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Das Geld ruft: Warum Nordrhein-Westfalen Professoren besser bezahlen will

Von Jan-Martin Wiarda

Nach Thüringen will jetzt auch Nordrhein-Westfalen den sogenannten Vergaberahmen für die Professorenbesoldung abschaffen. Hochschulen dürfen damit künftig die Gehälter ihrer Profs in beliebige Höhen steigern.

Warum Nordrhein-Westfalen Professoren besser bezahlen will
Für Nachwuchswissenschaftler, die sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag knapp über Hartz-IV-Niveau hangeln, die fürchten müssen, dass ihr Traum vom eigenen Lehrstuhl für immer ein unerreichbarer bleibt, kurz, für viele Assistenten, Doktoranden und Privatdozenten hat die folgende Nachricht einen zynischen Beigeschmack: Nach Thüringen will jetzt auch Nordrhein-Westfalen den sogenannten Vergaberahmen für die Professorenbesoldung abschaffen. Hochschulen dürfen damit künftig die Gehälter ihrer Profs in beliebige Höhen steigern.

Das bisherige Gehaltsniveau lag seit der Reform von 2002 zwischen 3900 (Besoldungsgruppe W2) und 4990 Euro (W3), wobei die genannten Summen wohlgemerkt nur das Grundgehalt ohne die zusätzlich üblichen, zum Teil üppigen Zulagen umfassen. Dazu kommen noch die Verbeamtung und damit verbunden eine großzügige Pension nach der Emeritierung. Armut sieht anders aus. Da die Hochschulen künftig nicht mehr Geld haben werden, scheint zudem klar, wie die absehbaren Gehaltssteigerungen für die Topleute finanziert werden müssen: durch Kürzungen an anderer Stelle. Womit wir wieder bei den Assistenten, Doktoranden und Privatdozenten wären, die auf eine eigene Professur hoffen.

Doch so schwer nachvollziehbar der Verzicht auf den Vergaberahmen auf den ersten Blick auch sein mag: Die Neuregelung, für die sich Hochschulrektoren aus ganz Deutschland seit Jahren aussprechen, ist richtig und ohne Alternative. Wissenschaft ist ein globalisiertes Geschäft, die besten Forscher gehen dorthin, wo ihnen die besten Arbeitsbedingungen, das beste Kollegenumfeld und die beste Bezahlung geboten werden. Bislang hatten deutsche Universitäten im Wettbewerb um die schlausten Köpfe, der bisweilen an einen Transfermarkt im Fußball erinnert, häufig das Nachsehen. Gewinner waren meistens die Vereinigten Staaten.

Künftig können Hochschulen in Nordrhein-Westfalen nicht nur mit einem entsprechenden Gegenangebot kontern, wenn ihre Spitzenleute abgeworben werden sollen, sie können auch selbst ihre Headhunter losschicken. Schon jetzt ist absehbar, dass andere Wissenschaftsminister dem Beispiel ihres NRW-Kollegen Andreas Pinkwart (FDP) folgen werden. Davon könnten sogar die Nachwuchswissenschaftler profitieren: Die eingeworbenen Topleute haben meistens einen ganzen Tross an Mitarbeitern, stellen zusätzlich neue ein, ziehen Forschungsprojekte an Land.

Kein Zweifel, dass der Mehrwert für die Hochschule durch die Neuverpflichtung die zusätzlichen Kosten häufig bei Weitem übersteigen wird. Die nächste Reform wird übrigens hoffentlich auch nicht mehr lange auf sich warten lassen: Wer zu Recht Spitzengehälter für Spitzenleistungen einfordert, darf sich umgekehrt nicht mehr auf dem gemütlichen Beamtenstatus für Professoren ausruhen.

aus DIE ZEIT :: 21.08.2008

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