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Viel Lärm um nichts: Milliardeninvestitionen in die Bildung

Von Martin Spiewak

Die Länder investieren wieder in Bildung, aber an der falschen Stelle. Zur aktuellen Situation der Bildungspolitik in Deutschland.

Viel Lärm um nichts: Milliardeninvestitionen in die Bildung© M Rosley - Fotolia.com
Auch Textbausteine können sich in politische Wirklichkeit verwandeln. Jahrelang beschworen Landespolitiker in ihren Reden, Bildung habe Priorität, in den Schulen entscheide sich die Zukunft des Landes. Nun handeln sie tatsächlich.

Baden-Württemberg bläst zur "Bildungsoffensive", die bayerische Staatsregierung verspricht Milliarden für Schulen und Universitäten, und selbst das notorisch klamme Berlin investiert wieder in die Köpfe des Nachwuchses der Hauptstadt. Dass die Unzufriedenheit der Bürger mit ihrer Bildungspolitik der hessischen CDU den Wahlsieg gekostet hat, ist vielen Landespolitikern ganz offenbar eine Lehre.

Mehr Geld allein macht die Schulen jedoch noch nicht besser. Es muss auch richtig angelegt sein. Schaut man sich die Investitionspläne der Kultusminister im Einzelnen an, darf man daran zweifeln. Denn einen Großteil des Geldes wollen sie dafür verwenden, die Klassen zu verkleinern und die Unterrichtsversorgung zu sichern.

Große Klassen und ausgefallene Stunden mögen Lehrer belasten und Eltern nerven - zu den größten Problemen unserer Schulen gehören sie nicht. Kein Kind lernt mehr, wenn die Zahl der Kinder pro Klasse, wie jetzt in Baden-Württemberg geplant, im Schnitt um drei Schüler sinkt.

Zum Glück erlaubt das Stuttgarter Kultusministerium den Schulleitern, das neue Geld je nach Bedarf auch anders zu verwenden: für Förderstunden, die Entwicklung eines besseren Unterrichts, für die Einstellung von Sozialarbeitern. Sie sollten die neue Freiheit nutzen - und sich dem pädagogischen Populismus nicht beugen.

Aus DIE ZEIT :: 24.07.2008

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