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Ist es sinnvoll gleich nach dem Diplom eine Promotion anzustreben?

Ist es sinnvoll gleich nach dem Diplom eine Promotion anzustreben?© Alex Nikada - iStockphoto.com

Ich schließe gerade mein Pädagogik-Studium (Diplom) ab. Schwerpunkt ist Sozialarbeit/-pädagogik in Verbindung mit interkultureller Pädagogik, wobei mein besonderes Interesse den Bereichen Rechtsextremismus, Rassismus und Gedenkstättenpädagogik gilt. Für die Diplomarbeit habe ich erstmals empirisch gearbeitet. Das Resultat der Arbeit sowie die bisherigen Rückmeldungen zu dieser haben bei mir erneut die Idee geweckt, eine Promotion und eine anschließende universitäre Karriere anzustreben.

Ich hatte diese Idee bereits einmal verworfen, aber im Laufe der Diplomarbeitsphase habe ich gemerkt, dass ich mir nun sehr wohl vorstellen kann, an einer Hochschule tätig zu werden. Zudem habe ich in der Diplomarbeit ein Thema behandelt, dass bisher wenig empirisch betrachtet wurde und daher durchaus Möglichkeiten zu weiterer Forschung bietet. Allerdings schreckt mich die relative Planungsunsicherheit ab. Ich bn unsicher, ob es sinnvoll ist, direkt im Anschluß an das Diplom die Promotion anzugehen oder ob ich erst Berufspraxis sammeln sollte - auch, um darauf zurückgreifen zu können, falls eine universitäre Laufbahn sich nicht umsetzen läßt bzw. um ggf. über eine halbe Stelle die Finanzierung der Promotion zu sichern.

Leider gibt es in dem Bereich, in dem ich gern weiter empirisch arbeiten würde, nur sehr wenige bis überhaupt keine freien Stellen, sodass ich in einem anderen (im Idealfall wenigstens inhaltlich verwandten) Feld der Pädagogik arbeiten müßte.

Vielleicht können Sie mir bezüglich meiner Unsicherheit helfen und mir sagen, inwieweit es sinnvoll ist, sich ganz auf eine universitäre Tätigkeit zu verlassen oder sich über vorherige Berufserfahrung eine Hintertür offen zu halten - und bis zu welchem Alter eine Promotion überhaupt sinnvoll ist, wenn sie langfristig zu einer Festanstellung als Hochschullehrender führen soll.

Die Antwort des DHV-Expertenteams: In der (Entscheidung-)Zwickmühle, die Sie beschreiben, stecken sehr viele Ihrer Kolleginnen und Kollegen. Im Hinblick auf die wissenschaftliche Karriere wird es nach unserem Dafürhalten vorteilhaft sein, die Promotion direkt nach dem Studium in Angriff zu nehmen.

Im Idealfall erfolgt dies in Kopplung mit einer Tätigkeit an der Hochschule. Eine externe Promotion ohne Anbindung an die Hochschule -- etwa als wissenschaftliche Mitarbeiterin -- treibt Sie zu weit von dem Geschehen an der Hochschule fort. Streben Sie eine Promotion direkt nach der Diplomarbeit an, so ist freilich auch zu fragen, ob die Promotion, und damit verbunden im Idealfall die Tätigkeit an der Hochschule, im Hinblick auf eine spätere außerhalb des Hochschulbereichs liegende Tätigkeit tatsächlich nachteilig sein wird. Abhängig von den Bedingungen des jeweiligen Arbeitsmarktes kann eine direkt im Anschluss an das Studium gefertigte Dissertation durchaus gewünscht sein, zeigt sie doch ein großes Maß an Zielstrebigkeit.

Insofern tendieren wir zu dem allgemeinen Rat, auch dann nach Abschluss Ihrer Diplomarbeit -- möglichst in Verbindung mit einer Stelle an der Hochschule -- zu promovieren, falls die wissenschaftliche Karriere sich später nicht sicher realisieren lässt. Auf eine universitäre Tätigkeit im Anschluss an die Promotion können Sie sich natürlich nicht verlassen. Die tatsächlichen Bedingungen für die Bekleidung von Hochschulprofessuren in Ihrem Fach müssten Sie am besten mit Ihrem Dissertationsbetreuer besprechen.

In einem solchen Gespräch müssten zwingend auch die späteren Perspektiven für eine etwaige nachfolgende Habilitation zur Sprache kommen. Nach aller Erfahrung wird ein Sie fördernder Hochschullehrer von vornherein zu einer ehrlichen Prognose kommen, ob eine universitäre Karriere im speziellen Fall in Betracht kommt.