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Wann ist eine Habilitation erforderlich?

Wann ist eine Habilitation erforderlich?© Enrico Fianchini - iStockphoto.com

Ich bin promovierter Physiker (Fachgebiet Optik, Schwerpunkt Mikroskopie), 35 Jahre alt. In den nächten zwei Jahren bin ich Marie-Curie-Fellow (EU Stipendium) an einem Forschungszentrum in Heraklion (Kreta), danach möchte ich mich entweder auf eine FH-Professur oder eine Universitäts-Professur bewerben. In welchem Fall ist eine Habilitation erforderlich oder erwünscht?

Speziell fuer die FH-Professur wird oft eine dreijährige ausseruniversitäre Berufserfahrung vorrausgesetzt. Zählt hierzu auch meine Tätigkeit an einer ausseruniversitären Forschungseinrichtung, sowie ggf. meine Diplomarbeit in der Industrie?

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Eine pauschale Antwort auf Ihre Frage, ob eine Habilitation für die Bewerbung auf eine Universitätsprofessur erwünscht ist, läßt sich nicht geben. Aus den Hochschulgesetzen der einzelnen Bundesländer ergibt sich jedenfalls, daß Einstellungsvoraussetzung für eine Universitätsprofessur neben einem abgeschlossenen Hochschulstudium, pädagogischer Eignung und Promotion entweder eine Habilitation oder der Nachweis gleichwertiger wissenschaftlicher Leistungen ist, die auch in einer Tätigkeit außerhalb des Hochschulbereiches erbracht sein können.

Dementsprechend sind auch die jeweiligen Ausschreibungstexte für eine Universitätsprofessur formuliert. Gleichwohl ist nicht auszuschließen, daß an manchen Universitäten oder in manchen Fachrichtungen ein Bewerber, der habilitiert ist, bessere Einstellungschancen hat.

Daneben besteht jedoch auch die Möglichkeit, eine Juniorprofessur anzustreben. Die Juniorprofessur stellt eine Personalkategorie unterhalb der ordentlichen Universitätsprofessur dar. Einstellungsvoraussetzungen sind neben dem abgeschlossenen Hochschulstudium und der pädagogischen Eignung die besondere Befähigung zur wissenschaftlichen Arbeit, die in der Regel durch die herausragende Qualität einer Promotion nachgewiesen wird.

Zu Bedenken ist jedoch, daß die Tätigkeit als Juniorprofessor auf einen Zeitraum von 6 Jahren beschränkt ist. Nach positiver Evaluation kann jedoch die Juniorprofessur in eine unbefristete Universitätsprofessur überführt werden.

Im Zusammenhang mit einer Fachhochschulprofessur ist die Habilitation regelmäßig keine Einstellungsvoraussetzung. Hier bedarf es neben einem abgeschlossenen Hochschulstudiums, des Nachweises pädagogischer Eignung und des Nachweises der besonderen Befähigung zur wissenschaftlichen Arbeit, die in der Regel durch die Qualität einer Promotion erbracht wird, des Nachweises von besonderen Leistungen bei Anwendung und Entwicklung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden in einer mindestens fünfjährigen beruflichen Praxis, von der mindestens drei Jahre außerhalb des Hochschulbereiches ausgeübt worden sein müssen.

Der Gesetzgeber hat damit deutlich gemacht, daß das Qualifikationsprofil von Fachhochschulprofessoren einen starken Praxisbezug aufweisen muß. Gesucht werden wissenschaftlich qualifizierte Praktiker, die ihre Berufserfahrung in der Lehre einbringen.

Hierzu kann auch die Tätigkeit an einer außeruniversitären Forschungseinrichtung zählen, sofern hier besondere Leistungen bei der Anwendung oder Entwicklung wissenschaftlicher Kenntnisse und Methoden erbracht wurden. Die Diplom-Arbeit in der Industrie wird man dagegen in aller Regel nicht dazu zählen können, da die mehrjährige berufliche Praxis regelmäßig nach Abschluß des Hochschulstudiums liegen muß.
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