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Promovieren mit System: Die strukturierte Promotion

Von Sabine Olschner

Eine strukturierte Promotion bietet ein festes Curriculum mit individueller Betreuung, eine festgelegte Laufzeit mit geregelter Finanzierung. Das Angebot strukturiert zu promovieren ist in Deutschland groß - ein Überblick.

Promovieren mit System - strukturierte Programme in Deutschland© René Mansi - iStockphoto.comDie strukturierte Promotion ist eine Alternative zur traditionellen Promotion
Doktoranden, die ein strukturiertes Promotionsprogramm gewählt haben, sind deutlich im Vorteil. Sie werden während der gesamten Promotionszeit vielseitig unterstützt. Für ausländische Promovenden ein Mehrwert, denn sie bekommen Hilfe bei Alltagsproblemen, wie Wohnungssuche oder Eröffnung eines Bankkontos, über die Organisation gemeinsamer Freizeitaktivitäten bis hin zu einer intensiven Betreuung durch die Hochschule. Vorteil in Deutschland: Doktoranden werden von Professoren eher als Kollegen und Wissenschaftler denn als Studierende angesehen - das hat positive Auswirkungen sowohl auf die Forschungsarbeit als auch auf den Umgang untereinander.

Beste Voraussetzungen in strukturierten Programmen

Viele Lehrveranstaltungen finden auf Englisch statt - wobei es nicht schaden kann, Deutsch zu lernen, um Kontakte zu deutschen Kollegen zu knüpfen. Während Doktoranden, die sich auf eigene Initiative einen Doktorvater suchen, oft Einzelkämpfer sind, wird in strukturierten Programmen viel Wert auf Teamarbeit und Praxisbezug gelegt: Man arbeitet häufig an gemeinsamen Forschungsprojekten und kann sich dadurch mit anderen Doktoranden und Betreuern austauschen. Hinzu kommt eine im Vergleich zu anderen Ländern oftmals exzellente technische Ausstattung für optimale Arbeitsbedingungen. Meist stehen einem Doktoranden mehrere Betreuer zur Seite. Neben fachlichen Inhalten vermitteln strukturierte Programme auch Schlüsselkompetenzen wie Präsentationstechniken oder wissenschaftliches Schreiben. Und nicht zuletzt zeichnen sich die Programme in Deutschland dadurch aus, dass sie in sehr kurzer Zeit zur Promotion führen: In der Regel hat man bereits nach drei bis vier Jahren seinen Doktortitel in der Tasche. Zum Vergleich: In den USA werden fünf bis acht Jahre für die Promotion benötigt, in Großbritannien liegt der Schnitt bei drei bis fünf Jahren. Dadurch sparen Doktoranden in Deutschland Zeit, Nerven und vor allem Geld. Denn die Finanzierung in strukturierten Programmen ist geregelt, Doktoranden sind grundsätzlich von Studiengebühren befreit und die Gebühren des Programms werden über Stipendien finanziert - auch das ist ein Standortvorteil für Deutschland.

Wege in die Promotion

In Deutschland gibt es verschiedene Möglichkeiten, ein strukturiertes Promotionsprogramm zu absolvieren:

Graduiertenkollegs der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)»
Graduiertenschulen an Hochschulen»
International Max Planck Research Schools (IMPRS)»
Promotionsstudiengänge an Universitäten (Ph.D.)»

Jedes Programm hat seine Besonderheiten: Die derzeit 283 nationalen und 53 internationalen DFG-Graduiertenkollegs sind befristete Einrichtungen der Hochschulen und stehen allen Fachgebieten offen. Die einzelnen Kollegs sind thematisch fokussiert: Wissenschaftler/-innen, die ein bestimmtes Thema abdecken, arbeiten im Rahmen eines Forschungsprojekts zusammen. Nach dem Vorbild der DFG-Graduiertenkollegs wurden in den vergangenen Jahren zudem rund 40 Graduiertenschulen gegründet, die fest in die Hochschulen integriert sind. Thematisch sind sie breiter angelegt als die DFG-Graduiertenkollegs.

Die 49 International Max Planck Research Schools (IMPRS) forschen auf innovativen Gebieten wie Molekularbiologie, Neurowissenschaften, Informatik, Demografie, Plasmaphysik und Polymerforschung. An den IMPRS sind mehrere Veranstaltungen pro Jahr fester Bestandteil des Promotionsprogramms, dazu zählen Seminare und Vorträge sowie Treffen, in denen die Doktoranden den Stand ihrer Forschungsarbeit präsentieren. Ihre Promotionsprüfung legen die ausländischen Doktoranden entweder an einer deutschen Hochschule oder an ihrer Heimatuniversität ab.

Zusätzlich bieten Universitäten Promotionsstudiengänge für angehende Doktoranden an. Die Strukturen sind ähnlich eines Studiums: Es gibt einen Stundenplan, bestehend aus Seminaren, Kursen und Diskussionsrunden. Die Doktoranden sammeln während des Promotionsstudiums Credit Points nach dem europaweit standardisierten Bewertungssystem "European Credit Transfer System" (ECTS) und werden individuell betreut. Promotionsstudiengänge haben den Vorteil, dass dadurch eine Promotion auch berufsbegleitend möglich ist.

Mehrstufige Bewerbungsverfahren

Wer sich für eines der Programme interessiert, muss ein oft mehrstufiges Bewerbungsverfahren durchlaufen. Erste Voraussetzung für die Teilnahme ist in der Regel ein Diplom- oder Master-Abschluss. Für besonders qualifizierte Studenten ist es möglich, über "Fast-Track-Programme" direkt nach dem Bachelor-Abschluss die Promotion zu beginnen. Die Bewerbungsverfahren unterscheiden sich je nach Programm. Bewerber, die sich für eine Stelle im DFG-Graduiertenkolleg interessieren, müssen begründen, warum sie genau dieses Kolleg interessant finden und welches Thema sie erforschen wollen, entscheidend sind fachliche Vorkenntnisse und eine erkennbare Motivation für die Promotion. Wer die Vorauswahl schafft, wird zu einem Vortrag eingeladen, wo das Thema vorgestellt wird. Interessenten für eine Graduiertenschule können sich direkt an die betreffende Hochschule oder Abteilung wenden. Meist werden Noten und die Beschreibung des Themas der Bachelor- beziehungsweise Masterarbeit abgefragt und Referenzen angefordert. Die Auswahl erfolgt über Interviews. Die Bewerbungsverfahren der International Max Planck Research Schools sind auf den Internetseiten der jeweiligen Einrichtungen erläutert, bei denen man sich direkt schriftlich bewirbt. Auch hier werden Interviews geführt, entweder per Telefon, vereinzelt auch persönlich. Generelle Kriterien für den Bewerbungserfolg sind bisher erbrachte Leistungen, Referenzen und das wissenschaftliche Forschungsinteresse der Bewerber.

Egal, welches Programm es werden soll: Für die Bewerbungsphase ist genügend Vorlauf einzuplanen, sie kann unter Umständen mehrere Monate dauern. Der Einsatz lohnt sich aber auf jeden Fall, vor allem für Doktoranden aus dem Ausland: Das wissenschaftliche Niveau an deutschen Hochschulen und ein deutscher Promotionsabschluss genießt im Ausland ein hohes Ansehen. Und wer über ein strukturiertes Programm seinen Doktortitel erwirbt, wird sich auch im fremden Land schnell wohlfühlen.

Quelle: academics

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