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Professor Rolf-Dieter Heuer ist ab 2009 neuer Chef des CERN in Genf

 

Ein Interview mit Professor Rolf-Dieter Heuer, Direktor am Deutschen Elektronen- Synchrotron (DESY) in Hamburg, ist ab 2009 neuer Chef des europäischen Teilchenforschungszentrums CERN in Genf.

Professor Rolf-Dieter Heuer ist ab 2009 neuer Chef des CERN in Genf© Maximilien Brice - CERNProfessor Rolf-Dieter Heue
Sie sind bald für die größte Forschungsmaschine der Welt verantwortlich. Forschen Sie eigentlich noch selbst oder sind Sie damit Forschungsmanager geworden?

Als Generaldirektor ist man mehr Manager und Repräsentant des Forschungszentrums. Aber ich möchte trotzdem so nah wie möglich teilhaben an den spannenden Ereignissen und Erkenntnissen der nächsten Zeit. Meine Motivation bekomme ich nach wie vor durch die Forschung selbst und die großen Fragen, die dahinter stehen.

Was erhoffen Sie sich davon, den Anfang unseres Universums zu simulieren?

Das Standardmodell der Teilchenphysik erklärt den Mikrokosmos und das gesamte sichtbare Universum mit wenigen Elementarteilchen und Kräften. Das sind aber nur etwa fünf Prozent des Universums. Über die anderen 95 Prozent können wir noch nicht viel sagen. Ich erhoffe mir, dass der LHC Licht in dieses "Dunkle Universum" bringt.

Schon Goethes "Faust" strebte nach dem Wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Wieweit ist der Mensch überhaupt in der Lage zu begreifen? Woran könnte er wie "Faust" scheitern?

Wir stehen meiner Meinung nach am Beginn einer Zeit, in der sich immer deutlicher die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Forschungsfeldern und Weltbildern aufzeigen. Deshalb bin ich überzeugt davon, dass die Menschen durch das Erkennen dieser Zusammenhänge die Welt immer besser begreifen können. Gerade dies strahlt natürlich eine riesige Faszination aus, die den Menschen schon immer gelockt hat, auch Faust. Wir aber verkaufen nicht unsere Seele, sondern gehen sehr systematisch und besonnen bei unseren Experimenten vor. Der Mensch ist zwar von Natur aus neugierig, aber nicht um jeden Preis.

Aus Forschung und Lehre :: Dezember 2008

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