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Hochschulrektoren für "Transnationale Hochschulen"

Von Felix Grigat

"Internationalität" ist eines der oft gebrauchten Schablonenworte der letzten Jahre. Gleichwohl geht es um ein Kernthema gerade für die immer mehr international agierende Wissenschaft. Die Organisation der deutschen Hochschulen hat nun dazu Leitlinien formuliert. Was sind die wichtigsten Thesen?

Hochschulrektoren für "Transnationale Hochschulen"© Alex Slobodkin - iStockphoto.com
Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat zentrale Ziele für eine Internationalisierungsstrategie der deutschen Hochschulen beschlossen. Danach soll die Internationalität der Hochschulen transparenter, vergleichbarer und messbarer als bisher gestaltet werden. Die Leitungsebene der jeweiligen Institution müsse die Internationalisierung "professionell managen" und eine individuelle Strategie entwickeln. Eine "Entgrenzung" deutscher Hochschulen könne sich nicht darin erschöpfen, Bologna- und Lissabon-Standards in der Lehre zu erfüllen, Forschungsmittel in Brüssel zu akquirieren oder den internationalen Austausch von Studierenden und Lehrenden im Rahmen nationaler oder europäischer Programme zu erweitern. Es sei ein grundlegendes Missverständnis, "Internationalisierung" isoliert als ein Element im Rahmen einer Hochschulstrategie zu konzipieren. Es gehe nicht um Internationalität in einem solch vordergründigen Sinne, sondern um die Transnationalität jeder Hochschule als ganzer. Eine Hochschule, die die Globalisierungsprozesse und die damit verbundenen Herausforderungen ignoriere, sei schon kurzfristig chancenlos. Dies gelte für die einzelne Hochschule wie das deutsche Hochschulsystem als Ganzes. Nach Ansicht der HRK sei es sicher, dass die Qualität deutscher und internationaler Hochschulen künftig auch unter dem Gesichtspunkt von Internationalisierungsstandards bewertet würden.

Die Rektoren fordern, die deutschen Hochschulen an "strategisch wichtigen Orten im Ausland" zu vertreten. Dazu gehöre es, deutsche Studienangebote und Hochschulen im Ausland aufzubauen. Auch neue Modelle müssten entwickelt werden. Dazu zählen die Rektoren sog. "non-collaborative arrangements, branch campuses, off-shore institutions, fliegende Fakultäten sowie kollaborative Arrangements von der Anerkennung fremder Angebote ohne Einzelfallprüfung über die Autorisierung zur Durchführung fremd entwickelter Studienangebote (franchising) bis zum twinning (Doppel-Diplomprogramme)". Darüber hinaus sollen ausländische Hochschulen zu "starken Partnern" der deutschen Institutionen gemacht werden. Stärker als bisher müsse für ein Studium, eine Forschertätigkeit oder eine Promotion an deutschen Hochschulen geworben, ausländische Studierende, Doktoranden und Forscher professionell betreut werden.

Nach Überzeugung der HRK sind die deutschen Hochschulen international nur als autonome Hochschulen wettbewerbsfähig. In dem Maße, in dem der Staat sich aus der Finanzierung des tertiären Sektors zurückziehe, verliere er den Anspruch auf dessen Steuerung. Deshalb werde es darauf ankommen, in den Hochschulen Formen der Steuerung zu etablieren, die von der Curriculum- Konstruktion bis zur Personalrekrutierung reichen müssten. Auch seien neue Formen der Finanzierung notwendig. Mittelfristig könne nur ein Teil der Kosten für das Hochschulsystem durch die öffentliche Hand übernommen werden. Dieses ziehe zwangsläufig Initiativen auf dem freien Markt nach sich. Einer "wilden Privatisierung" müsse durch modellhafte private public partnerships begegnet werden. Die chronische staatliche Unterfinanzierung des Hochschulsystems erfordere darüber hinaus neue Rechtsformen und neue unternehmerische Modelle für die Universitäten und Fachhochschulen. Es werde darauf ankommen, die akademische Aufgabe der Hochschule mit deren unternehmerischer Steuerung zu harmonisieren.

Nach Ansicht der HRK wird der Globalisierungsprozess zwangsläufig zu einer hohen Diversität und Vielfalt von Hochschultypen weltweit führen. Dabei komme es darauf an, ein Qualitätssicherungssystem im Weltmaßstab zu etablieren, das Bildungsstandards "bis in den konkreten Unterricht hinein" sichere. Der Europäisierung des Hochschulraums mit den implizierten Standardisierungen werde sehr schnell ein analoger globaler Prozess folgen müssen.

Aus Forschung und Lehre :: Januar 2009

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