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Hochschulallianz: Was ist wichtiger als Bildung und Wissenschaft?

 

Die Hochschulallianz will eine echte Debatte über die Prioritäten der Staatsausgaben und fordert die Regierung auf, den Bereichen Bildung und Wissenschaft Vorrang zu gewähren.

Hochschulallianz: Was ist wichtiger als Bildung und Wissenschaft?© teaksato - stock.xchng
Die neugegründete Hochschulallianz von Studenten- und Hochschullehrerverbänden fordert eine Umstellung der Haushalts-, Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik zugunsten von Bildung und Wissenschaft.

"Wir, die unmittelbar Betroffenen, wollen nicht länger mit wohlfeilen Bekenntnissen und Sonntagsreden, in denen versichert wird, wie wichtig Bildung und Wissenschaft für die Zukunft Deutschlands seien, vertröstet werden. Wir wollen endlich die Umsetzung dieser Erkenntnis sehen", erklärten die Sprecher der Hochschulallianz auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Adressaten dieser Forderungen seien in erster Linie nicht die Bildungs- und Wissenschaftspolitiker, sondern die Bundeskanzlerin, die Ministerpräsidenten und die Finanzminister im Bund und in den
Ländern.

Die Hochschulallianz hält die Zeit für gekommen, endlich in eine leidenschaftliche Prioritätendebatte über die Staatsausgaben einzutreten: Ist der Zustand unseres Bildungs- und Wissenschaftssystems wichtiger als Investitionen für den Straßenbau, Milliardenausgaben für Rüstungsgüter, Subventionen für Steinkohle, Photovoltaik oder andere konkurrierende Aufgaben, für die Steuergelder aufgewandt werden?

"Bildung und Wissenschaft müssen heute Vorrang haben, wenn wir morgen noch wettbewerbsfähig sein wollen", erklärte die Hochschulallianz. Derzeit kämen an Hochschulen im Durchschnitt 52 Studierende auf einen Hochschullehrer, in den Geistes- und Sozialwissenschaften bis zu 170. "Das sind Verhältnisse, die zu Lasten der Ausbildungsqualität gehen", so die Hochschulallianz. Deutschland investiere in die Hochschullehre zu wenig.

Mit 7.100 Dollar (4.500 Euro) pro Student werde das OECD-Mittel von 7.700 Dollar (4.880 Euro) erheblich unterschritten. An der chronischen Misere würden der unterfinanzierte Hochschulpakt und die allein auf die Forschung ausgerichtete Exzellenzinitiative kaum etwas ändern.

Die Aufgaben, die den Hochschulen übertragen würden, stünden in krassem Gegensatz zu den Finanzen, die ihnen zur Durchführung zugewiesen würden. Der doppelte Abiturjahrgang (G 8), eine strukturelle Mehrbelastung von ca. 20 Prozent durch die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge und das Ziel, 40 Prozent eines Abiturjahrgangs zum Studium zu führen, überfordere die Hochschulen. Das Ergebnis seien in die Autonomie der eigenen Mittelkürzung entlassene Hochschulen, hochqualifizierte Professoren, die keine Zeit mehr zur Forschung hätten, Nachwuchswissenschaftler, denen in Deutschland vielfach keine Perspektive geboten werden könne, Doktoranden, die in erheblichem Maße in der Lehre eingesetzt würden, sowie Studierende, denen die zum Erwerb einer Berufsqualifikation notwendigen Ressourcen vorenthalten würden.

Der Hochschulallianz gehören bislang an: der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG), der Ring Christlich- Demokratischer Studenten (RCDS), das Deutsche Studentenwerk (DSW), Thesis - Interdisziplinäres Netzwerk für Promovierende und Promovierte e.V., die Bundesvertretung Akademischer Mittelbau (BAM), der Verband Hochschule und Wissenschaft (vhw), der Hochschullehrerbund (hlb), der Förderverein Juniorprofessur e.V. und der Deutsche Hochschulverband (DHV).

Aus Forschung und Lehre :: Mai 2008

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