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Graduate School for Systemic Neuroscience

Von Maike Steuer

Der Weg nach Martinsried führt durch den Wald. Kiri Couchman ist ihn schon unzählige Male gefahren. Hin und zurück von der U-Bahn Haltestelle Großhadern mit dem Fahrrad zum GSN - der Graduate School for Systemic Neuroscience der LMU, welche durch die Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziell unterstützt wird.

Nicht ohne Grund wurden die Straßen im 4000-Seelen-Ortsteil von Planegg nach Forschungseinrichtungen und Astronomen benannt, denn hier geben die Lebenswissenschaften den Ton an. In Martinsried ist man stolz auf seine Doktorandenquote: Auf etwa 13 Einwohner kommt ein Doktorand. Den Schnitt könnte das große München höchstens mit seinen Kneipen toppen, würde es einer nachrechnen.

Universitäten in der Wirtschaftskrise: die Köpfe kommen© Jacob Wackerhausen - iStockphoto.comPromovieren an der Graduate School for Systemic Neuroscience

Über das Internet nach München

Seit August 2007 gehört auch Kiri Couchman zu den insgesamt über 300 Promovenden, die verteilt auf die International Max Planck Research School (IMPRS) und die Graduate School of Systemic Neurosciences (GSN-LMU) südwestlich vor den Toren Münchens Spitzenforschung betreiben. "Ich hatte im Internet eine Anzeige entdeckt, die mich neugierig gemacht hat", erzählt die 24-Jährige vom ersten Kontakt mit der deutschen Forschungslandschaft. Mit ihrem Bachelor with Honors der Australian National University bewarb sie sich für die IMPRS - und wurde nach München eingeladen. Während der Auswahlwoche lernte sie auch den PhD-Studiengang der benachbarten GSN kennen. "Mir gefielen beide Programme sehr gut, aber das der GSN passte letztlich einfach am besten zu mir und meinem Forschungsschwerpunkt", erklärt Kiri ihre Entscheidung.

Fast wie in Australien

Dank dem Zusatz: "with Honors" hinter ihrem Bachelorabschluss wurde die junge Australierin mit deutschen Masterabsolventen auf eine Stufe gestellt. Somit konnte sie direkt mit ihrer Promotion auf dem Gebiet der Neurophysiologie beginnen und die Bedeutung von Neuronen im Gehirn bei der menschlichen Wahrnehmung von Geräuschen erforschen, ohne Vorbereitungsjahr oder "Fast Track". Gestenreich und stetig lächelnd erzählt Couchman von ihrer Arbeit. Ihre Augen strahlen, während sie komplizierte Sachverhalte in möglichst einfache, für den Laien verständliche Sätze zu packen versucht. Das Promovieren in Deutschland macht ihr Spaß, so viel steht fest. Dabei hatte sie "nicht wirklich eine Vorstellung" vom mehrere tausend Kilometer entfernten Land, dass sie sich für ihre Doktorarbeit ausgesucht hatte. "Ich wusste, ich wollte nach Europa. Da war ein PhD ein einfacher Weg", erklärt sie und ergänzt: "Außerdem ist das Leben hier ähnlich wie in Australien." Ein bisschen geordneter vielleicht, mit stärkeren Hierarchien, aber ansonsten gleich. "Ich finde es schön, dass die Jahreszeiten in Deutschland so unterschiedlich sind."

Studiengang mit Schwerpunkt Forschung

Obwohl die GSN-LMU zu den strukturierten Programmen zählt, verhält es sich mit ihr wie mit Kiri Couchmans Bild von Australien und Deutschland: Ähnlich, aber nicht identisch. "Unser PhD ist als Studiengang angelegt, auch wenn die Forschung höchste Priorität hat", erklärt Alexandra Stein, "dadurch kann die GSN-LMU als überfakultäre Institution eigenständig einen PhD verleihen. Ein Privileg, das bisher nur den Fakultäten vorbehalten war." Für den Ablauf des Promotionsstudiums bedeutet das: Jeder Doktorand durchläuft während seiner Promotion parallel einen Parcours aus Feedback-Gesprächen, Seminaren und anderen Modulen, die ihn ohne Sackgassen zum Ziel führen sollen. Wer dabei feststellt, dass er sich mit einem Masterabschluss wohler fühlt, als mit dem Doktorgrad, kann jederzeit das Programm wechseln.

Die Auswahl der 25 neuen Doktoranden des nunmehr dritten Jahrgangs war radikal und hart. Nach der Sichtung aller 130 eingegangenen Online-Bewerbungen, darunter viele Inder, Chinesen und Türken, fiel die Hälfte bereits durch das Raster aus Notendurchschnitt und formalen Kriterien. Zur Auswahlwoche reisten schließlich 60 an - in der Hoffnung zum "Match" einer der Forschungsgruppen zu werden. "Es macht wenig Sinn, sich bei uns mit einem eigenen Projekt zu bewerben, da unsere Doktoranden bereits existierende Projektteams verstärken", betont Stein. Jedoch sollten die Bewerber bereits klare Vorstellungen von ihrem Forschungsbereich mit nach München bringen, das sei sehr hilfreich.

Kiri Couchman schätzt besonders die familiäre Atmosphäre unter den Doktoranden - und auch den Namen ihres Abteilungsleiters: Benedikt Grothe. "Wir kennen uns untereinander alle und Herrn Grothes Name ist in den Neurowissenschaften ein Begriff. Besonders wenn ich ab und zu an Konferenzen teilnehme und sage, in welchem Labor ich arbeite, macht das schon einen Unterschied."


Links: DFG-Video:
www.exzellenz-initiative.de/muenchen-systemic-neurosciences»
www.mcn.lmu.de»



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