es kann zum Beispiel beruhigend sein, wenn andere Ähnliches durchgemacht haben. Oder einen Rat zu hören, wie man weiter verfahren könnte." Wem diese Ansprechpartner fehlen, der sollte sich an einen Therapeuten wenden, statt das Problem zu verdrängen.

Aus DIE ZEIT :: 27.03.2008

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