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Rektor und Wissenschaftsminister des Jahres 2010

Von Thomas Krüger und Georg Rudinger

Ob Universitäten nach innen und nach außen erfolgreich handeln, hängt maßgeblich vom jeweiligen Rektor und auch vom zuständigen Wissenschaftsminister ab. Wie bereits im vergangenen Jahr hatten die Mitglieder des Deutschen Hochschulverbandes (DHV) Gelegenheit, "ihren" Rektor und Wissenschaftsminister zu beurteilen.

Rektor und Wissenschaftsminister des Jahres 2010© Glen Jones - 123rf.comMitglieder des DHV wählen ihren "Rektor des Jahres" und "Wissenschaftsministers des Jahres"
Ende letzten Jahres hat der DHV seine Mitglieder wieder zur Wahl "Rektor des Jahres" und in dieser Form erstmalig zur Wahl des "Wissenschaftsministers des Jahres" aufgerufen(1). Insgesamt haben sich 2 679 Mitglieder beteiligt und Herrn Professor Wolfgang Schareck von der Universität Rostock zum "Rektor des Jahres 2010" und die Staatsministerin a.D. für Wissenschaft und Kunst im Freistaat Sachsen Eva-Maria Stange zum "Wissenschaftsminister des Jahres 2010" gewählt.

Das Vorgehen bei der Wahl zum "Rektor des Jahres" entsprach methodisch weitestgehend dem vorjährigen Procedere: Die Teilnehmer sollten zunächst aus einer Liste von 18 Eigenschaften die fünf wichtigsten auswählen, über die ihrer Meinung nach der Rektor ihrer Hochschule verfügen sollte. Somit kann für jede Hochschule ein eigenes Anforderungsprofil bestimmt werden. In einem zweiten Schritt bewerteten die Teilnehmer den Rektor ihrer Hochschule auf jeder der 18 Eigenschaften mit einer Schulnote von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend). Dabei bestand jedoch immer die Möglichkeit, auf Bewertung einzelner Eigenschaften zu verzichten. Diese Noten wurden dann für jede Hochschule gemäß ihrem jeweiligen Anforderungsprofil gewichtet zu einer Gesamtnote aggregiert. Abgestimmt werden konnte nur über Rektoren, die zum Beginn der Abstimmung mindestens schon 100 Tage im Amt waren und deren Amtszeit auch noch mindestens 100 Tage währte.

Für das hier vorzustellende Ranking wurden aus statistischen Gründen schließlich nur Rektoren mit mindestens 30 Voten berücksichtigt. Die Wahl des "Wissenschaftsministers des Jahres" erfolgte erstmalig nur durch die Mitglieder des DHV. Durch den elektronischen Versand eines Zugangscodes konnte sichergestellt werden, dass jede Person nur einmal für "ihren" Minister stimmen konnte. Entsprechend dem Vorgehen beim "Rektor des Jahres" sollten die Teilnehmer zunächst aus einer Liste von 25 Eigenschaften die fünf wichtigsten auswählen, über die der Wissenschaftsminister ihres Bundeslandes besonders verfügen sollte. Dann sollte der jeweilige Minister auf den 25 Eigenschaften jeweils mit Schulnoten von 1 bis 6 bewertet werden. Diese Noten wurden gemäß dem Anforderungsprofil des jeweiligen Landes gewichtet und zu einer Gesamtnote verrechnet. So wird entsprechend der föderalen Struktur der Bundesrepublik bei Bewertung für jeden Minister ein länderspezifisches Anforderungsprofil angelegt. Es konnten die aktuellen Wissenschaftsminister bewertet werden, wenn diese zum Zeitpunkt des Beginns der Befragung mindestens schon drei Monate im Amt waren. Wenn dies nicht der Fall war, sollte der Amtsvorgänger bewertet werden.

Jeder Teilnehmer konnte neben dem Rektor seiner Hochschule und dem Wissenschaftsminister seines Bundeslandes auch die Bundesministerin für Bildung und Forschung beurteilen. Auch hier sollten zunächst die fünf wichtigsten Eigenschaften bestimmt und dann die Ministerin bezüglich aller Eigenschaften bewertet werden. Die gemäß Anforderungsprofil gewichteten Bewertungen sind wieder zu einer Gesamtnote aggregiert worden. Die Eigenschaftsliste ist analog zu der Liste für die Landesminister, wenn nötig angepasst von Landes- auf Bundesebene. Daher können wir die Ergebnisse der Bundesministerin mit denen der Landesminister vergleichen und die Bundesministerin in dieses Ranking einordnen.

Die Bewertungen konnten DHV-Mitglieder online zwischen dem 10. November und 20. Dezember 2009 abgeben. Die Einladungen zur Teilnahme an den Rankings sind am 10. November vom DHV elektronisch an die 21 265 Mitglieder versandt worden, für die dem DHV eine E-Mail-Adresse vorlag. Jede Einladung enthielt ein individuelles Passwort. Durch die Nutzung von Passwörtern konnte sichergestellt werden, dass nur DHV-Mitglieder an den Umfragen teilnehmen und diese nur jeweils einmal abstimmen konnten. Dem ZEM als durchführendem Institut war aber nie bekannt, welche Personen den jeweiligen Passwörtern zugeordnet waren. Es war jedoch technisch möglich, dem DHV zurückzumelden, welche Passwörter genutzt worden waren. Der DHV konnte mit dieser Information dann Ende November und erneut Mitte Dezember gezielt nochmals die Mitglieder zur Teilnahme einladen, die bis dato noch nicht an der Befragung teilgenommen hatten. Auf die Einladungen haben 3 662 Mitglieder reagiert und mit einer Befragung begonnen. Schließlich haben 2 679 Mitglieder mindestens eine der Befragungen komplettiert.


Ergebnisse "Rektor des Jahres"

Rektor und Wissenschaftsminister des Jahres 2010
Insgesamt 2 515 Mitglieder haben den Rektor ihrer Hochschule bewertet. Für das Ranking berücksichtigen wir hier aus statistischen Gründen nur Rektoren, die mindestens 30 Bewertungen erhalten haben. Bei der letztjährigen Wahl "Rektor des Jahres" hatten wir uns zusammen mit dem DHV dafür entschieden, nur die Top 20 aufzuführen und Information zu den übrigen Positionen ausschließlich den jeweiligen Rektoraten auf Anfrage zur Verfügung zu stellen(2). Grund dafür war die (durchaus mehrfach geäußerte) Befürchtung, dass besonders schlecht bewertete Hochschulen dann auch von politischer Seite Nachteile erfahren könnten. Dies Vorgehen ist bei den Mitgliedern des DHV nicht nur auf Verständnis gestoßen. Deshalb werden dieses Jahr mehr Informationen veröffentlicht: Neben der Auflistung der zwanzig am besten bewerteten Rektoren wird für die restlichen Rektoren - wenn sie mindestens 30 Bewertungen erhalten haben - angegeben, ob diese sich im dritten (Plätze 21 bis 29) oder letzten "Viertel" (30 bis 37) befinden.

In Tabelle 1 sind die Top 20 Rektoren mit der gewichteten Gesamtnote aufgeführt. "Rektor des Jahres 2010" ist Professor Schareck von der Universität Rostock, gefolgt von Professor Koch (Universität Wuppertal) und dem Preisträger 2009 Professor Weiler (Universität Bochum). Die Platzierungen 21 bis 29 und 30 bis 37 sind nicht gesondert ausgewiesen. Die Reihenfolge der Hochschulen in diesen Blöcken ist alphabetisch. Im ersten Schritt der Bewertung wurden - wie oben beschrieben - aus einer Liste mit 18 Eigenschaften/Kompetenzen von den Teilnehmern die fünf ausgewählt, die für einen Rektor an ihrer jeweiligen Hochschule als besonders wichtig erachtet werden. In Tabelle 2 sind die 18 Eigenschaften aufgeführt. Angegeben sind jeweils die beste und schlechteste Bewertung eines einzelnen Rektors bezüglich dieser Eigenschaft, sowie die durchschnittliche Bewertung über alle Rektoren. Es zeigt sich ein relativ einheitliches Bild: Durchschnittlich werden die Rektoren mit einer guten 3 bewertet, das "Notenspektrum" reicht dabei von 1 für die besten bis 4 für die schlechtesten Rektoren. Bei der wichtigen Eigenschaft "Respekt für die Unterschiedlichkeit der Wissenschaftskulturen" wurden einzelne Rektoren sogar nur mit "mangelhaft" bewertet.

Rektor und Wissenschaftsminister des Jahres 2010
Rechts in Tabelle 2 ist aufgeführt, wie häufig im Mittel die jeweilige Eigenschaft als wichtig erachtet wurde. Die drei wichtigsten, nämlich "Führungskompetenz", "Respekt für Unterschiedlichkeit der Wissenschaftskulturen" und "Kenntnis des Universitätsbetriebes" sind jeweils von etwa der Hälfte der Teilnehmer - über alle Universitäten hinweg - ausgewählt worden. Die letzte Spalte stellt die Ergebnisse der letztjährigen Befragung dar. Es ergibt sich - über alle Hochschulen betrachtet - kaum eine Veränderung im allgemeinen Anforderungsprofil an die Rektoren.

Die Spalten "Min" und "Max" zeigen die Extreme in der Bewertung im Hochschulvergleich. So ist die Forderung nach "Respekt für die Unterschiedlichkeit der Wissenschaftskulturen" mit knapp 9 Prozent an der Medizinischen Hochschule Hannover - leicht nachvollziehbar - am schwächsten ausgeprägt. An der Universität Münster wird sie aber von fast 70 Prozent der Befragten als wichtig erachtet. Mitglieder des DHV erhalten gerne auf Anfrage an dhv@hochschulverband.de. de das spezielle Profil der Anforderungen und Erwartungen an den Rektor ihrer Hochschulen, sofern mindestens 30 Urteile vorliegen. Wenn dem ZEM diese Daten auch aus dem Vorjahr vorliegen, ist auch ein Vergleich mit 2009 aufgetragen. Sofern die Hochschule zu den Top 20 gehört, werden auch die aktuellen und ggf. vorjährigen Bewertungen mitgeteilt. Es ist leider festzustellen, dass die Teilnahmebereitschaft von der letzten zur aktuellen Befragung deutlich gesunken ist. Wir hoffen aber, dass die transparentere Darstellung auch der unteren Positionen beim Rektorenranking und das Angebot, online noch detailliertere Ergebnisse abrufen zu können, wieder mehr Mitglieder zur Teilnahme an dem Ranking 2011 bewegen kann.


Ergebnisse "Wissenschaftsminister des Jahres"

An der Wahl zum "Wissenschaftsminister des Jahres" beteiligten sich 2 264 Mitglieder. Da hier das Ranking komplett erscheinen soll, hatte wir uns - wie vorher in der Befragung mitgeteilt - aus statistischen Gründen dazu entschlossen, nur Minister mit mindestens 50 Urteilen zu berücksichtigen. Die Minister der Bundesländer Brandenburg, Bremen und Saarland bleiben leider knapp unter diesem Quorum. Die Bundesministerin wurde auf denselben bzw. vergleichbaren Eigenschaften bewertet. Es ergibt sich das in Tabelle 3 dargestellte Ranking.

Rektor und Wissenschaftsminister des Jahres 2010
"Wissenschaftsminister des Jahres" ist die sächsische Staatsministerin a.D. Dr. Eva-Maria Stange, gefolgt von ihren amtierenden Kollegen aus Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen. Die Bundesministerin Professor Annette Schavan liegt mit einer gewichteten Gesamtnote von 4,02 zwischen den Plätzen 8 (Mecklenburg-Vorpommern) und 9 (Thüringen). Insgesamt betrachtet sind die Mitglieder des DHV nur mäßig zufrieden mit ihren Wissenschaftsministern. In Tabelle 4 sind die 25 Eigenschaften und die durchschnittliche Bewertung über alle Teilnehmer zu sehen. In der Rubrik "Wichtigkeit" ist der Anteil der Teilnehmer aufgeführt, der diese Eigenschaft zu den fünf wichtigsten zählt. Die stärkste Forderung an die Landesminister ist demnach, dass diese sich für eine angemessene Finanzierung einsetzen. Durchschnittlich wird der Einsatz der Minister für eine angemessene Finanzierung nur mit einer 4 (3,98) bewertet. Über alle Urteile gemittelt am schlechtesten wird der Einsatz für eine angemessene Vergütung (4,30) bewertet. Recht positiv werden die Minister durchschnittlich nur bezüglich ihrer Identifikation mit ihrer Aufgabe (3,07) und ihrem Einsatz für einen Wissenstransfer zwischen Hochschule und Wirtschaft (3,06) bewertet, zwei Eigenschaften allerdings, die nun nicht als so wichtig angesehen werden (Platz 13 bzw. 18 von 25). Auch die zurzeit stark diskutierten Politbereiche "Bologna" und "Akkreditierung" sind aus Sicht der DHV-Mitglieder keine wichtigen Tätigkeitsfelder für die Landesminister. Die Anforderungsprofile und - bei mehr als 50 Urteilen - die Bewertungen der einzelnen Minister können Mitglieder des DHV per E-Mail unter dhv@hochschulverband.de anfordern.

Rektor und Wissenschaftsminister des Jahres 2010
Auch die Noten der Bundesministerin auf den verschiedenen Eigenschaften sind in Tabelle 4 (rechte Spalte) zu sehen. Ihr schlechtestes Ergebnis erhält die Ministerin in dem Punkt "Bologna-Politik" mit einem "Mangelhaft" (4,71), ihre besten Bewertungen für ihre Integrität (3,04) und die Identifikation mit ihrer Aufgabe (3,03). Die Initiatoren dieses Rankings sind überzeugt, dass durch die Berücksichtigung der universitäts- und landesspezifischen Anforderungsprofile - eher also im Sinne eines Ratings - eine Steuerungswirkung für die Tätigkeiten des entsprechenden Führungspersonals ausgehen kann, ja sollte. Unter diesem Aspekt hoffen wir in einem Jahr von besseren Bewertungen berichten zu dürfen!

(1) Es wird der besseren Lesbarkeit halber einheitlich von Rektor gesprochen, auch wenn einige Hochschulen die Bezeichnung Präsident verwenden. Zudem wird einheitlich die Bezeichnung Wissenschaftsminister für alle Minister bzw. Senatoren verwendet, in deren Aufgabenbereich die Hochschulen fallen. Auch andere nominellen Unterschiede zwischen den Ländern werden im Text ignoriert. Maskuline Personen- und Funktionsbeschreibungen gelten grundsätzlich immer für Männer und Frauen.

(2) Diese Möglichkeit zur selbstkritischen Analyse wurde von den Rektoren aber nur sehr selten wahrgenommen.


Über den Autor
Dr. Thomas Krüger ist Leiter des Bereichs Umfragen & Statistik am Zentrum für Evaluation und Methoden (ZEM). Er koordiniert die Durchführung von Auftragsforschung via Onlinebefragungen, das Telefonlabor mit 30 Plätzen sowie umfangreiche Papierbefragungen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Sampling- Methoden und Imputation.

Georg Rudinger leitet das ZEM und ist Professor für Methodenlehre, Diagnostik und Evaluation am Institut für Psychologie der Universität Bonn. Seine Forschungsschwerpunkte sind Längsschnitt- und Panelerhebungen und räumliche Mobilität im Kontext der demographischen Entwicklung.


Aus Forschung und Lehre :: März 2010

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