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Verheizt: Studiengebühren als Finanzspritze


Von Jan-Martin Wiarda

Die Uni Hohenheim will mit Studiengebühren das Haushaltsdefizit decken

academics: Karriereportal der Wissenschaft und Forschung© M Rosley - Fotolia.comUniversität Hohenheim
Manchmal lohnt es sich, auf der Website einer Hochschule in alten Pressemitteilungen zu stöbern. Bei der Universität Hohenheim etwa findet sich mit Datum vom 13. Juli 2005 eine Resolution zum Thema Studiengebühren. Das Geld der Studenten, so hatte der Senat damals einstimmig beschlossen, solle »uneingeschränkt zur Verbesserung der Lehre zur Verfügung stehen«. Gerade hat Rektor Hans-Peter Liebig vorgeschlagen, das in diesem Jahr drohende Haushaltsdefizit in Höhe von 3,2 Millionen Euro zur Hälfte aus Studiengebühren zu decken. Einen Großteil des Defizits werden aller Voraussicht nach übrigens die Heizkosten ausmachen. Ein Unding.

Natürlich kann man argumentieren, dass eine Raumtemperatur über 10 Grad Celsius durchaus zur Verbesserung der Lehre beiträgt, doch ist allen Beteiligten, vom Rektor über die Studenten bis hin zum aus der Ferne zuschauenden Wissenschaftsminister, klar, was die Umsetzung von Liebigs Vorschlag tatsächlich bedeuten würde: einen einmaligen Tabubruch.

Studentisches Geld würde direkt in den Uni-Haushalt fließen und dabei helfen, den Alltagsbetrieb aufrechtzuerhalten - anstatt zusätzliche, neue Projekte zu finanzieren. Das widerspräche nicht nur der Hohenheimer Senatsresolution, sondern allem, was in Deutschland im Vorfeld der Einführung der Campus- Maut hoch und heilig versprochen worden ist.

Es wundert daher nicht, dass die Studenten bei der eilig einberufenen Urwahl den Vorschlag des Rektors vergangene Woche mit überwältigender Mehrheit abgelehnt haben, doch vom Tisch ist er damit nicht. Der Universitätsrat, das höchste Gremium der Hochschule, kann die Zweckentfremdung auch gegen das studentische Votum durchdrücken.

Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) gibt sich unterdessen auffallend wortkarg. Dabei ist der eigentliche Grund der Krise, dass die Staatszuschüsse an die Uni seit Jahren auf dem Niveau von 1997 eingefroren sind und Frankenberg jetzt auch noch den freiwilligen Heizkostenzuschuss gestrichen hat. So hat die Landesregierung die Universität in eine Situation gebracht, in der sie handeln musste. Frankenberg ist gut beraten, den Hohenheimern aus ihrer Defizitpatsche zu helfen, bevor der Universitätsrat eine womöglich fatale Entscheidung trifft.

Ansonsten könnte ihm die Angelegenheit aus dem Ruder laufen: Die Diskreditierung der Studiengebührenidee wäre total, wenn das Hohenheimer Beispiel Schule machte und Studenten auch anderswo mit ihren Gebühren geradestehen müssten, wo der Staat seinen ureigensten Aufgaben nicht mehr gerecht wird.

Aus DIE ZEIT :: 05.02.2009

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