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Networking als Karrierefaktor

Von Dr. Margarete Hubrath

Akademiker rümpfen gerne die Nase, wenn Kollegen engagierte Netzwerker sind. Dabei verkennen sie eines: Auch in der Wissenschaft ist Vitamin B das A & O für eine erfolgreiche Karriere.

Networking als Karrierefaktor© somadjinn - stock.xchng
Klug und fleißig zu sein alleine reicht nicht aus, um auf der Karriereleiter ganz oben zu landen. Das gilt nicht nur in der Wirtschaft, sondern trifft genauso auf die Wissenschaft zu, wie eine Studie der Universität Halle belegt. Demnach bestimmen - neben Leistung und Produktivität - vor allem Kooperations- und Netzwerkbeziehungen den Verlauf von Hochschulkarrieren*. Etwa fünf Jahre nach der Promotion ist - so die Hallenser Studie - die produktive Leistung in Form von Publikationen nicht mehr allein entscheidend dafür, ob jemand eine Professur bekommt. Wer gut vernetzt in Kooperationsbeziehungen forscht und arbeitet, der erhöht seine Aussichten, auf eine Professur berufen zu werden, um den Faktor 3. Welche Regeln gelten aber für "Netzwerken" in der Wissenschaft und welche Handlungsstrategien haben sich bewährt?

Netzwerke knüpfen - einige Regeln für den Umgang miteinander

1. Verwechseln Sie Netzwerken niemals mit Seilschaften
Dabei handelt es sich um völlig unterschiedliche Angelegenheiten. Seilschaften dienen dazu - meist ganz unabhängig von erfolgter Qualifikation und Leistung - bestimmte Personen in ganz bestimmte Schlüsselpositionen zu bringen. Der Versorgungsaspekt sowie Machterhalt spielen hierbei häufig eine herausragende Rolle. Das Ganze ist ein closed shop, der von vornherein nur ganz bestimmten Personen zugänglich ist. Netzwerke hingegen basieren auf einen freiwilligen Zusammenschluss und dem Prinzip der Gegenseitigkeit. Sie funktionieren erfreulicherweise in vertikaler wie in horizontaler Richtung.

2. Machen Sie sich das Prinzip von Geben und Nehmen zu Eigen
Lassen Sie andere an Ihren Erfolgen und Kontakten partizipieren. Geben Sie gerne, jedoch ohne leichtsinnig zu sein. Fragen Sie bei anderen um Rat und Unterstützung nach. Und: Bedanken Sie sich, wenn Sie Hilfe oder Informationen bekommen. Höflichkeit, Zuverlässigkeit und echte Wertschätzung sind wichtige Faktoren beim Netzwerken.

3. Lassen Sie sich und Ihren Netzwerkpartnern Zeit, sich kennen zu lernen
Gute Netzwerke entstehen nicht von heute auf morgen, sondern brauchen Zeit und müssen langfristig gepflegt und gestaltet werden. Beginnen Sie folglich frühzeitig mit dem Aufbau Ihres Netzwerkes und nicht erst kurz vor Abgabe der Habilschrift.

4. Überlassen Sie Ihre Kontakte nicht dem Zufall, sondern setzen Sie sich konkrete und realistische Ziele
Das erfordert eine kleine Standortbestimmung: Wo stehen Sie gerade beruflich und was möchten Sie erreichen? Welche Unterstützung können Sie dabei benötigen? Und - nicht zu vergessen: Was können Sie im Gegenzug anbieten?

5. Schielen Sie nicht nur auf die ganz großen Kontakte
Horizontale Kontakte sind ebenso wertvoll wie vertikale. Bedenken Sie bei Ihren Netzwerkplänen auch die eigene Qualifikation und greifen Sie nicht zu hoch. Es ist ausgesprochen anstrengend und oft auch vergeblich, als Doktorand/in im Alleingang zu versuchen, auf einer Tagung mit einer mächtigen Person aus dem eigenen Fach ins Gespräch zu kommen. Interessante Forscher/innen stehen nie alleine herum, sondern sind meist im Gespräch mit anderen. Knüpfen und pflegen Sie lieber Kontakte mit anderen Doktorand/inn/en und Post-Docs; und vielleicht werden Sie auf der Folgetagung im nächsten Jahr durch einen Kollegen vorgestellt.

6. Konzentrieren Sie sich auf gemeinsame Ziele und Synergieeffekte
Sie müssen sich nicht lieben und auch nicht in allen weltanschaulichen Fragen übereinstimmen, um gut und erfolgreich miteinander zu kooperieren. Netzwerke basie-ren zwar auf grundsätzlicher Sympathie und Wertschätzung, sind aber keine Kuschelecken.

7. Arbeiten Sie an Ihren kommunikativen und sozialen Kompetenzen
Netzwerke funktionieren über Begegnungen mit anderen Menschen und den gegenseitigen Austausch. Die viel zitierte emotionale Intelligenz spielt hierbei eine ausschlaggebende Rolle, ob und wie Sie bei Ihrem Gegenüber ankommen. Entwickeln Sie Ihre kommunikativen Fähigkeiten, beachten Sie die feinen Unterschiede der verschiedenen Gesprächsarten und -situationen. Werden Sie sensibel für die Bedürfnisse der anderen. Sprechen Sie über sich und hören Sie aufmerksam zu, wenn andere Ihnen etwas erzählen.

8. Learning-by-doing
Diese Regel gilt ganz besonders für erfolgreiches Networking. Schlaue Bücher darüber zu lesen, reicht bei weitem nicht aus, um ein gutes Netzwerk aufzubauen. Deshalb: Nutzen Sie jegliche Gelegenheit, mit Kollegen und Kolleginnen in Kontakt zu kommen. Werden Sie Mitglied in den Fachgesellschaften Ihrer Disziplin. Besuchen Sie Vorträge, Tagungen und Kolloquien. Engagieren Sie sich in den Gremien und Kommissionen Ihrer Hochschule.


* Frieder R. Lang, Franz J. Neyer: Kooperationsnetzwerke und Karrieren an deutschen Hochschulen - Der Weg zur Professur am Beispiel des Faches Psychologie. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 56/2004, S. 520-538.

uni-support / Institut für Hochschulberatung, Düsseldorf

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