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Von Santa Barbara nach Heidelberg

 

Professor Jonas Grethlein wechselte mit 29 Jahren von der University of California, Santa Barbara, an den Lehrstuhl für Griechische Literaturwissenschaft der Universität Heidelberg.

Von Santa Barbara nach Heidelberg: Griechische LiteraturwissenschaftProfessor Jonas Grethlein
Was führt Sie vom "Sunshine-State" der USA an den Neckar?

Santa Barbara ist ein locus amoenus und die Leichtigkeit des Lebens in Kalifornien verführerisch, aber am Ende wog die große Tradition Heidelbergs in den Geisteswissenschaften doch schwerer.

Nach Ihrer Promotion haben Sie kurz bei McKinsey gearbeitet. Warum war eine Unternehmensberatung nicht das Richtige für Sie?

So groß der Reiz des Neuen zu Beginn war, so schnell habe ich gemerkt, dass die Interpretation von Literatur mich mehr interessiert als die Beschäftigung mit betriebswirtschaftlichen Problemen. Die Arbeit als Unternehmensberater hat mich auch die Möglichkeit zu selbstbestimmter Arbeit und komplexem Denken als Privilegien des Wissenschaftlers neu schätzen gelehrt.

Artikel zum Thema Sie forschen u.a. zum Zukunftsbild in der Antike und in der modernen Zeit. Ist unser heutiger "Fortschrittsglaube" eigentlich angemessen? Was können wir von den Griechen lernen?

Obwohl der Fortschrittsglaube seit der Aufklärung durch zivilisatorische Katastrophen erschüttert worden ist, neigen wir auch heute noch dazu, uns Geschichte als eine Entwicklung vorzustellen.

Die Konstruktion von Entwicklungen ist der Antike nicht fremd; im Vordergrund stehen aber die Grenzen menschlicher Verfügungsgewalt, mit Odo Marquard gesprochen, Schicksalskontingenz, die Entwicklungen in Frage stellt.

Für mich sind die griechischen Geschichtsbilder eine wichtige Folie, vor deren Hintergrund wir gegenwärtige Geschichtsvorstellungen besser verstehen können.

Aus Forschung und Lehre :: Juli 2008

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