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Abschied vom Elfenbeinturm: In den Ingenieurwissenschaften ist der Weg zurück an die Hochschule offen

Von Judith Jenner

Wissenschaftler erzählen von ihrem Wechsel von der Hochschule in die freie Wirtschaft.

In den Ingenieurwissenschaften ist der Weg zurück an die Hochschule offenFrüher an der Uni eher Einzelkämpfer, heute ist Ulf Bunge (39) Leiter der Abteilung für Berechnung und Simulation der Semcon Wolfsburg GmbH
Anders als in anderen Fachbereiches sind die Grenzen zwischen Universitäten und der Wirtschaft in den Ingenieurwissenschaften durchlässiger. Zwar rücke man anderswo auch projektbezogen näher zusammen, aber einen personellen Austausch gebe es eher selten. Wenn Ulf Bunge mit seinen Mitarbeitern eine Projektskizze für eine Methodenentwicklung für einen Auftraggeber erstellt, kann es sein, dass letztlich ein Universitätsinstitut die Umsetzung übernimmt. Freie Wirtschaft und Universitäten konkurrieren hier um Aufträge. Der Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik leitet die Abteilung für Berechnung und Simulation der Semcon Wolfsburg GmbH mit 30 Mitarbeitern. Das Unternehmen entwickelt als externer Dienstleister vor allem für Firmen aus der Automobilindustrie neue Produkte. Der Wechsel von der Universität in die Industrie ist nach der Promotion üblich für Ingenieure. Den dreifachen Vater führte die Karriere so über Umwege in der Luftfahrtindustrie schließlich nach Wolfsburg, wo seine Frau verbeamtet ist.

An der Uni ist das Thema des beruflichen Werdegangs Gegenstand offener Diskussionen gewesen. "Bei uns im Kollegium wurde ganz offen ausgesprochen, wenn jemand vor hatte zu wechseln, anders als in der Privatwirtschaft, wo man Angst hätte, sich damit Chancen zu verbauen", sagt er. Und warum der Wechsel in die Wirtschaft? "Bei mir hatte sich ein gewisser Sättigungseffekt eingestellt", reflektiert er. "Ich brauchte eine neue Herausforderung." Diese geht bei Ulf Bunge mit einem deutlich höheren Arbeitspensum, aber auch einem besseren Gehalt einher. Zeit für sich hat der 39-Jährigen kaum noch. Zwar ist der Arbeitstag in der Firma gegen 18.30 Uhr erst einmal beendet, aber wenn die Kinder im Bett sind, arbeitet Bunge häufig noch einige Stunden zuhause am Rechner. Wenn er etwas vermisst, dann sind es die Reisen und die Vorträge auf Konferenzen. Mit der TU reiste er bis nach Shanghai. In seinem jetzigen Job bleibt er meist in Wolfsburg. "Wenn die Bedingungen stimmen, könnte ich mir vorstellen, eines Tages in die universitäre Forschung zurückzugehen", sagt Ulf Bunge. Mehr als das Erklimmen einer Karriereleiter interessieren ihn die Aufgaben und die Bedingungen an seinem Arbeitsplatz und unter Kollegen - egal ob in der Wissenschaft oder in der Industrie.

Quelle: academics

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