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Mit Dr. House im Hörsaal

Protokolle: Jan-Martin Wiarda

Sechs Professoren erzählen, wie Filme, Fernsehserien und Werbung ihre Lehre verbessern

Mit Dr. House im Hörsaal© Martin Schumann - Fotolia.comFutter für die Vorlesung: Mit Material aus Film, Fernsehen und Werbung wird die Theorie eingefangen.

Elias Jammal, 55, Professor für Interkulturelle Studien an der Hochschule Heilbronn

Selbstreflexion gehört nicht zu den Stärken angehender Betriebswirte - vorsichtig ausgedrückt. Dabei wird unser ganzes Leben geprägt von den Rollenerwartungen, die wir an andere stellen und sie an uns. Ich könnte in meiner Veranstaltung »Vergleichende Verhaltenswissenschaft«, Pflichtprogramm für Wirtschaftswissenschaftler, mit den Studenten ewig darüber philosophieren, was solche Rollenerwartungen für unser Verhalten bedeuten, ich kann ihnen aber auch Ausschnitte aus dem Film Das Experiment vorführen. Der beschreibt eine höchst unmoralische Versuchsanordnung... weiter

Matthias Sellmann, 43, Professor für Pastoraltheologie an der Ruhr-Universität Bochum

Kennen Sie diese Baumarktwerbung? Zwei Typen werkeln an einem Holzhaus. Der eine hält den Türrahmen fest, der andere setzt den Bohrer an und erwischt auch die Hand seines Kollegen. Der Verletzte schaut kurz durch das Loch in seiner Hand, wischt sie sich ab - und weiter geht's. Dann der Claim: »Das Einzige, was beim Projekt zählt: das Projekt.« Meine Studenten meinen manchmal, ich hörte die Flöhe husten, ich aber glaube, das ist ein direktes Bibelzitat: Jesu Hände, die am Kreuz durchbohrt wurden... weiter

Hubert Zitt, 46, Professor für Informatik an der FH Kaiserslautern

Theoretisch ist das mit dem Beamen ganz einfach. Man scannt einen Menschen von oben bis unten, bildet so seinen Bauplan aus Ele mentar teil chen ab. Dann wandelt man die Ele mentar teil chen in Energie um, verschickt sie zu sammen mit dem Bauplan und setzt den Menschen anderswo wieder zusammen. Wenn ich meinen Studenten oder interessierten Laien Sequenzen aus der legendären Science-Fiction-Serie Star Trek zeige, möchte ich sie inspirieren... weiter

Margit Szöllösi-Janze, 52, Professorin für Neuere Geschichte an der Universität Köln

Wenn ich Ausschnitte aus Heimatfilmen zeige, merken meine Studierenden zuerst nicht, dass sie es mit historischen Quellen ersten Ranges zu tun haben. Waldwinter von 1956 zum Beispiel erzählt, wie die soziale Marktwirtschaft der frühen Bundesrepublik in ein Dorf von Vertriebenen einzieht. Zu Beginn werden verschiedene Modelle kapitalistischen Wirtschaftens gezeigt: der verbrecherische Ausbeuterkapitalismus, eine vormoderne patriarchalische Wirtschaftsweise, sogar die Unternehmensgründung durch eine Frau. Sie alle gefährden die ökonomische Fortexistenz des Dorfes... weiter

Tobias M. Böckers, 45, Professor für Anatomie an der Universität Ulm

Dr. House ist wie geschaffen für eine Medizinvorlesung. Gregory House ist ein genialer, auf den ersten Blick menschenfeindlicher Experte für das Erkennen ungewöhnlicher Krankheiten. Meine Lieblingsfolge heißt Drei Beine, in ihr muss House zu seinem Unwillen selbst eine Vorlesung halten. Er erzählt seinen Studenten von drei früheren Patienten, die alle unter einem Beinproblem litten. Der eine hatte einen Schlangenbiss, der zweite eine Zerrung, dem dritten tat einfach der Muskel weh...weiter

Stefan Machura, 47, Lecturer für Rechtssoziologie an der Universität Bangor

In meinem Fach trifft sich die juristische Definition dessen, was Recht oder Unrecht ist, mit dem Alltagsempfinden der Menschen. Weil sich das abstrakt anhört, lasse ich mir gern von Humphrey Bogart helfen: Sahara, eigentlich ein vorurteilsbeladener Streifen, verdeutlicht die drei Formen der Verteilungsgerechtigkeit. Bogart spielt darin einen US-Pan zer kommandanten in Nordafrika, der über das Schicksal eines italienischen Gefangenen entscheiden muss... weiter

Aus DIE ZEIT :: 07.01.2010

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