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Johanna Wanka ist Ministerin des Jahres 2008


Von Michael Hartmer

Beim diesjährigen DHV-Ministerranking erlangte die brandenburgische Wissenschaftsministerin Johanna Wanka erstmals den ersten Platz.

Beginnen wir mit dem Unvermeidlichen: Nein, dieses Ranking genügt nicht allen Regeln empirischer Sozialwissenschaft. Es ist "nur" ein Stimmungsbild, das wiedergibt, was die in der Wissenschaft Regierten von ihren Regenten halten.

Ja, mit diesem Ranking will der DHV den ranking- und evaluationsfixierten Politikern den Spiegel vorhalten. So wie sich mancher Minister in diesem Ranking unverstanden und ungerecht beurteilt fühlt, genauso fühlt es sich für eine Universität jenseits der bescheinigten Exzellenz an, wenn sie staatlicherseits Kennzahlen vorgehalten bekommt, die die fehlende Zukunftsfähigkeit dieses oder jenes Fachbereiches belegen sollen.

Ja, der DHV hält trotz berechtigter Vorbehalte dieses Ranking im Sinne eines Stimmungsbildes für ein legitimes und sinnvolles Mittel seiner Öffentlichkeitsarbeit.

Nach diesem auch beim vierten DHV-Ministerranking immer noch notwendigen Vorspann ist es nachgerade aufregend, die diesjährigen Ergebnisse zu betrachten. Arbeiten wir uns dabei von hinten nach vorne. Geradezu desaströs ist das Abschneiden von Senator Dräger in Hamburg. 5,3 auf einer Schulnotenskala spricht eine ebenso deutliche Sprache wie die Platzierungen 14 und 16 in den Vorjahren. Kein deutscher Wissenschaftsminister hat konstant so schlechte Notenwerte. Alles Zufall? Alles ohne Aussagekraft? Wenn man einen Sumpf trockenlegen will, darf man nicht die Frösche fragen? Oder verhält es sich nicht doch eher so, dass dieses Stimmungsbild nur das Urteil bestätigt, das viele Beobachter des föderalen Wettbewerbs sine ira et studio schon seit geraumer Zeit fällen: Hamburgs Wissenschaftssenator führt das Feld von hinten an.

Merkwürdiges tut sich in Bremen und im Saarland. Während Senator Lemke auf gute Zustimmungswerte kommt, scheint seine Amtsnachfolgerin überhaupt keine positive Resonanz hervorzubringen. Spiegelverkehrt die Lage im Saarland: Der ehemalige Minister in der Abstiegszone, der neue Minister Rippel gelangt gleich beim ersten Anlauf aufs Treppchen (Platz 3).

Das Mittelfeld wird vom Freistaat Bayern angeführt und reicht bis zum Nachbarland Baden-Württemberg. Minister Frankenberg werden die vier baden- württembergischen Elitehochschulen ebenso wenig gutgeschrieben wie Minister Pinkwart das nordrhein-westfälische Hochschulfreiheitsgesetz. Hervorzuheben ist, dass fast alle neuen Bundesländer überdurchschnittlich gut abgeschnitten haben. Von bemerkenswerter Konstanz zeugt die Mittellage der Bundesministerin (3,6 und 3,8 in den Vorjahren), wobei dieses Ergebnis wegen der hohen Zahl von Abstimmungen (über 2 600) größere Aussagekraft hat.

Der zweimalige "Minister des Jahres", Professor Zöllner, musste sich in diesem Jahr mit Platz 6 begnügen - immerhin das beste Ergebnis für Berlin, seit es dieses Ranking gibt. Wie sähe das Ergebnis ohne den kritikwürdigen Filetierungsvorschlag einer Berliner Superuniversität aus?

Der Titelverteidiger, Professor Olbertz, musste sich in diesem Jahr knapp seiner Amtskollegin aus dem Nachbarland Brandenburg geschlagen geben. Wissenschaftsministerin des Jahres 2008 ist Johanna Wanka - mit der bislang noch nie erreichten Traumnote von 2,2. Der Weg zur Spitze führte über den 6. Platz 2005 (mit der Note 4,1) und zwei (undankbaren) vierten Plätzen in den Jahren 2006 und 2007. Beharrlichkeit zählt die Ministerin des Jahres zu ihren Charaktereigenschaften ("F & L"-Fragebogen 12/2005). Was der Universität am meisten fehle, beantwortet sie mit "das Vertrauen der Gesellschaft in ihre Leistungsfähigkeit". Auf eine solche Eingebung wartet die Hamburgische Staatsregierung noch heute.


Johanna Wanka ist beim DHV-Ministerranking zur Ministerin des Jahres 2008 gewählt worden


Aus Forschung und Lehre :: März 2008

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