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Top-Adresse für Ingenieure: RWTH Aachen

Von Sonja Pfaff

Am Lehrstuhl für Ingenieurgeologie der RWTH Aachen promovieren Studierende aus der ganzen Welt. Die Hochschule hat einen ausgezeichneten Ruf, der sich über die Grenzen Europas hinaus herumgesprochen hat.

Auf den Fluren des Instituts für Ingenieurgeologie herrscht reges Treiben. Junge Männer und Frauen eilen Richtung Besprechungsraum - viele unterhalten sich lebhaft auf Englisch. Es ist gleich 11 Uhr - Zeit für das tägliche Meeting der Promovenden. Auch Mei Dong und Hong Tian, zwei junge Bauingenieurinnen aus China, die sich schon vom Studium in Peking kennen, gehören dazu.

Alles auf Englisch

Seit fast einem Jahr leben und forschen die beiden nun in Aachen - Deutschkenntnisse hatten sie bei ihrer Ankunft nicht. Die Wissenschaftler sprechen untereinander ohnehin Englisch und die Promotion kann ebenfalls in englischer Sprache verfasst werden. Trotzdem drängt ihr Doktorvater Professor Rafiq Azzam darauf, dass seine Studenten während ihres Aufenthaltes die Sprache des Gastlandes lernen: "So fällt ihnen der Alltag in Deutschland leichter." Ingenieurgeologie, sein Fachgebiet, schlägt die Brücke zwischen der Geologie und den Ingenieurwissenschaften. Hier geht es um die Beschaffenheit des Untergrundes und seiner besonderen Eigenschaften.

So beschäftigt sich Mei Dong in ihrer Doktorarbeit mit einem Kartierungsverfahren, das die Tragfähigkeit des Untergrundes simuliert und später einmal als Grundlage für Bauentscheidungen dienen kann. Ihre Kollegin Hong Tian erforscht, ob und wie CO2 als Maßnahme gegen den Treibhauseffekt aus der Atmosphäre in den Untergrund gebracht und dort dauerhaft gebunden werden kann. Mögliche Lagerorte hierfür wären Abraum oder Kohle, die sich mit Kohlendioxid anreichern ließen. Hong Tian entwickelt derzeit mathematische Modelle für solche Verfahren, in denen auch Druck und Feuchtigkeit eine wichtige Rolle spielen. Beide Bauingenieurinnen haben ihre Masterstudiengänge 2008 abgeschlossen und den Kontakt zur RWTH Aachen selbst hergestellt. Das ist in Deutschland üblich, denn um wettbewerbsfähig zu bleiben, suchen sich die Hochschulen ihre Promovenden selbst aus.

Promotion mit Doktorvater

Alvaro Real, Doktorand aus Kolumbien, hatte seinen Sprachkurs beim Goethe-Institut bereits hinter sich, als er 2008 seine Promotion in Aachen begann. Er hatte schon 2001 sein Studium als Bauingenieur beendet und arbeitete in seinem Heimatland an der Universität von Bucaramanga einige Jahre als Lehrbeauftragter. Dort lehrte er unter anderem Kanalhydraulik und Mechanik von Flüssigkeiten. Das ist auch Thema seiner Doktorarbeit, in der es um die elektrokinetische Aufbereitung verschmutzten Wassers geht. "Eine Promotion in Deutschland war schon immer mein Ziel", erzählt der Ingenieur, der über ein spezielles Austauschprogramm für kolumbianische Hochschullehrer den Kontakt nach Aachen herstellen konnte.

Alle drei promovieren auf traditionelle Weise - haben Professor Azzam als Doktorvater, schreiben eine eigene Dissertation und sind darüber hinaus in Aufgaben des Lehrstuhls eingebunden. Während Alvaro Real als Doktorand am Lehrstuhl zeitlich befristet angestellt ist und ein Gehalt bekommt, werden die beiden Chinesinnen über ein Stipendium ihres Heimatlandes gefördert. Die Kosten für eine Promotion in Aachen sind moderat, denn sie entstehen nur für die normale Lebenshaltung - Gebühren erhebt die Hochschule für eine Promotion nicht.


Teams und Netzwerke

"Wir fühlen uns in Deutschland sehr wohl und unternehmen viel mit anderen Doktoranden," erzählt Mei Dong. In Aachen gibt es eine sehr große Gemeinschaft Studierender aus China, die rund 1000 Personen umfasst. Generell sind deutsche Hochschulen sehr international geprägt, so dass ausländische Doktoranden immer schnell andere Studierende mit gleicher Muttersprache oder sogar aus ihrer Heimat kennen lernen.

Um die Kontakte der Promovenden untereinander zu fördern, finden viele gemeinsame Veranstaltungen statt, initiiert beispielsweise vom DAAD. Auch durch das tägliche Meeting am Lehrstuhl von Professor Azzam, das dem fachlichen und persönlichen Austausch dient, lernen die Promovenden einander besser kennen. Nach der Rückkehr in das Heimatland - drei bis vier Jahre dauert eine Promotion in Deutschland im Schnitt - bleiben diese hier entstandenen Netzwerke oft erhalten. Es gibt eine ausgeprägte Alumni-Kultur, die über Summer-Schools oder gemeinsame Exkursionen und Forschungsprojekte immer wieder persönliche Begegnungen ermöglicht.

Gute Karrierechancen

Eine Promotion in Deutschland macht sich gut in der wissenschaftlichen Laufbahn. "Viele meiner Doktoranden haben nach ihrer Rückkehr relativ schnell eine Professur erhalten", erzählt Professor Azzam, der seit 1993 Doktoranden betreut. Auch die Chancen auf eine Karriere in Deutschland stehen angesichts des herrschenden Fachkräftemangels sehr gut. Die Industrie benötigt viel mehr hochqualifizierte Technikabsolventen als derzeit die deutschen Hochschulen verlassen - gute Aussichten also, auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Quelle: DAAD»

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