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Kein fairer Wettbewerb

Der Markt für private Spenden und Sponsoren wird zunehmend härter. Was bedeutet das für die Zukunft der privaten Hochschulen? Wie wirkt sich die Finanzkrise aus? Bedeutet das Ende der International University Bruchsal einen Imageschaden für die Privathochschulen? Fragen an Wolfram Hahn, Geschäftsführer des Verbandes der Privaten Hochschulen.

Kein fairer Wettbewerb© Verband der Privaten Hochschulen e.V.Prof. Dr. Wolfram Hahn, Geschäftsführer des Verbandes der Privaten Hochschulen e.V.
Forschung & Lehre: Als die International University Bruchsal endgültig die Pforten schloss, musste Ihr Verband da einen Imageschaden für die gesamte Branche befürchten?

Wolfram Hahn: Hochschulen in freier Trägerschaft sind Hochschulen und Unternehmen zugleich. Sie erhalten - von wenigen Ausnahmen abgesehen - im Gegensatz zu Privatschulen keine staatlichen Zuschüsse zu ihrem Betrieb, obwohl auch sie den Staat entlasten. Sie sind für die akademische Qualität ebenso verantwortlich wie für den unternehmerischen Erfolg. Tritt dieser nicht ein, etwa wegen mangelnder Kundenorientierung, dann kann das damit verbundene unternehmerische Risiko zur Betriebseinstellung der Hochschule führen. Natürlich ist das nicht gut für das in Deutschland im Vergleich zu vielen europäischen Nachbarn noch wenig ausgebaute Privathochschulsystem, aber von einem Imageschaden kann man sicher nicht sprechen. Wichtig ist, dass der Studienabschluss der immatrikulierten Studierenden gesichert ist. Im Falle der International University in Bruchsal (IUB) werden viele Studierende das Studium an einer anderen Mitgliedshochschule des Verbandes der Privaten Hochschulen (VPH) fortsetzen. Wir bedauern die Schließung der IUB und den damit verbundenen Verlust von Arbeitsplätzen. Gleichzeitig sehen wir deutschlandweit zahlreiche Neugründungen freier Hochschulen und freuen uns als Verband darüber, dass wir neue Mitglieder begrüßen können.

F&L: Wie wirkt sich die Finanzkrise auf die privaten Hochschulen aus?

Wolfram Hahn: Eine aktuelle Umfrage des VPH hat ergeben, dass die derzeitige Wirtschaftskrise keine Auswirkungen auf unsere Mitgliedshochschulen hat. Im Gegenteil, die Nachfrage nach Studienplätzen bleibt konstant und steigt bei 40 Prozent der befragten Hochschulen sogar an.

F&L: Anlässlich der Gründung des Verbandes der Privaten Hochschulen im Jahr 2004 wurde mehr Fairness im Wettbewerb mit den öffentlich-rechtlichen Hochschulen gefordert. Was lief bisher nicht fair?

Wolfram Hahn: Der VPH setzt sich für die Autonomie der Hochschulen, für hohe Qualitätsstandards und für einen fairen Wettbewerb der Hochschulen um finanzielle Ressourcen sowie um die besten Studierenden und Lehrenden ein; er fordert dafür auch die entsprechenden Rahmenbedingungen. Das Postulat eines fairen Wettbewerbs und der Chancengleichheit ist nach wie vor aktuell. Positiv hervorzuheben sind hier die Landesregierungen von Baden- Württemberg und Nordrhein-Westfalen, die sich bei der Schaffung neuer Studienplätze auch von nichtstaatlichen Hochschulen finanziell beteiligt haben. Aber es gibt nach wie vor nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung privater Hochschulen.
F&L: Können Sie Beispiele nennen?

Wolfram Hahn: Beispielsweise bei den Leistungen nach dem Investitionsförderungsgesetz im Rahmen des Konjunkturpaketes II. Obwohl das Bundesgesetz ausdrücklich die "Trägerneutralität" bei der Antragsstellung vorsieht, verwenden die Länder die bereitgestellten Mittel ausschließlich für ihre staatlichen Hochschulen. An dem von der KMK und dem Stifterverband ausgelobten Wettbewerb "Exzellenz in der Lehre", der überwiegend mit öffentlichen Geldern dotiert ist, sind nur staatliche Hochschulen oder Hochschulen in freier Trägerschaft, soweit sie überwiegend staatlich gefördert sind, zugelassen. Bei der Beantragung von öffentlichen Projektmitteln für Forschungsvorhaben gibt es in einzelnen Fällen keine Reaktion; gelegentlich ist zu hören, Privathochschulen seien nicht antragsberechtigt.

F&L: Der Markt für private Spenden und Sponsoren wird zunehmend härter. Auch immer mehr staatliche Hochschulen werben um Gelder aus der Wirtschaft: Was bedeutet das für die Zukunft der privaten Hochschulen?

Wolfram Hahn: Private Hochschulen werden häufig mit dem Vorurteil konfrontiert, sie hätten ja Geld, weil sie privat seien. Das Einwerben von Spenden und die Gewinnung von Sponsoren ist bei ihnen "Chefsache". Sie werden sich künftig noch mehr anstrengen und dafür werben müssen, dass gerade privatwirtschaftlich geführte Hochschulen und ihre Studierenden geeignete Adressaten privater Förderung sind. Dabei können sie auf die Alleinstellungsmerkmale des von der Privatinitiative geprägten Studienmodells verweisen.

F&L: Sieht man einmal von den spektakulären Millionenspenden einiger deutscher Unternehmer ab: Sind Sie mit dem Engagement der Wirtschaft zufrieden?

Wolfram Hahn: Das in Einzelfällen bemerkenswerte Engagement der Wirtschaft für den nichtstaatlichen Hochschulsektor und für Bildung und Wissenschaft überhaupt könnte - nach Überwindung der derzeitigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten - gesteigert werden, wenn die Rahmenbedingungen in Deutschland insbesondere im Stiftungs- und Steuerrecht auf den Stand anderer Industriestaaten gebracht werden. Private Hochschulen setzen auf eine stärkere ertragswirksame Zusammenarbeit mit Unternehmen bei der Ausbildung von Fach- und Führungskräften und bei der wissenschaftlichen Weiterbildung. Der erwartbare Mangel an qualifizierten Nachwuchskräften, aber auch die Weiterqualifizierung berufserfahrener Hochschulabsolventen wird zu einem stärkeren Engagement der Wirtschaft in den Privathochschulen mit ihrer flexiblen, marktnahen und effizienten Studienorganisation führen.


Aus Forschung und Lehre :: Oktober 2009

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