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Kein Outbreak: Risiko Virenforschung

Von Harro Albrecht

Ein Ebola-Unfall in Hamburg zeigt, wie riskant die Virenforschung ist.

Kein Outbreak: Risiko Virenforschung© Monika Wisniewska - iStockphoto.comElektronenmikroskopische Aufnahme eines Ebola-Virus'
Das Missgeschick geschah im Hochsicherheitslabor des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg. Eine Biologin stach sich am Donnerstag vergangener Woche eine Kanüle durch ihre drei übereinandergestreiften Schutzhandschuhe - ein Allerweltsunfall, wie er in deutschen Kliniken täglich passiert. In dieser Spritze aber schwamm das gefürchtete Ebola-Virus vom Typ Zaire, das bis zu 90 Prozent der Infizierten tötet. Die Wissenschaftlerin hatte gerade Versuche an Mäusen durchgeführt.

Noch am selben Tag berieten sich die Kollegen per Telekonferenz mit amerikanischen Wissenschaftlern und fassten einen Entschluss: Die Biologin sollte als weltweit erster Mensch einen neuen Impfstoff gegen Ebola erhalten. Innerhalb von 48 Stunden wurde das Serum aus dem kanadischen Winnipeg eingeflogen. Nach einer anfänglichen Impfreaktion mit Fieber und Gelenkschmerzen zeigte die Biologin (bis zum Redaktionsschluss am Dienstagabend) glücklicherweise keine weiteren Symptome.

Die Reaktion der Tropenmediziner war professionell und blitzschnell. Doch sollte man in einer Großstadt mit gefährlichen Erregern forschen? »Es ist kaum vorstellbar, dass so ein Virus aus dem Labor entkommen kann«, sagt Stephan Günther, der leitende Virologe des BNI. Außerdem sind Menschen erst dann infektiös, wenn sie Symptome zeigen. Es bestand also zu keiner Zeit eine Gefahr für die Bevölkerung. Forscher, die auf der Suche nach einem Mittel gegen die tödliche Seuche Ebola sind, wissen um ihr Restrisiko.

Aus DIE ZEIT :: 19.03.2009

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