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Von A wie Anfangsdotation bis Z wie Zustiftung - was Stiftungen ausmacht

Von Christoph Mecking

Wenn die Entscheidung zur Gründung einer Stiftung gefallen ist, müssen insbesondere Fragen über die konkrete rechtliche Gestaltung gestellt und beantwortet werden. Hier gibt es viele Typen und Formen, wie eine Stiftungsinitiative verwirklicht werden kann. Eine kleine Einführung.

Von A wie Anfangsdotation bis Z wie Zustiftung - was Stiftungen ausmacht© richterfoto.de - Fotolia.com
Um es ganz kurz zu sagen: Die Stiftung ist ein mehr oder weniger verselbständigtes Zweckvermögen. Oder sie bezeichnet den Akt der Errichtung. Im typischen Fall ist der Kern der Leistungskraft einer Stiftung ihr Vermögen. Am Anfang des Stiftungslebens wird es von einem oder mehreren Stiftern unwiderruflich bereitgestellt. Und es kann immer wieder durch weitere Zustiftungen erhöht werden. Insofern gilt, dass Stiften gehen etwas mit Loslassen zu tun hat. Das Stiftungsvermögen ist nicht um seiner selbst willen da. Es dient. Aus den Erträgen seiner Anlage wird der meist gemeinnützige Zweck der Stiftung erfüllt. Die Stiftung ist kein Tresor. Sie ist eine Leistungsorganisation.

Stiften ist attraktiv

Das Instrument der Stiftung ist attraktiv. Der rechtliche Rahmen, früher etwas spröde, vor wenigen Jahren nach über zehn Dekaden aber erstmals modernisiert und flexibilisiert, ist weniger eng gefasst als bei anderen Rechtsfiguren. Er bietet Raum für Kreativität und Gestaltung. Die Stiftung bietet dem Stifter die Möglichkeit, sich und seine Vorstellungen zu "verewigen". Sie kennt keine Mitglieder oder Gesellschafter, sie ist autonom und allein dem Stifterwillen verpflichtet. Es gibt viele Typen und Formen, wie eine Stiftungsinitiative verwirklicht werden kann, sei es zu Lebzeiten oder als Ausdruck des letzten Willens. Hier seien zwei verschiedene Wege genannt, eine private Stiftung zu gründen, die sich grundsätzlich in ihrer Rechtspersönlichkeit unterscheiden.

Für Aktive: Die rechtsfähige Stiftung

Wer ein ausreichendes Vermögen einbringen kann, sich auch selbst aktiv in "seine" Stiftung einbringen möchte, die staatliche Aufsicht, den etwas aufwendigeren Gründungsvorgang und auch die Aufgaben im Management nicht scheut, ist mit dem Prototyp der Stiftung, der selbständigen Stiftung im Sinne der §§ 80 ff. BGB, gut beraten. Sie ist eine rechtsfähige Körperschaft, die durch ihren Vorstand ihren Zweck dauernd und nachhaltig verfolgt und entsteht durch ein Stiftungsgeschäft, durch das der Stifter Name, Sitz, Zweck, Vermögensausstattung und Organisation der Stiftung in einer Satzung festlegt. Nach positiver Prüfung durch die zuständige Landesbehörde erfolgt mit ihrer Anerkennung als rechtsfähig die Entstehung als juristische Person. Die staatliche Stiftungsaufsicht wacht darüber, dass der Stifterwille eingehalten und von den Organen beachtet wird.

Für Schnelle: Die Treuhandstiftung

Eine Alternative ist die unselbständige Stiftung. Diese eignet sich besonders für Menschen, die (zunächst) nur "kleines" Geld einbringen wollen, denen vielleicht der Verwaltungsaufwand zu hoch ist, die eine staatliche Aufsicht nicht für erforderlich halten und die schnell und mit Hilfe eines erfahrenen Treuhänders ihre Ziele verwirklichen wollen. Hier schließt der Stifter mit dem Treuhänder einen Treuhandvertrag, in dem sich dieser verpflichtet, die Stiftung entsprechend der in einer Satzung vorgesehenen Anordnungen zu verwalten. Unter dieser Auflage wird er Eigentümer des Vermögens.

Immer beliebter

Als Instrument für die dauerhafte Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung ist die Stiftung in den letzten Jahren immer beliebter geworden. Allein 16 406 selbständige Stiftungen des bürgerlichen Rechts sind Ende 2008 gezählt worden; deren Anzahl hat sich über die letzten 20 Jahre fast verdreifacht; 1 020 Stiftungen wurden im vergangenen Jahr neu errichtet. Und zusätzlich geht man von der Existenz von mehreren zehntausend unselbständigen Stiftungen aus. Fast alle diese Stiftungen verfolgen gemeinnützige Zwecke, fördern also etwa Wissenschaft und Forschung oder die Bildung. Sie sind von Ertragsteuern befreit und vermitteln dem Stifter, Zustifter und Spender erhebliche Steuervorteile für die gute Tat. Der allgemeine Spendenabzug liegt bei 20 Prozent der jährlichen Einkünfte.

Zuwendungen zum Vermögen, also Anfangsdotationen und Zustiftungen, werden zusätzlich über einen Höchstbetrag i.H.v. einer Million Euro gefördert, welcher auf Antrag über einen Zeitraum von zehn Jahren geltend gemacht werden kann. Und Erbschafts- und Schenkungssteuern entfallen grundsätzlich, bei Erben und Beschenkten entfallen sie bei einer Weitergabe an eine gemeinnützige Stiftung sogar bis zu 24 Monate nach ihrer Entstehung. Modernes Engagement Gerade im Bildungs- und Wissenschaftsbereich spielen Stiftungen eine große Rolle. Bedeutende Einrichtungen wie das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik oder die Bucerius Law School werden durch Stiftungen getragen. Auch wenn man die öffentlich-rechtlichen Universitätsstiftungen wie die Georg-August-Universität Göttingen außer Acht lässt, gibt es immer mehr private Hochschulstiftungen wie die SRH-Stiftung oder die Frankfurt School of Finance & Management.

Die großen Förderstiftungen wie die Fritz Thyssen Stiftung, die Volkswagenstiftung oder die Gemeinnützige Hertie Stiftung sind aus der Wissenschaftslandschaft nicht mehr wegzudenken. Das Gros aber bilden die vielen kleinen und mittelgroßen privaten Förderinitiativen in fast allen Bereichen des akademischen Lebens. Mit ihren Preisen, Stipendien, Reise- und Druckkostenbeihilfen, Stiftungslehrstühlen, Konferenzen, und Projektfinanzierungen tragen sie ganz wesentlich zur Erhaltung von Qualitätsstandards auch auf Spezialgebieten, zur Anregung und Ermöglichung struktureller Innovationen und insgesamt zur Belebung des Bildungsund Wissenschaftswesens bei.

Und das von A bis Z: Die Aby-Warburg-Stiftung fördert Forschungen zur europäischen Kunst- und Kulturgeschichte in Hamburg; die Zukunftsstiftung Bildung will "jedem Kind ein Instrument" ermöglichen. Wissenschaft und Bildung brauchen Stiftungen, weil sie - in Anlehnung an ein Wort von Hubert Markl - Freiheit und Vielfalt brauchen, um überhaupt innovativ sein zu können. Aber auch, wer sich dauerhaft und zielgerichtet engagieren will, braucht die Stiftung, denn sie bietet die Möglichkeit für individuelles bürgerschaftliches Engagement. Und sie bietet heute - bei guter Beratung und entsprechenden Vorkehrungen in der Satzung - die Chance zum selbstbestimmten Experiment und Wandel. Es gibt viele spannende Projekte und innovativen Ideen. Wer sich engagieren kann und will, dem sei sei Stiftung angeraten. Stiften hilft und ist modern.

Über den Autor
Rechtsanwalt Dr. Christoph Mecking ist geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Stiftungsberatung in Berlin und Chefredakteur des Fachmagazins Stiftung & Sponsoring.

Aus Forschung und Lehre :: August 2009

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