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Mobilität und Forschungsförderung

Von Ulrike Eickhoff

Wie reagiert die Forschungsförderung auf die zunehmende Mobilität von Wissenschaftlern - ein Überblick über Förderangebote und -praxis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Mobilität und Forschungsförderung© fredfroese - iStockphoto.comFörderangebote unterstützen die zunehmende Mobilität von Wissenschaftlern
Wenn es um die Chancen und Grenzen der wachsenden internationalen Mobilität von Wissenschaftlern geht, dann ist, insbesondere in den Universitätsverwaltungen, oft nur von den sozial- und versorgungsrechtlichen Hindernissen die Rede, die dieser Mobilität im Wege stehen. In der Politik wiederum wird die Mobilität in Wissenschaft und Forschung vor allem mit Blick auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Universitäten diskutiert. Weniger beachtet wird dagegen, ob und wie sich diese Mobilität auch auf die Forschungsförderung auswirkt und wie die Akteure der Forschungsförderung auf sie reagieren. Dabei sind die Auswirkungen vielfältig, und ebenso die Reaktionen der Förderorganisationen. Das zeigt sich vor allem bei der DFG als der zentralen Forschungsförderorganisation in der universitären Grundlagenforschung.

Die DFG geht dabei von ebenso einfachen wie weitreichenden Grundannahmen aus: Wissenschaft und Forschung werden immer internationaler, immer mehr Themen können nur in grenzüberschreitenden Kooperationen erfolgversprechend bearbeitet werden. Die Zusammenarbeit der besten Forscher der Welt muss ermöglicht werden, da die deutsche Forschungslandschaft sich weiter internationalisieren muss. Die DFG fördert die internationale Zusammenarbeit deshalb auf verschiedenen Wegen: durch Repräsentanzen und Verbindungsbüros im Ausland, durch Förderung von Kooperationen zwischen Forschenden verschiedener Länder - und eben durch die Förderung der Mobilität von Forschern einzeln oder in Kooperationen.

Dabei muss man unterscheiden zwischen der Förderung der Mobilität von Deutschland ins Ausland und umgekehrt vom Ausland nach Deutschland. Eine etablierte Förderlinie ist die Linie "Money follows scientist", bei der die Fördermittel mitgegeben werden beziehungsweise mitgenommen werden können, wenn der Projektleiter eines bewilligten Projektes an eine ausländische Forschungseinrichtung wechselt. Voraussetzungen dafür sind Gegenseitigkeitsvereinbarungen mit einer Partnerorganisation in dem jeweiligen Land und eine Restlaufzeit des Projekts von mindestens sechs Monaten. Bei bewilligten und noch nicht begonnenen Projekten werden Mittel nur für das erste Jahr mitgegeben. Diese Regelungen gelten in den DACH-Ländern, also in Deutschland, Österreich und der Schweiz und in den 27 Mitgliedsstaaten der EUROHORCs. Von 2005 bis Ende 2009 gab die DFG in 295 Fällen Mittel ins Ausland mit. Bei dem Großteil dieser Projekte handelte es sich um Einzelanträge. Die meisten Mitgaben erfolgten in die Schweiz (83 Projekte), nach Großbritannien (72 Projekte) und Österreich (57 Projekte).

Eine etablierte Form der Förderung der Mobilität Forschender ist auch das Forschungsstipendium der DFG, das einen Forschungsaufenthalt im Ausland für maximal zwei Jahre für Postdocs finanziert. Auch das Heisenberg-Stipendium wird für die Förderung der Mobilität ins Ausland genutzt. Seit 2005 sind 152 Auslandsaufenthalte von Heisenberg- Stipendiaten finanziert worden, davon 48 in den USA, 25 in Großbritannien, 19 in Frankreich, zehn in Australien und neun in der Schweiz. Die Mobilität nach Deutschland gestaltet die DFG insbesondere durch eine offene Antragsberechtigung für Forschende aus dem Ausland. Sie können in allen Programmen Mittel beantragen, sobald sie eine Anstellung an einer wissenschaftlichen Einrichtung in Deutschland vorweisen können, unabhängig von der Nationalität oder dem Ausbildungsweg. Zusätzlich können sie die eigene Stelle beantragen, wenn eine wissenschaftliche Einrichtung in Deutschland erklärt, dass sie den Wissenschaftler im Falle einer Finanzierung durch die DFG einstellt.


Ein anderes wichtiges Mittel für die Förderung der Mobilität zurück nach Deutschland sind die Rückkehrstipendien, die für eine Dauer von sechs Monaten vergeben werden können, und zwar an eine deutsche Forschungseinrichtung. Es genügt ein formloser Antrag, wenn ein durch die DFG finanziertes Stipendium und die Erklärung einer deutschen Forschungseinrichtung über entsprechende Arbeitsmöglichkeiten für den fraglichen Zeitraum vorliegen. Von diesem Angebot machen circa zehn Prozent der Stipendiaten Gebrauch. Das jüngste Instrument der grenzüberschreitenden Förderung von Mobilität der Wissenschaftler ist das "Lead Agency-Verfahren". Mit ihm werden Begutachtungsverfahren für Forschungsprojekte in Deutschland, Österreich, der Schweiz und neuerdings auch in Luxemburg unilateral verwaltet und gegenseitig anerkannt. Diejenige Organisation, bei der der Schwerpunkt der Antragstellenden liegt, übernimmt den sog. Lead und damit die Verantwortung für die Begutachtung. Die anderen beteiligten Organisationen übernehmen die Begutachtung der Lead Agency und finanzieren ihren Anteil selbst mit. Es bleibt aber bei einer getrennten Finanzierung der Projekte.

Für die internationale Forschungsförderung ist insbesondere die Förderung von Kooperationen wichtig. Erwähnt, aber an dieser Stelle nicht näher erläutert werden, sollten die internationalen Graduiertenkollegs und die internationalen Transregios der DFG; aber auch die ERA-Nets und die Eurocores leisten einen wichtigen Beitrag für die grenzüberschreitende Wissenschaftskooperation aus Sicht der Wissenschaftsförderung. Zusätzlich gibt es Vielzahl von einzelnen Kooperationen die im Rahmen von gesonderten Ausschreibungen erfolgen, zum Beispiel mit der Agence Nationale de la Recherche (ANR), dem Economic and Social Research Council (ESRC), der National Science Foundation (NSF), der National Natural Science Foundation of China (NSFC), der Russian Foundation for Basic Research (RFBR), der Indian National Science Academy (INSA) und anderen mehr. Darüber hinaus fördert die DFG Kooperationen durch bilaterale Kooperationsanbahnung. Diese ermöglicht den Aufbau und die Stärkung von wissenschaftlichen Kooperationen mit ausländischen Partnern, und zwar indem verschiedene kombinierbare Module gewählt werden können, so zum Beispiel Vorbereitungsreisen, Kooperationsaufenthalte, bilaterale Veranstaltungen. Alles dies sind Maßnahmen, um die Mobilität der Wissenschaftler zu fördern und ihnen grenzüberschreitendes Forschen zu ermöglichen.


Über den Autor
Dr. Ulrike Eickhoff leitet die Stabsgruppe "Qualitätssicherung und Verfahrensentwicklung" in der Geschäftsstelle der DFG in Bonn.

Aus Forschung und Lehre :: Januar 2010

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