Das Karriereportal für Wissenschaft & Forschung von In Kooperation mit DIE ZEIT Forschung und Lehre

Wie sind die Chancen auf eine Karriere in meinem Fachbereich?

Wie sind die Chancen auf eine Karriere in meinem Fachbereich?© Jarek Szymananski - iStockphoto.com

Ich bin promovierte Kunsthistorikerin und arbeite seit 3 Jahren am Seminar für Kunstgeschichte einer Universität, an der ich auch studiert habe. Meine Stelle habe ich noch 2,5 Jahre sicher. Studiert habe ich Germanistik (Hauptfach) und Kunstgeschichte. Eigentlich hatte ich nie eine Unikarriere angestrebt und in vielen Bereichen neben dem Studium gearbeitet.

In den Lehrberuf bin ich mehr oder weniger "geschubst" worden. Die Wissenschaft macht mir sehr viel Spaß, auch wenn dafür sehr wenig Raum bleibt. Die Lehre ist oft frustrierend und der Verwaltungsaufwand inzwischen so hoch, dass ich zu 80% Sekretariatsarbeit erledige. Ich versuche, mich wirklich um die Studenten zu kümmern, was zeitlich eigentlich nicht erlaubt ist und von den Kollegen eher missbilligt wird.

Nun bin ich seit 8 Monaten Mutter (derzeit in Elternzeit) und stehe vor der Entscheidung, ob ich meine gesamte Freizeit in die Habilitation stecke, oder ob ich mich in meinem Alter (fast 34) noch umorientieren kann und soll. Da die universitären Erfolgschancen recht gering sind, fehlt mir manchmal die Motivation, obwohl es für mich nichts Schöneres gibt als den Gegenstand meines Faches. Ich schreibe sehr gerne, wenn auch lieber Aufsätze, als an sehr langen Projekten.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir mit einem Rat weiterhelfen könnten, auch wenn ich weiß, dass diese persönliche Frage schwer zu beantworten ist. Dennoch: Wie schätzen Sie die Chance ein, eine Karriere in diesem Fachbereich zu absolvieren, v.a. da mein Lehrstuhlinhaber mir zwar in allem wohl gesonnen ist, aber keinen "Support" gibt? Gibt es in meinem Alter überhaupt noch Alternativen?

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Ein Habilitationsprojekt stellt im Regelfall das größte wissenschaftliche Vorhaben im Rahmen einer wissenschaftlichen Karriere dar. Sie werden nach der Habilitation erfahrungsgemäß regelmäßig nicht mehr den zeitlichen Spielraum haben, sich über mehrere Jahre mit einem Forschungsgegenstand derart vertieft zu beschäftigen. Infolgedessen sollten Sie realistischerweise davon ausgehen, für eine erfolgreiche Habilitation hinreichende persönliche und berufliche Freiräume zu besitzen.

Im Regelfall ist es für eine Habilitation hilfreich, dienstrechtlich an einer Universität verankert zu sein. Da Ihnen nach Ihren eigenen Angaben Ihre jetzige Position nur noch für zweieinhalb Jahre sicher ist, würde sich folgerichtig die Frage stellen, ob eine weitere befristete Beschäftigung denkbar wäre. Wissenschaft ist ein Hochrisikoberuf. Bei Beginn eines Habilitationsprojektes ist seriöserweise überhaupt nicht absehbar, ob die Berufung auf einen Lehrstuhl erfolgen wird. Dies hängt zum einen von hochschulpolitischen Vorgaben und im Ergebnis auch der Unterstützung des Habilitationsbetreuers ab.

Der letzte Punkt ist nicht zu unterschätzen. Auch sollte sehr sorgfältig eruiert werden, welches Standing Ihr möglicher Habilitationsbetreuer in Ihrem Fach besitzt. Letztlich würden wir Ihnen anraten wollen, Ihre Habilitation noch vor Erreichen des 40. Lebensjahres erfolgreich abzuschließen, wenn Sie eine akademische Karriere im Rahmen einer Professur anstreben.
Ausgewählte Stellenangebote