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Elias Jammal: Professor für Interkulturelle Studien

Protokoll: Jan-Martin Wiarda

Professoren erzählen, wie Filme, Fernsehserien und Werbung ihre Lehre verbessern.

Mit Dr. House im Hörsaal - Jammal Elias Elias Jammal (55) ist Professor für Interkulturelle Studien an der Hochschule Heilbronn
Selbstreflexion gehört nicht zu den Stärken angehender Betriebswirte - vorsichtig ausgedrückt. Dabei wird unser ganzes Leben geprägt von den Rollenerwartungen, die wir an andere stellen und sie an uns. Ich könnte in meiner Veranstaltung »Vergleichende Verhaltenswissenschaft«, Pflichtprogramm für Wirtschaftswissenschaftler, mit den Studenten ewig darüber philosophieren, was solche Rollenerwartungen für unser Verhalten bedeuten, ich kann ihnen aber auch Ausschnitte aus dem Film Das Experiment vorführen.

Der beschreibt eine höchst unmoralische Versuchsanordnung: Die eine Hälfte der Probanden wird per Zufallsgenerator zu Gefangenen bestimmt, die andere Hälfte zu Wärtern. Es ist frappierend, zu beobachten, wie rasch sich die Beteiligten in ihre Rollen einfinden: Die vermeintlichen Gefangenen werden zu unterwürfigen Opfern, die Wärter zu schikanierenden Tyrannen. Zwischen den Ausschnitten lasse ich meine Studenten über ihre eigenen Rollen nachdenken.

Was wird von ihnen erwartet werden, wenn sie eines Tages Vorgesetzte sind? Was werden ihre Freunde von ihnen wollen, was ihre Familien? Wir reden über die Konflikte, die sich aus mehreren Rollen ergeben können, und darüber, was passiert, wenn man gegen Erwartungen aufbegehrt. Im Film verkörpert Moritz Bleibtreu den Gefangenen 77, der nicht mehr mitmachen will, sich gegen die Ordnung stemmt. Das Experiment endet in einer Katastrophe. Im wirklichen Leben passiert das hoffentlich nie. Aber gerade die Finanzkrise hat gezeigt, wie wichtig es ist, dass Wirtschaftsexperten ihre Rolle reflektieren und sie umsichtig und ethisch ausfüllen.

weiter: Matthias Sellmann, Professor für Pastoraltheologie

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Aus DIE ZEIT :: 07.01.2010

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